Zoll, Polizei und Steuerfahnder gingen mit einer Großrazzia am Dienstagmorgen gegen Hintermänner eines Firmennetzwerkes vor, die Millionen gefälschte Handys an Verbraucher:innen verkauft haben sollen. In Krefeld verschafften sich Ermittler Zutritt zu einer Lagerhalle, in der tausende mutmaßlich gefälschte Handys deponiert wurden. In Düsseldorf wurde ein 43-jähriger Ukrainer festgenommen, der zusammen mit etlichen Mitbeschuldigten eine kriminelle Vereinigung gegründet haben soll, wie die Tagesschau berichtet.
Komplexes Betrugssystem seit 2017
Die Beschuldigten sollen seit 2017 ein komplexes Betrugssystem aufgebaut haben. Aus alten Bauteilen wurden Smartphones zusammengesetzt, die als neue Samsung-Handys im Internet angeboten wurden. Rund eine Millionen Geräte sollen dabei auf Online-Plattformen wie Amazon verkauft worden sein. Ein Großteil davon in Deutschland.
Auf asiatischen und arabischen Märkten sollen gebrauchte Mobiltelefone verkauft worden sein, diese sollen in Werkstätten in Dubai und Hong-Kong gereinigt, neu zusammengebaut und in Kartons verpackt und professionell versiegelt worden sein. Die minderwertigen Geräte wurden dann in die EU eingeführt.
So sollen allein in Deutschland 24 Millionen Euro Steuern hinterzogen worden sein, weil der Handel mit gefälschten Handys mit einem ausgeklügelten Umsatzsteuerbetrug verbunden war. Dafür sollen die Geräte zunächst in die Niederlande eingeführt und dann eine Warenlieferung ins Ausland vorgetäuscht worden sein, um die Einfuhrumsatzsteuer zu umgehen.
Auffällige Kundenbewertungen
Einige Kundenbewertungen deuteten auf Unregelmäßigkeiten hin. So hieß es in einer Bewertung auf Amazon beispielsweise: „Smartphone hatte immer wieder starke Probleme beim Neustart. Nachfrage bei Samsung mit Check der Geräte-ID ergab, dass es sich nicht um Neuware handelte“. In einer weiteren Rezension hieß es: „Achtung, der Verkäufer verschickt Modelle aus Indien, obwohl der Artikel ganz klar als deutsche Version beworben wird“. Samsung und Amazon gaben beide der Tagesschau gegenüber an, der Sache nachzugehen.
Nach Recherchen von WDR, NDR und SZ kam der Fall erst durch einen anonymen Hinweisgeber ins Rollen. Ein Informant wandte sich an eine Logistikfirma und warnte vor den dubiosen Machenschaften.
Aufgrund des Umfangs führt die auf grenzüberschreitende Betrugsdelikte spezialisierte Europäische Staatsanwaltschaft das Verfahren. Die Ermittlungen dauern noch an.
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Hanna Hillnhütter
Hanna hat die juristischen Entwicklungen im Blick – mit Fokus auf Abmahnungen, Wettbewerbsrecht und aktuelle EU-Verordnungen.
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