Das was diese Woche an Neuigkeiten kam, betrifft das Tagesgeschäft vieler Händlerinnen und Händler ganz direkt: Die Deutsche Post stellt ihre Briefformate um, Österreich plant eine Paketabgabe, die ihr Ziel verfehlt, und Ebay dreht an der Gebührenschraube. Drei Themen, ein gemeinsamer Nenner: Wer jetzt nicht rechnet, zahlt später drauf.
Post-Reform 2027: Der Maxibrief verliert seine Stärke
Die Deutsche Post plant zum 1. Januar 2027 grundlegende Änderungen bei Groß- und Maxibriefen. Der Großbrief wird aufgewertet: künftig bis 1.000 Gramm und 3 Zentimeter Höhe. Der Maxibrief dagegen wird flacher – die maximale Höhe sinkt von 5 auf 3 Zentimeter, und der „Maxibrief Plus" entfällt ersatzlos. Das klingt nach Detailfrage, trifft aber viele Händler hart: Wer dickere Waren bisher günstig per Maxibrief verschickt hat, verliert diese Option. Bleiben Alternativen wie Päckchen, DHL Kleinpaket oder die Warensendung – Letztere mit Lieferzeiten, die nicht jeder Kunde akzeptiert.
Mein Rat: Prüft jetzt, welche eurer Produkte betroffen sind. Aber wartet mit finalen Entscheidungen, bis die neuen Portopreise auf dem Tisch liegen. Erst dann lässt sich seriös kalkulieren.
Österreichs Paketabgabe: Wenn eine Steuer die Falschen trifft
Österreich will mit einer Abgabe von zwei Euro pro Paket gegen Temu und Shein vorgehen. Das Ziel ist richtig – die Umsetzung nicht. Zahlen sollen alle Händler mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz in Österreich. Während die Plattformen aus Fernost Regulierung längst geschickt umschiffen, trifft es am Ende den solide wirtschaftenden Mittelständler aus Wien oder Graz. Dazu kommen komplexe Meldepflichten – und ein Rechnungshof, der bereits festgestellt hat, dass die Behörden den grenzüberschreitenden Versandhandel gar nicht kontrollieren können.
Wenn eine Steuer die Falschen trifft, ist sie kein Instrument gegen Unfairness – sie ist selbst unfair. Der richtige Hebel liegt in Brüssel, bei der EU-Zollreform 2028 und ViDA. Nationale Symbolpolitik löst kein Problem, sie schafft nur neue.
Ebay-Gebühren: „Fokussierung“ heißt für viele schlicht teurer
Ebay stellt zum 1. Juli 2026 die Verkaufsprovisionen für gewerbliche Händler um. Die bisherige Staffelung entfällt, stattdessen gilt pro Kategorie ein einheitlicher Satz – der in den meisten Fällen höher liegt als bisher, etwa 14 Prozent bei Sport, Baby oder Möbel & Wohnen. Günstiger wird es nur im Re-Commerce: Gebrauchte und refurbished Artikel kosten künftig einheitlich 5 Prozent Provision. Das ist als Signal für Nachhaltigkeit richtig. Wer aber regulär Neuware verkauft, zahlt drauf – und wer länger als vier Monate einen unterdurchschnittlichen Servicestatus hat, sogar noch einen Prozentpunkt mehr.
Ebay verkauft das als „Fokussierung“. Für viele Händler heißt es schlicht: höhere Kosten. Mein Rat: Rechnet eure Margen jetzt durch – nicht erst, wenn die neuen Sätze am 1. Juli greifen.
Tim Arlt
Händlerbund-CEO
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