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Bürokratie: So stark ist die Belastung für Händler

Veröffentlicht: 14.04.2026
imgAktualisierung: 14.04.2026
Geschrieben von: Corinna Flemming
Lesezeit: ca. 3 Min.
14.04.2026
img 14.04.2026
ca. 3 Min.
Bürokratiestudie
Händlerbund
Für Online-Händler ist Bürokratie eine Last. Wie stark der Druck ist, zeigt eine neue Umfrage des Händlerbundes.


Bürokratie ist für Online-Händler längst kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Händlerbundes deutlich: Ganze 89 Prozent der Befragten fühlen sich durch das bürokratische Prozedere stark oder sehr stark belastet. Wundern dürfte das wenig, denn entsprechende Prozesse binden teils massiv Zeit und Ressourcen.

Bemerkenswert ist außerdem: Kein einziger der Teilnehmer gab an, durch Bürokratie keinerlei Einschränkungen zu haben – ein Fakt, der aufhorchen lässt. Das Ergebnis verdeutlicht, dass bürokratische Prozesse für Online-Händler kein individuelles Problem sind, sondern ein strukturelles Hemmnis für Effizienz, Wachstum und Innovationskraft der gesamten Branche darstellen.

Produktsicherheit und Verpackungsgesetz als größte Hürden

Gefragt nach den größten rechtlichen und politischen Herausforderungen zeigt sich ein klares Bild: Mit jeweils 76 Prozent stehen Produktsicherheit und Produktkennzeichnung sowie das Verpackungsgesetz an der Spitze der Problemfelder. Auch Datenschutz und DSGVO (54 Prozent) sowie Nachhaltigkeits- und Berichtspflichten (52 Prozent) werden von vielen Händlern als stark belastend empfunden.

Beachtung finden sollte an dieser Stelle zudem der Umstand, dass es keine einzelne regulatorische Anforderung ist, die den Unternehmen den Alltag erschwert. Im Gegenteil: Gerade in der Vielzahl und Komplexität paralleler Pflichten und Gesetze liegt offensichtlich die Herausforderung für kleine und mittelgroße Online-Händler.

Rechtliche Unsicherheit ist präsent

Die Kraft und Ressourcen, die benötigt werden, um die eigenen Geschäfte rechtssicher zu gestalten, können sich direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit und Agilität der Anbieter auswirken und unternehmerische Entscheidungen hemmen. Laut Umfrage fürchtet sich fast jeder dritte Händler (32 Prozent) vor rechtlichen Konsequenzen – also beispielsweise Abmahungen –, die bei Fehlern oder Nichtbeachtung von Vorgaben drohen.

Hinzu kommen Themen wie komplizierte Nachweis- und Dokumentationspflichten (19 Prozent), wahrgenommene Wettbewerbsnachteile gegenüber Anbietern aus Drittstaaten (16 Prozent) oder aber zeitlicher Aufwand und Kosten (13 und 12 Prozent), die mit Bürokratie einher gehen können.

Klare Erwartungen an Politik und Verwaltung

Die Umfrage des Händlerbundes zeigt auch, welche Lösungen sich Online-Händler wünschen: Ganz oben auf der Agenda stehen klarere und praxisnähere Gesetze – gefordert von 77 Prozent der Teilnehmenden. Zwei Drittel der Händler (66 Prozent) sprechen sich zudem für weniger häufige Änderungen bei Regulierungen aus. 62 Prozent wünschen sich vereinfachte Formulare und Prozesse, um den administrativen Aufwand spürbar zu reduzieren.

Diese Forderungen unterstreichen den Wunsch der E-Commerce-Branche nach mehr Planungssicherheit und einer Regulierung, die die Realität des Online-Handels stärker berücksichtigt und gerade die Möglichkeiten der KMU im Blick behält. Denn ohne spürbare Vereinfachungen und praxisnahe Regelungen drohen insbesondere den kleineren Akteuren gravierende Wettbewerbsnachteile im engen Marktumfeld. Diese wiederum können zu einer Marktkonsolidierung hin zu großen Plattformen führen. Wettbewerbsverzerrungen und eine eingeschränkte Vielfalt am Markt wären die Folge. Hier gilt es für Politik und Gesetzgeber, dringend entgegenzuwirken.

Der Händlerbund hat für seine aktuelle Bürokratiestudie im September und Oktober 2025 insgesamt 114 Online-Händler befragt. Die Ergebnisse stehen zum kostenfreien pdf-Download auf dem Händlerbund Marketplace zur Verfügung:

Zur Studie

Veröffentlicht: 14.04.2026
img Letzte Aktualisierung: 14.04.2026
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Corinna Flemming

Corinna Flemming

KOMMENTARE
5 Kommentare
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KI
15.04.2026

Antworten

Nicht zu vergessen das die Abmahner den Rest erledigen damit dein Geschäft als KMU stirbt! Danke Deutschland!
Hubert
15.04.2026

Antworten

Es ist völlig absurd, von der Politik eine Verbesserung dieser Verhältnisse zu erwarten. Ist es doch die Politik, die diese Verhältnisse herbeigeführt hat. Wenn man einen riesigen Brüsseler Wasserkopf der Bürokratie aufbaut, dann wird der natürlich von morgens bis abends Bürokratie produzieren. Wann denn sont? Es liegt in der Natur der heutigen Politik, dass sie Chaos und Verwirrung stiftet. Das ist kein Zufall, das ist das Wesen dieser Menschen.
cf
14.04.2026

Antworten

Vielen Dank für diesen Bericht. Ich finde die größte Herausforderung darin, dass die EU täglich im Schnitt 150 Dokumente auf ihrem Portal veröffentlicht, aber es keine branchen- oder produktspezifisch gebündelten Informationen gibt. Vor Urzeiten wurde ein einzelnes Gesetz erlassen und an die Kirchentür genagelt. Da alle regelmäßig in die Kirche gegangen sind, hat es jeder mitbekommen und es war nur 1. Heute werden hunderte Verordnungen, Rechtsprechungen, Normen, etc. von der EU täglich einfach auf einen großen Stapel geschmissen (das EU-Portal) und jeder soll sich halt das für ihn passende heraussuchen. Das ist faktisch nicht leistbar. Ich würde zu gerne mal einen echten Praxistest machen und einen der "Oberen" der EU zu mir einladen. Wir spielen dann das Spiel "du willst mein Geschäft nachmachen - zeig mal wie das geht". Ich würde wetten, dass nach 10 Minuten der Kopf raucht und aufgegeben wird (oder es ist später alles voll von abmahnfähigen Lücken).
Max Sonntag
15.04.2026
Genau so ist es: Die würden an ihren eigenen Vorgaben kläglich scheitern. Aber genau deswegen sind diese lieben Menschen ja auch in die Politik gegangen, anstatt sich ins wirkliche Arbeitsleben zu stürzen.
Michael Graen
15.04.2026
Wenn wir weniger Bürokratie hätten, wäre die Arbeitslosigkeit noch viel höher. Außerdem würden viele Vorstandsposten wegfallen. Wie sollten dann abgehalfterte Politiker... versorgt werden?