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Nur ein Label? Warum das Gewährleistungslabel so nervt

Veröffentlicht: 24.09.2026
imgAktualisierung: 24.09.2026
Geschrieben von: Tim Arlt
Lesezeit: ca. 2 Min.
24.09.2026
img 24.09.2026
ca. 2 Min.
Karikatur eines Mannes, dessen Gesicht und Haare mit zahlreichen bunten Etiketten und Anhängern bedeckt sind.
KI
Groß und lesbar oder verschachtelt und riskant? Beim Gewährleistungslabel müssen Händler zwischen zwei schlechten Optionen wählen.


„Ist doch nur ein Label." Diesen Satz höre ich seit Wochen. Es geht dabei um das EU-Gewährleistungslabel. Ich verstehe, woher er kommt. Aber er ist falsch. – Eine Kolumne.

Ein Label klingt nach Kleinkram: ein Bild, ein Text, fertig. In Wahrheit ist es ein Eingriff in jeden Shop. Produktseite, Warenkorb, Checkout, Smartphone, Marktplatz-Listing: Überall sieht die Lage anders aus, und überall fehlt der Platz.

Lesbar heißt groß. Und groß heißt: im Weg.

Das Gesetz verlangt, dass das Label lesbar eingebunden wird. In der Praxis heißt das: groß. Auf dem Smartphone nimmt es schnell einen erheblichen Teil des Bildschirms ein. Im Checkout, wo jeder Pixel den Kaufabschluss unterstützen soll, kollidiert das mit allem, was Händler über gute Nutzerführung gelernt haben. Viele sagen mir inzwischen ganz offen: aus UX-Sicht eine Katastrophe. Alles wird unübersichtlicher. Alles wird hässlicher.

Verschachtelt? Dann bleibt das Risiko beim Händler.

Die Alternative liegt nahe: erst ein kleiner Hinweis, dann der Klick zum vollständigen Label. Die Leitlinien der EU-Kommission lassen das zu. Aber sie sind nicht bindend, und der Gesetzestext deckt diese Lösung nicht ausdrücklich ab. Nach unserer Einschätzung bleibt deshalb ein Abmahnrisiko. Wer trägt es? Der Händler.

Auf Marktplätzen wird es besonders bitter. Die Plattform gibt die Darstellung vor, der Händler kann nichts ändern. Kommt es zum Ärger, trifft es womöglich trotzdem zuerst ihn. Selbst eine vorsichtigere eigene Umsetzung schützt ihn dort nicht.

Das ist die Antwort auf die Frage in der Überschrift: Nicht die Pflicht macht es schwer. Schwer macht es, dass Händler zwischen zwei schlechten Optionen wählen müssen und niemand verbindlich sagt, welche die richtige ist.

Und wofür das Ganze?

Das Gewährleistungsrecht gilt seit Jahren. Das Label sagt Verbrauchern also wenig Neues. Ich traue ihnen zu, dass sie ihre Rechte kennen oder sich selbst informieren. Trotzdem sollen Händler den Aufwand stemmen und das Abmahnrisiko tragen. Für mich steht das in keinem guten Verhältnis.

Erst die Praxis, dann das Gesetz

Ich wünsche mir, dass Politiker sich VOR dem Schreiben eines Gesetzes Gedanken über die Praxis machen. Wie soll ein Pflichtelement auf dem Smartphone aussehen? Was passiert auf Marktplätzen, wo der Händler die Darstellung gar nicht steuert? Diese Fragen gehören an den Anfang. Nicht wenige Tage vor dem 27. September auf den Tisch der Händler.

Und jetzt, kurz vor dem Stichtag, gilt: Wenn du unsicher bist, welche Lösung für deinen Shop passt, sprich mit unserer Rechtsberatung. Im Einzelfall lässt sich das besser einschätzen als pauschal.

Veröffentlicht: 24.09.2026
img Letzte Aktualisierung: 24.09.2026
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Tim Arlt

Tim Arlt

Händlerbund-CEO

KOMMENTARE
8 Kommentare
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Andree
30.09.2026

Antworten

man sieht es schon an der PPWR und auch hier wieder. Die Leute die diese Gesetze veranlassen, schreiben etc haben keine Ahnung von einem echten Geschäft. Es macht auch keinen Spass mehr, als hätte man nicht genug andere Dinge um die man sich kümmern muss um sein Geschäft am laufen zu halten. Bei EU und nationalen Behörden müssen diese Wirtschaftsnieten mal gründlich ausgemistet werden.
Thomas Alter
30.09.2026

