Unterstützung oder Eingriff: Führt Amazons KI-Agent bald deinen Shop?

Veröffentlicht: 22.09.2025
imgAktualisierung: 22.09.2025
Geschrieben von: Ricarda Eichler
Lesezeit: ca. 3 Min.
22.09.2025
img 22.09.2025
ca. 3 Min.
Ein Roboter mit dem Amazon-Logo sitzt an einem Computer und verwaltet deinen Online-Shop
Erstellt mit Chat-GPT
Amazons neue KI kann bald selbstständig Seller-Aufgaben durchführen – welche das sind, erfahrt ihr hier.


Künstliche Intelligenz wurde lange Zeit als unterstützendes Tool angesehen. Es automatisiert und erstellt Inhalte. Doch für Amazon reicht das nicht. So stellte das Unternehmen jetzt auf seiner jährlichen Accelerate-Konferenz in Seattle, so wie auf seinem Blog, seinen überholten Seller Assistant vor. Statt nur wie ein ausführender Angestellter soll dieser künftig wie ein vollwertiger Geschäftspartner agieren und – nach Freigabe – bestimmte Prozesse sogar eigenständig ausführen können.

Das kann der neue Seller Assistant

Das KI-Modell, welches auf Amazons Bedrock-System beruht und mit den Modellen Amazon Nova sowie Claude von Anthropic erstellt wurde, erweitert den bisherigen Seller Assistant um sogenannte Agentic AI-Funktionen. Unter Agentic AI versteht man eine nahezu autonome KI, die wie ein beauftragter Agent Aufgaben durchführen kann.

Im Fall des neuen Seller Assistant betrifft dies gleich mehrere Bereiche, in welchen schon bald Aufgaben abgenommen werden sollen. So soll der neue Assistent Lagerbestände optimieren, die Account Health des Verkaufskontos überwachen und mögliche Frühwarnungen aussprechen, Compliance Analysen durchführen und auf Fehler hinweisen. Auch Werbung erstellt er.

Bei allem, so versichert Amazon, habe der echte Seller immer die Oberhand und müsste diese Prozesse freigeben. Wie konkret diese Freigabe aber aussieht, und was passiert, wenn dann doch mal Fehler passieren, wird im Blogpost nicht weiter ausgeführt.

Aktive Partnerschaft mit der KI

Wie Mary Beth Westmoreland, Vizepräsidentin von Amazons Abteilung Worldwide Selling Partner Experience, erklärt:

„Die Verkäufer müssen nicht mehr alle Aufgaben selbst erledigen, sondern haben einen intelligenten Assistenten zur Seite stehen, der rund um die Uhr in ihrem Auftrag arbeitet, wobei sie stets die Kontrolle behalten. Der Seller Assistant übernimmt alle Aufgaben, von Routinevorgängen bis hin zu komplexen Geschäftsstrategien, sodass sich die Verkäufer auf Innovation und Wachstum konzentrieren können.“

Was für manche wie die Erfüllung aller KI-Träume klingen mag, wirft allerdings auch Fragen auf. Wenn die KI im Namen und Auftrag der Seller agiert, wer haftet dann für Fehler? Gerade in Compliance-Themen müssen Händler:innen stets auf der Hut sein, keine Abmahnungen zu riskieren. Amazon dürfte sich hierbei abgesichert haben. Am Ende sind Unternehmer:innen stets selbst verantwortlich für ihre Geschäfte. Aber wenn man doch alles kontrollieren muss – wo bleibt dann die Arbeitserleichterung?

Gerade wenn man der KI Zugriff auf die Planung von Geschäftsstrategien gibt, ist zudem die Frage im Raum, wie viel dieser Strategien man dabei auch gegenüber Amazon preisgibt. Und letztlich betrachtet die KI in allem, was sie tut, ja lediglich die Geschäftsstrategie rund um den Amazon-Marktplatz. Für viele Händler:innen ist dieser ja aber nur ein Standbein von mehreren. Die vom Seller Assistant generierten Strategien werden aber aller Voraussicht nach das Geschäft auf Amazon optimieren wollen. Steigt der Marktplatz-Umsatz, hat davon natürlich auch Amazon etwas.

