Amazon-App verlangt viermal so viele Zugriffsrechte wie Temu

Veröffentlicht: 22.07.2025
imgAktualisierung: 22.07.2025
Geschrieben von: Ricarda Eichler
Lesezeit: ca. 2 Min.
22.07.2025
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Zwei Menschen sitzen auf dem Sofa und starren auf ihre Handies. Man sieht verschiedene App-Symbole auf dem Handy.
HayDmitriy / Depositphotos.com
Eine britische Studie zum Privatsphärenschutz bei Apps zeigt jetzt auf, wie viele Berechtigungen beliebte Dienste einfordern.


Mobiles Shopping gehört mittlerweile zum Standard. Immer mehr Einkäufe werden dabei direkt in den dedizierten Apps der Shops oder Marktplätze getätigt. Doch ähnlich wie beim Akzeptieren von AGB, schauen sich die wenigstens Nutzer:innen genauer an, was sie mit der Nutzung der Apps eigentlich alles hinnehmen. Das britische Magazin Which? analysierte jetzt die 20 in Großbritannien beliebtesten Shopping- und Social-Media-Apps hinsichtlich ihrer eingeforderten Berechtigungen.

Analyse: Temu verlangt die wenigsten Berechtigungen ab

Seit dem hiesigen Start von Temu gab es immer wieder Kritik am Unternehmen. Die App nutze unerlaubte Dark Patterns, um Menschen zum Kauf zu verleiten, macht die Wirtschaft mit ihren billigen Preisen kaputt – und spioniert angeblich nur für China. Zugegebenermaßen lässt sich diese Behauptung nun nicht allein angesichts der App-Berechtigungen entkräften. Wie die Which-Analyse jedoch herausfand, fordert die Temu-App „lediglich“ zwölf solcher Zugriffe ein, darunter den genauen Standort.

Im Rahmen des Vergleichs ist Temu damit die am wenigsten invasive App unter allen untersuchten Anwendungen. So verzichtet Temu unter anderem auf die Zugriffe auf Kamera und Mikrofon – etwas, von dem man meinen könnte, dass eine Shopping-App es schlicht auch nicht benötigt. Das sehen AliExpress, Amazon, Shein und sogar Vinted jedoch anders.

Wie das Portal ChannelX einräumt, kann der Zugriff zur Kamera in manchen Fällen durchaus legitim sein. So nutzen manche Marktplätze, wie beispielsweise Amazon, teilweise Virtual-Reality-Angebote, um Produkte innerhalb der eigenen Wohnung darzustellen. Bei Vinted kommt der private Verkauf hinzu. Nutzer:innen können hier per Kamera direkt Fotos von zu verkaufenden Produkten einspeisen.

Social-Media-Apps vornan bei Zugriffsrechten

Bei den Shopping-Apps fallen vor allem Amazon mit 48 Berechtigungen und AliExpress mit sogar 50 Berechtigungen negativ auf. Viele dieser Rechte gewähren dabei Zugriff auf persönliche Daten oder räumen sich ein, diese mit Drittanbietern, wie Marketingdiensten, zu teilen. So erhielten die Studienautor:innen innerhalb eines Monats über 30 Werbe-E-Mails von AliExpress, denen nie zugestimmt wurde – abgesehen von einer unauffälligen Berechtigung, welche den Versand dieser einräumte.

Geführt wird das Ranking aber klar von den Social-Media-Apps. TikTok fordert satte 41 Berechtigungen ein, die Meta-Apps Facebook (69), WhatsApp (66) und Instagram (56) toppen dies sogar. In mehreren Fällen entdeckte Which? zudem angeforderte Zugriffe auf Mikrofon oder Standort, zu welchen dann jedoch versichert wurde, dass diese nie genutzt würden.

Die große Frage, die sich dadurch stellt, ist: Warum werden diese Zugriffe dann überhaupt eingefordert? Und warum gewähren wir sie auch noch? Schließlich gibt es an vielen der besagten Apps berechtigte Kritikpunkte. Eine Untersuchung des Nationalen Testinstituts für Cybersicherheit NTC fand Ende letzten Jahres beispielsweise bei Temu ungewöhnliche zusätzliche Verschlüsselungssysteme, deren konkreter Nutzen nicht bekannt war.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 22.07.2025
img Letzte Aktualisierung: 22.07.2025
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Ricarda Eichler

Ricarda Eichler

Ricarda berichtet über digitale Themen und spricht in Interviews und Podcasts mit spannenden Stimmen aus der Branche.

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