Auf den ersten Blick wirkt die Sache harmlos: Die Deutsche Post passt voraussichtlich zum 1. Januar 2027 ein paar Maße beim Groß- und Maxibrief an. Klingt nach Verwaltungsdetail, nach einer dieser Meldungen, die man überfliegt und schnell wieder vergisst.
Was sich ändert – und warum es ein Treppenwitz ist
Schaut man genauer hin, ergibt sich ein anderes Bild. Der Großbrief wird zwar großzügiger – mehr Gewicht, mehr Höhe. Beim Maxibrief aber sinkt die erlaubte Höhe von fünf auf drei Zentimeter, und die Variante „Maxibrief Plus", mit der sich etwas dickere Sendungen noch im Briefformat verschicken ließen, fällt komplett weg.
Besonders kurios: Gleichzeitig steigt beim Maxibrief das erlaubte Gewicht von einem auf zwei Kilogramm – ohne Aufpreis. Klingt nach einer Verbesserung. Nur: Das eine Limit steigt, das andere sinkt – und welches davon am Ende zählt, entscheidet sich nicht am Gewicht, sondern an der Höhe. Genau die wird jetzt enger. Ein Geschenk, das man nicht gebrauchen kann.
Wer am Ende zahlt
Für Händler heißt das: ausweichen. Auf Päckchen, auf Paket, auf DHL Kleinpaket. Alles Optionen, die in der Regel teurer sind als ein Brief – und die für die Post wirtschaftlich deutlich attraktiver sind als das margenschwache Briefgeschäft, das seit Jahren schrumpft.
„Eine Preiserhöhung, für die niemand eine Pressemitteilung schreiben musste." – Tim Arlt, Händlerbund-CEO
Offiziell ist das Ganze noch nicht beschlossen, basiert auf einer Kongress-Präsentation und nicht auf einer finalen Regelung. Aber die Richtung ist unübersehbar: Wo das Briefgeschäft an Bedeutung verliert, wird das Format so zurechtgeschnitten, dass mehr Sendungen ins Paketgeschäft wandern – freiwillig, versteht sich, weil ja niemand offiziell gezwungen wird.
Für kleine und mittelständische Online-Händler ist das am Ende einfach eine weitere Verteuerung, die nicht als solche auftaucht. Keine Portoerhöhung in der Pressemitteilung, kein politischer Beschluss, über den man sich aufregen könnte – nur ein paar Zentimeter weniger, die ganz beiläufig dafür sorgen, dass die Versandkosten steigen. Wer in den nächsten Monaten kalkuliert, sollte diese Zentimeter im Hinterkopf haben.
Tim Arlt
Händlerbund-CEO
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