Deutschlandstart in wenigen Monaten

Der neue Seller Assistant wurde nun zunächst in den USA ausgerollt. Der Start für die anderen Märkte wurde aber bereits für die kommenden Monate angekündigt. Ob man noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in den Genuss kommt, ist nicht gewiss.

Da immerhin mehrfach betont wird, dass Händler:innen den Handlungen des Assistenten zustimmen müssten, ist es wahrscheinlich, dass man diese auch ablehnen kann. Amazons KI hat hierzulande schließlich nicht den besten Ruf. So beschwerten sich beispielsweise Händler:innen über markenrechtliche Sperrungen aufgrund fehlerhafter Übersetzungen oder Interpretationen durch die KI. Ein Widerspruch oder Gespräch mit einem menschlichen Mitarbeitenden ist dabei oft alles andere als einfach zu bekommen.

Veröffentlicht: 22.09.2025
img Letzte Aktualisierung: 22.09.2025
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Ricarda Eichler

Ricarda Eichler

Ricarda berichtet über digitale Themen und spricht in Interviews und Podcasts mit spannenden Stimmen aus der Branche.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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Ines Gröne
23.09.2025

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Um Himmels Willen, bloß nicht amazon KI. Schlimmer kann es nicht werden. Aus einem Zähnungsschlüssel für Briefmarken wird z.B. ein 7-Tage Pillendispencer gemacht, aus Briefmarken mit Greifvögeln in Deutschland Verstöße gegenüber der int. Geschäftspolitik amazons, weil nach deren Meinung nur Greifvögel in Nordkorea rumfliegen oder Briefmarken über Jagdwaffen aus Suhl werden echte Waffen aus legiertem Stahl. Könnte ich endlos fortsetzen. Bei mir sind fast 400 Briefmarkensätze betroffen, weil amazon dazu auch noch unter DDR nicht das ehemalige Land versteht, sondern irgendwelche Speicherbausteine. Diese KI will doch tatsächlich irgendwelchen Strom in meine Briefmarken schieben. Für mich ist amazon-KI sowas von kaputt, dass ich hier nur noch das anbiete, was ich mal geladen habe und was noch nicht von denen gesperrt worden ist.
ralf
23.09.2025

Antworten

Oh Gott, bitte nicht. Amazons KI ist die schlechteste die ich kenne. Während weltweit die KI Programme sich verbessern, entwickelt sich die KI von Amazon zur Katastrophe. Z.B. wurde bei uns eigenmächtig von der KI ohne unsere Zustimmung und Wissen, die Artikel von einem Stück auf 2 Stück in der Lieferumfang Angabe erhöht, sodass Kunden nachfragten, warum nur ein Stück geliefert worden ist. In einem Fall hat Amazon 24 Stück aus einer 1 gemacht. Amazon behauptet zwar, dass der Seller entscheiden kann, aber das kann er nicht. Und im besten ganz seltenen Fall, schlägt die KI was vor und der Seller muss aktiv widersprechen, sonst wird die Änderung einfach übernommen. Was ich auf uns zukommen sehe: Man wird mehr beschäftig sein, die unsinnigen Vorschläge der KI aktiv abzuwähren als mit dem Tagesgeschäft.
Klaus
23.09.2025

Antworten

Das ganze AZ Sellercentral is voll von bugs und die KI trifft völlig falsche Entscheidungen in Bezug auf Produktkatalogisierung etc. da möchte Mensch doch gern auf diesen "gleichwertigen Geschäftspartner" verzichten. Nein danke.
S.Hochmuth
23.09.2025
Hehe, das wollte ich so ähnlich auch schreiben. Zwar möchte ich für mein Unternehmen selbst KI nutzen und Bereiche schaffen, aber ganz bestimmt nicht von Amazon. Ich halte es für anmaßend, so einen Service anbieten zu wollen, wenn die eigene aktuelle KI so fehlerhaft und schlecht trainiert ist. Sofern die KI nur ansatzweise logisch agiert, müsste sie in bestimmten Szenarien einen Deadlock zwischen Kundenservice-Anfragen und Kundenservice-KI generieren.. XD
cf
23.09.2025

Antworten

Na, da kann amazon als Betreiber ja erstmal alle Informationen zu iher Ki gemäß EU-AI-Act offenlegen. Auf der Basis müssten Händler ja entscheiden können, denn dann müssten die KI-Logiken und Trainingsdaten ja transparent gemacht werden. #WerEsGlaubt