Cyberangriffe, der rasante Einsatz von künstlicher Intelligenz und politische Unsicherheiten verändern die Situation für Unternehmen. Das Allianz Risk Barometer 2026 zeigt, welche Gefahren Unternehmen weltweit aktuell am meisten beschäftigen.
Cyberangriffe, der rasante Einsatz von künstlicher Intelligenz und politische Unsicherheiten verändern die Situation für Unternehmen. Das Allianz Risk Barometer 2026 zeigt, welche Gefahren Unternehmen weltweit aktuell am meisten beschäftigen.
Zum fünften Mal in Folge führen Cybervorfälle wie Ransomware-Angriffe, Datenlecks und IT-Ausfälle die Liste der globalen Geschäftsrisiken an – von 42 Prozent der befragten Unternehmen als größte Gefahr eingestuft. Neu hinzu kommt ein weiteres Risiko: Künstliche Intelligenz (KI) hat sich von Platz zehn auf den zweiten Rang vorgearbeitet.
Für den Online-Handel ist diese Entwicklung besonders brisant. Webshops, Zahlungsabwicklung, Lagerverwaltung und Kundenservice hängen komplett von funktionierender IT ab. Fällt ein System aus oder werden Daten kompromittiert, steht schnell das gesamte Geschäft still.
Diese Abhängigkeit macht die Branche anfälliger. Die Allianz warnt außerdem vor einer wachsenden Abhängigkeit von Cloud-Diensten, Plattformen und externen IT-Dienstleistern. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) seien betroffen, da sie oft nicht über die nötigen Ressourcen für umfassende Cybersicherheitsmaßnahmen verfügten.
Die wachsende Bedeutung von KI bringt nicht nur Vorteile, sondern auch neue Herausforderungen mit sich. Online-Händler nutzen KI in Bereichen wie Produktgestaltung, Marketing oder Betrugsprävention. Doch fehlerhafte Algorithmen, schlechte Datenqualität oder diskriminierende Modelle könnten rechtliche und regulatorische Probleme sowie Vertrauensverluste bei Kunden nach sich ziehen. Die Allianz weist darauf hin, dass viele Unternehmen KI schneller einführen als entsprechende Kontrollmechanismen entwickelt werden können. Dies erhöht das Risiko von Fehlentscheidungen durch automatisierte Systeme.
Neben Cyberrisiken sind auch Betriebsunterbrechungen ein zentrales Problem, da sie häufig mit Lieferkettenstörungen (z. B. Streiks, Umweltkatastrophen) und politischen Konflikten zusammenhängen. Für den Online-Handel, der auf verlässliche Lieferungen angewiesen ist, bedeutet dies ein hohes Risiko von Verzögerungen und Engpässen, sei es beim Einkauf, aber auch auf dem Weg zum Kunden. Für Händler bedeutet das ganz konkret: verspätete Lieferungen, leere Lager oder unzufriedene Kunden. Laut Allianz halten nur drei Prozent der Unternehmen ihre Lieferketten für wirklich widerstandsfähig.
In Deutschland beziehungsweise der EU rücken zudem gesetzliche und regulatorische Änderungen in den Fokus. Themen wie Datenschutz und KI-Regulierung könnten für Händler zu zusätzlichen Belastungen und Risiken führen.
Neben den von der Allianz identifizierten Top-Risiken gibt es aus Sicht des Online-Handels weitere Gefahren, die in der Studie nur am Rand oder gar nicht berücksichtigt werden. Dazu zählt vor allem die starke Abhängigkeit von Plattformen und Zahlungsdienstleistern. Änderungen bei Gebühren, Algorithmen oder Nutzungsbedingungen von Marktplätzen wie Amazon, Google oder Meta können Geschäftsmodelle kurzfristig unter Druck setzen. Wird ein Händler bei einem Marktplatz gesperrt, herabgestuft oder algorithmisch benachteiligt, kann der Umsatz über Nacht einbrechen. Anders als bei klassischen Lieferkettenproblemen gibt es hier oft keine Vorwarnzeit und kaum rechtliche Handhabe.
Ein weiteres spezifisches Risiko ist die zunehmende Betrugsanfälligkeit im Online-Handel: Fake-Bestellungen, Rücksende-Betrug, Accountübernahmen oder manipulierte Bewertungen verursachen hohe Kosten und schädigen das Vertrauen der Kunden – ein Thema, das in klassischen Risikostudien kaum auftaucht. Auch das Reputationsrisiko durch Social Media und Bewertungen ist für E-Commerce-Unternehmen besonders hoch. Negative Erfahrungen verbreiten sich heute in Minuten und können Kaufentscheidungen massiv beeinflussen.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
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