Immer wieder tauchen Berichte von Verbraucher:innen auf, die unerwartet Amazon-Pakete erhalten, ohne je eine Bestellung aufgegeben zu haben. Dahinter steckt oft eine betrügerische Praxis namens „Brushing“. Die Masche ist nicht neu. Schon 2021 berichtete OHN erstmals über die Betrugsmasche bei unbestellten Amazon-Paketen. Besser geworden ist es seitdem aber nicht.
Brushing bleibt ein Problem. Diese Form der Manipulation stellt nicht nur eine Bedrohung für das Vertrauen in große Plattformen wie Amazon dar, sondern schafft auch erhebliche Probleme für seriöse Händler:innen und den fairen Wettbewerb.
Ein Betrug mit System
Beim Brushing versenden Händler:innen, häufig aus dem Ausland, Waren an ahnungslose Empfänger:innen, ohne dass eine Bestellung vorliegt. Die dahinterliegende Absicht ist simpel, aber effektiv: Durch das Anlegen gefälschter Kundenkonten und das Versenden von Produkten, meist an reale Adressen, wollen die Händler:innen die Sichtbarkeit ihrer Artikel auf Plattformen wie Amazon erhöhen. Die vermeintlich „verifizierten Käufe“ ermöglichen es ihnen, positive Bewertungen abzugeben, die wiederum das Ranking ihrer Produkte verbessern.
„Viele dieser dubiosen Händler nutzen einfach kurzlebige Accounts, wechseln ihre Identitäten und operieren nicht selten außerhalb westlicher Rechtsräume.“
Dr. Grit Kittelmann, Juristin bei der Verbraucherzentrale Berlin
„Viele dieser dubiosen Händler nutzen einfach kurzlebige Accounts, wechseln ihre Identitäten und operieren nicht selten außerhalb westlicher Rechtsräume“, erklärt Dr. Grit Kittelmann, Juristin bei der Verbraucherzentrale Berlin, im Podcast von Radio Paloma. Für die Betrugsmasche werden in der Regel niedrigpreisige Artikel verwendet. Der finanzielle Verlust wird von guten Bewertungen und einem besseren Ranking locker wieder aufgefangen.
Die Adressen der unbeteiligten Empfänger:innen stammen oft aus illegal erworbenen Datenbanken oder Datenlecks, was bei den Betroffenen Sorgen um den Missbrauch ihrer persönlichen Informationen auslösen sollte. Zwar dürfen die Empfänger:innen die unerwarteten Pakete in den meisten Fällen behalten, doch bleibt das unangenehme Gefühl, dass ihre Daten in den falschen Händen gelandet sind. Die ahnungslosen Empfänger:innen machen sich beim Brushing nicht strafbar. Sie sind für die Betrüger letztlich nur Mittel zum Zweck.
Erschüttertes Vertrauen in das Bewertungssystem
Für Plattformen wie Amazon ist Brushing eine ernsthafte Herausforderung. Das Vertrauen in das Bewertungssystem wird durch diese Manipulationen massiv beschädigt. Produkte, die viele positive Rezensionen – insbesondere mit dem Label „verifizierter Kauf“ – vorweisen können, genießen ein höheres Vertrauen der Kund:innen und sind somit erfolgreicher auf der Plattform, so T3n. Doch gerade diese Mechanismen, die eigentlich der Qualitätssicherung dienen sollen, werden durch Brushing gezielt ausgenutzt.
Ehrliche Händler:innen leiden unter diesem Problem. Sie müssen nicht nur mit unlauteren Wettbewerbsbedingungen kämpfen, sondern auch mit einem potenziellen Vertrauensverlust ihrer Kund:innen, wenn die Integrität der Plattform insgesamt infrage gestellt wird. Amazon etwa kann gegen die Masche kaum etwas ausrichten, da der Betrug in den meisten Fällen gar nicht ans Licht kommt. Der Marktplatz bittet Kund:innen daher, Brushing zu melden, wenn sie Produkte erhalten, die sie nicht bestellt haben. So dürften sich zumindest Rückschlüsse auf die Drahtzieher ziehen lassen.
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