Ein Cybervorfall beim Logistikdienstleister CEVA Logistics sorgt bei mehreren europäischen Handelsunternehmen für teils akute Beeinträchtigungen im Tagesgeschäft. Der niederländische Warenhausbetreiber De Bijenkorf ist wohl das gravierendste Beispiel. Dieser kann inzwischen große Teile seines Sortiments online gar nicht mehr anbieten.
De Bijenkorf: Erst Lieferverzögerungen, dann handfestes Verkaufsproblem
Ursprünglich hatte De Bijenkorf vor einigen Tagen lediglich mitgeteilt, dass die Lieferung von Bestellungen aus dem Online-Shop erst ab Anfang September erfolgen könnte. Mittlerweile hat sich die Lage aber massiv verschärft: Ein erheblicher Teil der Produkte wird im Shop als nicht verfügbar angezeigt. Kundinnen und Kunden können vor allem noch solche Artikel bestellen, die noch in den stationären Filialen vorrätig sind, berichtet Retail-News mit Verweis auf den niederländischen Telegraaf.
Und es gibt einen weiteren Folgeaspekt des Angriffs: Nach aktuellem Stand könne es sein, dass individuelle Kundendaten wie Namen, Adressen, Telefonnummern sowie Bestelldaten betroffen seien. Bei Passwörtern und Zahlungsdaten gebe es nach aktuellem Stand aber Entwarnung.
Umfang der Schäden noch nicht bekannt
De Bijenkorf hat rund 4.500 Beschäftigte, einen Jahresnettoumsatz von zuletzt fast 489 Millionen Euro sowie mehrere Filialen. RN vergleicht das Unternehmen in etwa mit Breuninger aus Deutschland.
Der Fall macht eindrücklich deutlich, dass selbst große Anbieter aus dem E-Commerce nicht vor gravierenden Folgen digitaler Kriminalität gefeit sind – selbst wenn nicht die eigenen Systeme betroffen sind, sondern ein externer Dienstleister. Wie stark sich die aktuelle Störung finanziell auswirkt, lasse sich derzeit noch nicht beziffern – entscheidend seien Dauer und Umfang des Ausfalls, heißt es weiter.
Weitere Kunden von CEVA
Dabei ist De Bijenkorf längst nicht das einzige betroffene Unternehmen. Auch der Brillenanbieter Ace & Tate spürt durch die CEVA-Störung Folgen. Brillenfassungen werden aktuell nicht mehr regulär verschickt, sondern können stattdessen nur zur Abholung in einer Filiale bestellt werden.
Ebenfalls Kunde von CEVA ist der niederländische Marktplatz Bol, der jedoch offenbar keine vergleichbaren Lieferprobleme wie De Bijenkorf melden musste. Wie stark ein Unternehmen von einem solchen Vorfall betroffen ist, hängt auch stark davon ab, wie viele Prozesse ausgelagert sind, wie eng die digitalen Systeme mit dem Dienstleister ineinandergreifen und welche Ausweichoptionen bestehen.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Tina Plewinski
Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.
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