Aktuell sorgen neue Regeln auf dem Amazon Marketplace für Frust. Nicht nur, dass diese die in der Weihnachtszeit so wichtige Spielzeugsparte betreffen; sie gehen auch mit Kosten einher. Genau diese Kosten sind absolut unnötig, weil der E-Commerce-Riese über die Stränge schlägt. Ein Kommentar.
Prüfzertifikate für CE-Ware
Was steckt hinter dem Frust? Amazon verlangt von seinen Händler:innen aktuell Zertifikate. Diese Zertifikate sollen sicherstellen, dass die Ware die europäischen Normenreihen (EN) 71 und 62115 einhalten.
Die beiden ENs sollen Mindeststandards bei Spielzeug sicherstellen. Bei diesen geht es beispielsweise darum, dass bei Gegenständenfür Kleinkinder durch die Größe keine Erstickungsgefahr besteht oder Batteriefächer fest verschlossen sind, damit keine Batterien verschluckt werden.
Die Testberichte müssen direkt vom Testdienstleister an Amazon übermittelt werden. Die Tests kosten um die 100 Euro pro Produkt. Für Spielzeughändler:innen summiert sich das schnell.
Das Märchen von der CE-Zertifizierung
Eine Zertifizierung für CE-Produkte klingt auf den ersten Blick sinnvoll – schließlich hat niemand etwas gegen sichere Produkte. Doch genau hier liegt ein verbreitetes Missverständnis:
Bestimmte Produkte müssen in der EU das CE-Zeichen tragen. Dieses Zeichen darf jedoch nur angebracht werden, wenn das Produkt die in den jeweiligen EU-Richtlinien festgelegten Anforderungen erfüllt. Das CE-Kennzeichen dient also in erster Linie der Behördenkontrolle – es zeigt, dass das Produkt grundsätzlich verkehrsfähig ist.
Wichtig: Das CE-Zeichen ist keine Zertifizierung. Es steht weder für geprüfte Qualität noch für ein offizielles Testverfahren durch eine unabhängige Stelle. Wer also mit Aussagen wie „CE-zertifiziert“ wirbt, handelt irreführend und riskiert eine Abmahnung.
Wie kommt das CE-Zeichen an die Produkte?
Wenn vom Gesetz kein CE-Zertifikat vorgesehen ist, wie kommt das CE-Zeichen dann an die Produkte? Hersteller:innen von CE-Ware können einfach inhouse prüfen, ob die Ware den Standards entspricht und das CE-Zeichen dann selbst anbringen. Natürlich kann man für diese Konformitätsprüfung auch einen externen Dienstleister beauftragen. Allerdings ist – je nach Produkt – die Überprüfung kein Hexenwerk und kann auch ohne Raketenphysik durchgeführt werden.
Am Ende der Konformitätsbewertung steht die CE-Konformitätserklärung, mit der schriftlich bestätigt wird, dass die Produkte den Anforderungen aus den EU-Richtlinien entspricht.
Fazit: Bürokratie zu Lasten der Händler:innen
Sicherheit ja; Bürokratie um ihrer selbst willen: nein. Amazons Vorgehen mag gut gemeint sein, doch es sorgt vor allem für Frust und Mehrkosten. Die Plattform schießt über das Ziel hinaus und schafft Regeln, die in keinem Gesetzbuch stehen. Leidtragende sind die Händler:innen, die in der ohnehin umsatzstarken Weihnachtszeit lieber verkaufen würden, statt Zertifikate nachzureichen.
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