Die Brand-Protection-Experten von Nebty haben ein Fakeshop-Netzwerk aufgedeckt, das nach eigenen Angaben rund 119.000 Domains umfasst. Laut dem Münchener Start-up handelt es sich damit um das bislang größte öffentlich dokumentierte Fakeshop-Netzwerk. Die zugrunde liegende Datenbank hat Nebty öffentlich zugänglich gemacht, damit betroffene Unternehmen selbst nach ihrer Marke suchen können.
Kopierte Produktkataloge, echte Bilder
Das von Nebty „DoppelCart“ getaufte Netzwerk besteht aus betrügerischen Online-Shops, die Produktkataloge echter Unternehmen übernehmen – inklusive Beschreibungen und Originalbildern. Nach Angaben von Nebty verweisen manche der untersuchten Fakeshops sogar direkt auf Bildserver der kopierten Marken. Hinter den unterschiedlichen Shop-Auftritten stehe stets dieselbe technische Grundlage. Die Ware wird häufig mit Rabatten von rund 65 Prozent beworben, bei Kund:innen kommt sie aber nicht an.
Beschwerden landen bei den echten Unternehmen
Ein Problem für betroffene Marken: Die Fakeshops geben oft die Kontakt- und Supportadressen der echten Unternehmen an. Enttäuschte Käufer:innen wenden sich deshalb an den Kundenservice der kopierten Shops, obwohl diese weder Bestellung noch Zahlung erhalten haben. Das kann schwerwiegende Vertrauensprobleme für die betroffenen Händler:innen bedeuten.
Der Großteil der Fakeshops läuft über .shop-Domains. Konkret nennt das Unternehmen 118.787 betroffene .shop-Domains – das entspricht rund 2,72 Prozent der insgesamt untersuchten 4,36 Millionen .shop-Domains, beziehungsweise etwa jede 37. Domain. Zum Vergleich: Für das bislang bekannteste Netzwerk dieser Art, BogusBazaar, hatte SRLabs 2024 mehr als 75.000 Domains gemeldet.
Datenbank soll Marken beim Auffinden helfen
Nebty stellt die komplette Untersuchung als durchsuchbare Datenbank bereit. Betreiber legitimer Online-Shops können darin nach ihrem Markennamen oder ihren Domains suchen, um einen möglichen Missbrauch festzustellen. Journalisten und Sicherheitsforschern will das Unternehmen auf Anfrage zusätzlich Rohdaten zur Verfügung stellen.
Wer eine eigene Marke im Netzwerk findet, sollte prüfen, welche Inhalte übernommen wurden und einen Takedown einleiten. Geschädigte Kund:innen sollten Betrugsfälle zudem bei der Polizei anzeigen.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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