Bots haben menschliche Nutzer im Web überholt. Laut aktuellen Daten des Netzwerkdienstleisters Cloudflare entfallen inzwischen rund 57 Prozent des weltweiten Webtraffics auf automatisierte Zugriffe – durch Crawler, KI-Agenten, Scraper und andere Bots. Der Anteil wächst dabei deutlich schneller als der menschliche: Laut dem „State of AI Traffic Report 2026“ der Cybersicherheitsfirma Human Security stieg automatisierter Traffic im Jahr 2025 fast achtmal schneller als menschliche Aktivität.
Nicht jeder Bot ist gleich
Für Webseiten- und Shop-Betreiber ist die Entwicklung ambivalent. Einerseits navigieren KI-Agenten zunehmend im Auftrag echter Nutzer durch das Web – sie recherchieren Produkte, vergleichen Preise und lösen Kaufprozesse aus. Andererseits ist Bot-Traffic auch eine potenzielle Belastung: Automatisierte Zugriffe können Bandbreite verbrauchen, Analysedaten verzerren und Serverkosten in die Höhe treiben, ohne einen einzigen Umsatz zu generieren.
Ein weiteres Problem: Es gibt bislang keinen verlässlichen Standard, um legitime KI-Agenten von missbräuchlichem Bot-Traffic zu unterscheiden. Plattformen können derzeit nicht zuverlässig erkennen, ob ein Agent im Auftrag eines echten Kunden handelt oder ob es sich um automatisierten Datenmissbrauch handelt.
Optimierung für Maschinen statt für Menschen
Einige Unternehmen reagieren bereits. Das SaaS-Unternehmen Monday.com hat etwa einen eigenen Anmeldeprozess speziell für KI-Agenten eingerichtet – inklusive eines umgekehrten CAPTCHA-Systems, das nur Bots passieren können. Das Ziel: KI-Systeme sollen das Angebot leichter erfassen und weiterempfehlen.
Experten empfehlen Unternehmen, ihre technische Infrastruktur stärker auf maschinenlesbare Datenstrukturen auszurichten – etwa durch die Implementierung von MCP-Servern (Model Context Protocol), die es KI-Ökosystemen ermöglichen, direkt mit einem Shop oder Dienst zu interagieren. Weniger Aufwand für visuelle Gestaltung, mehr Investition in strukturierte Datenschnittstellen, lautet die Empfehlung aus der Branche, so Inc.com.
Herausforderung für IT und Sicherheit
Cloudflare stuft die Entwicklung als nächste Evolutionsstufe des Internets ein, warnt aber gleichzeitig: Bestehende IT-Infrastrukturen und Sicherheitskonzepte seien auf diese Verschiebung nicht ausgelegt. Für Webseitenbetreiber bedeutet das: Wer weiterhin aussagekräftige Traffic-Analysen benötigt und seine Infrastrukturkosten im Griff behalten will, muss Bot-Traffic künftig stärker differenzieren und gezielt filtern.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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