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Zwei Euro pro Paket: Warum die neue Temu-Abgabe nach hinten losgeht

Veröffentlicht: 08.06.2026
imgAktualisierung: 08.06.2026
Geschrieben von: Tim Arlt
Lesezeit: ca. 2 Min.
08.06.2026
img 08.06.2026
ca. 2 Min.
**Alt-Text:** Bogenscheiben-Ziel auf einer Wiese, Pfeil trifft nahe der Mitte mit TEMU-Logo im Zentrum.
KI
Österreich will Temu mit Paketabgaben in die Schranken weisen. Klingt sinnvoll – ist es aber nicht, wenn vor allem Mittelständler zahlen.


Österreich plant eine Paketabgabe. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Plattformen wie Temu und Shein fluten den europäischen Markt mit Billigware, oft ohne die Standards einzuhalten, an die heimische Händler jeden Tag gebunden sind. Das soll endlich Konsequenzen haben. Soweit, so richtig.

Zwei Euro für alle – außer für die, die es angeht

Nur trifft der vorliegende Gesetzentwurf nicht primär Temu. Zwei Euro pro Paket sollen alle Online-Händler zahlen, die in Österreich mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz erzielen. Das klingt nach einer hohen Schwelle – ist es für einen gewachsenen Mittelständler aber nicht. Und während die großen Plattformen aus Fernost ihre Strukturen längst so aufgebaut haben, dass sie Regulierung geschickt umschiffen, zahlt am Ende der solide wirtschaftende Händler aus Wien oder Graz. Der Handelsverband schätzt, dass allein 4.000 österreichische KMU betroffen sind, die als Marktplatzhändler agieren.

„Wenn eine Steuer die Falschen trifft, ist sie kein Instrument gegen Unfairness – sie ist selbst unfair." – Tim Arlt, Händlerbund-CEO

Der Handelsverband nennt das Ganze ein „Eigentor" und eine „Innovations- und Investitionsbremse" – und hat damit nicht Unrecht. Denn neben der finanziellen Belastung kommt der bürokratische Aufwand: Die Berechnung der abgabepflichtigen Umsätze ist komplex, Meldepflichten kommen hinzu, und der Rechnungshof hat bereits im Februar klargestellt, dass die österreichischen Behörden den grenzüberschreitenden Versandhandel mit ihren bisherigen Mitteln gar nicht kontrollieren können. Ein Gesetz, das sich selbst nicht durchsetzen lässt, ist kein starkes Signal – es ist Symbolpolitik.

Der Umweg über Brüssel wäre der kürzere

Dabei wäre das Ziel richtig und wichtig. Wer den Wettbewerb fairer gestalten will, muss an den Stellen ansetzen, wo die Verzerrung tatsächlich entsteht. Der Handelsverband zeigt den Weg: die EU-Zollreform 2028 und europäische Maßnahmen im Rahmen von ViDA. Das wären echte Hebel. Ein nationaler Alleingang mit einer Steuer, die laut Handelsverband „ultrabürokratisch, rechtlich wackelig und ökonomisch kontraproduktiv“ ist, löst keines der eigentlichen Probleme – er schafft nur neue.

Gut gemeinte Politik, die am Ende die Falschen belastet: Das kennen kleine und mittelständische Händler leider zu gut. Es wäre schön, wenn das irgendwann aufhört.

Veröffentlicht: 08.06.2026
img Letzte Aktualisierung: 08.06.2026
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Tim Arlt

Tim Arlt

Händlerbund-CEO

KOMMENTARE
4 Kommentare
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Jeanette van Kemper
09.06.2026

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Gefällt mir, dass der Händlerbund auch immer mehr Missstände der Politik aufzeigt. Die Politik scheint in der Hauptsache eh rotzenblöde.
ColinDavid
09.06.2026

Antworten

Ich verstehe den Artikel als Nicht-Österreicher nicht. Wie soll die geplante Abgabe anfallen?
Tom
09.06.2026

Antworten

Ich denke da kann was nicht ganz stimmen. 4.000 KMUs mit über 100 Mio. Umsatz würde einen E-Commerce Umsatz in AT von über 400 Mrd. bedeuten. Ich denke da ist Österreich noch etwas entfernt von ;-) Abgesehen davon hat Österreich gerade mal 10 bis 12 Onlineshops die Umsätze größer 100 Mio. machen.
Lino Coscia
13.06.2026
Das habe ich auch direkt gedacht. Die Formulierung ist jedenfalls schwammig. Vielleicht ist gemeint, dass z.B. Amazon über die Schwelle kommt und damit jeder Markplatzhändler bei Amazon betroffen ist, auch wenn er nur ein Paket verschickt.