Antworten

Und wenn man sich dazu die EmpCo -Richtlinie anschaut, wo man mit gesetzlichen Selbstverständlichkeiten wie "Pfas-frei" nicht mehr "werben" darf, stellt sich die Frage, ob das Gewährleistungs-Label nicht den gleichen Tatbestand erfüllt. Gewährleistung ist gesetzliches Recht, also eine Selbstverständlichkeit. Warum muss ich zwingend damit "werben" und ist das hinsichtlich EmpCo entsprechend der Richtlinie? P.S. Seitdem wir die Kennzeichnungen zur Materialbeschaffenheit wie "Pfas-frei" entfernt haben, sind die Anfragen im Kundenservice deutlich angestiegen... Gut gemeint ist halt noch lange nicht gut gemacht!
Redaktion
01.10.2026
Hier muss man unterscheiden: Das Gewährleistungslabel erfüllt eine gesetzliche Informationspflicht. Es stellt die gesetzlichen Rechte gerade nicht als besonderen Vorteil deines Shops dar. Verboten wäre dagegen, den Eindruck zu erwecken, nur bei dir bekomme die Kundschaft diese Rechte. Darin liegt kein Widerspruch zur EmpCo-Richtlinie. Auch „PFAS-frei“ ist nicht pauschal verboten. Die Aussage muss stimmen und belegbar sein. Problematisch ist sie insbesondere dann, wenn die beworbene Eigenschaft für alle Produkte der betreffenden Kategorie ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist und trotzdem als Besonderheit hervorgehoben wird. Ob das zutrifft, hängt vom konkreten Produkt und den dafür geltenden Stoffverboten ab. Alle Angaben zur Materialbeschaffenheit vorsorglich zu entfernen, ist deshalb nicht erforderlich.
Maren Klessen
25.09.2026

Antworten

Die gesamten Gesetze im Online-Handel verursachen bei mir seit der Einführung der Verpackungsverordnung nur noch Kopfschütteln und veranlassen mich häufig darüber nachzudenken, ob bzw wie lange ich mir das noch antue... Vielleicht ist genau das gewollt - dass der lokale Handel sowie KMU-Händler geschwächt werden und resigniert das Handtuch werfen?? Das Thema ist doch die Power der Vielen!! Wenn sich alle Händler zusammenschließen und an einem Strang ziehen, diese irrsinnigen Gesetze zu boykottieren und den Handel für einige Tage auszusetzen, erreichen wir auf Dauer langfristig mehr, als jedes Jahr aufs Neue unsinnige Maßnahmen der Wenigen im Bundestag bzw im EU-Parlment rechtskonform umzusetzen... Es liegt an uns allen - noch haben wir es in der Hand und können in der Gemeinschaft Abhilfe schaffen!! Lasst uns ein Veto einlegen, eine Interessengemeinschaft mit einer Sammelklage gründen etc. Wir haben soviele Möglichkeiten und müssen nur ins Tun kommen. Mein erster persönlicher Schritt ist, dass ich meine Online-Kunden durch ein Popup über die Gesetzesvorschrift informiere und ab 27.9. keine Bestellungen möglich sind, solange die Lage so schwammig und undurchsichtig ist. Lasst uns eine private Initiativgruppe auf SocialMedia gründen oder vllt können wir uns auch über den Händlerbund solidarsieren?? Viele Grüße, Maren Klessen
sw
25.09.2026

Antworten

Es geht zu weit und es ist kein Ende in Sicht. Können wir Händler nicht auch mal in einen Streik treten? Keine Umsätze=keine Steuereinnahmen.
Robert Flachenäcker
25.09.2026

Antworten

Das Label ist eines der vielen Verpflichtungen von Händler.innen, die ich nicht verstehe. Warum müssen Händler:innen Verbraucher:innen immer wieder an allen möglichen Stellen auf Sachverhalte hinweisen, die doch sowieso Gesetz sind? Wir sind doch keine Rechtsberater:innen für unmündige Verbraucher:innen, die nicht in der Lage sind, sich über einfache Verbraucher:innenrechte zu informieren. Lesen und beachten tut den Murks eh niemand - außer Abmahnanwält:innen, die daraus ein Geschäft machen wollen.
Jay
25.09.2026

Antworten

Die Alternative liegt nahe: erst ein kleiner Hinweis, dann der Klick zum vollständigen Label. Die Leitlinien der EU-Kommission lassen das zu. Aber sie sind nicht bindend, und der Gesetzestext deckt diese Lösung nicht ausdrücklich ab. Nach unserer Einschätzung bleibt deshalb ein Abmahnrisiko. Wer trägt es? Der Händler. Ganz ehrlich? Genau so werde ich es machen. Ich lasse mich nicht mehr verarschen. Mir sind die Gesetze und Auslegungen egal. Der EU Leitfaden gibt es vor? Na dann mache ich es. Diese Typen haben selbst keine Ahnung von ihren eigenen Gesetzen und was sie da machen und werden dafür fürstlich bezahlt, ist mir einfach egal. Ich sitze das nur noch so halbgar um, weil es eh alles Bullshit ist. Ist nicht meine Aufgabe da irgendwas wie bei nem Orakel rauszulesen. Sollen nur so weiter machen, dann hat sich das Thema EU eh bald erledigt (und das ist auch gut so).
Georg
25.09.2026

Antworten

Ich stimme zu 100% zu. Meine persönliche Ergänzung: Es wäre schön, wenn es eine Lobby gäbe, die solche Dinge im Vorfeld verhindern oder entschärfen kann. Und ohne jetzt zu wissen ob es versucht wurde ... denke ich an diese Stelle auch an den Händlerbund als einen solchen Akteur.