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Amazon legt Spielzeughändlern zur Hochsaison Steine in den Weg

Veröffentlicht: 11.11.2025
imgAktualisierung: 11.11.2025
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 2 Min.
11.11.2025
img 11.11.2025
ca. 2 Min.
Rote Spielzeugstraße mit Auto, blockiert von braunen Paketen; große Amazon-Hand platziert weiteres Paket.
Erstellt mit Dall-E
Amazon führt neue Prüfpflichten für Spielzeugprodukte ein. Händler:innen kritisieren die unnötige Bürokratie und warnen vor Umsatzverlusten


Aktuell sorgen neue Regeln auf dem Amazon Marketplace für Frust. Nicht nur, dass diese die in der Weihnachtszeit so wichtige Spielzeugsparte betreffen; sie gehen auch mit Kosten einher. Genau diese Kosten sind absolut unnötig, weil der E-Commerce-Riese über die Stränge schlägt. Ein Kommentar.

Prüfzertifikate für CE-Ware

Was steckt hinter dem Frust? Amazon verlangt von seinen Händler:innen aktuell Zertifikate. Diese Zertifikate sollen sicherstellen, dass die Ware die europäischen Normenreihen (EN) 71 und 62115 einhalten.

Die beiden ENs sollen Mindeststandards bei Spielzeug sicherstellen. Bei diesen geht es beispielsweise darum, dass bei Gegenständenfür Kleinkinder durch die Größe keine Erstickungsgefahr besteht oder Batteriefächer fest verschlossen sind, damit keine Batterien verschluckt werden. 

Die Testberichte müssen direkt vom Testdienstleister an Amazon übermittelt werden. Die Tests kosten um die 100 Euro pro Produkt. Für Spielzeughändler:innen summiert sich das schnell.

Das Märchen von der CE-Zertifizierung

Eine Zertifizierung für CE-Produkte klingt auf den ersten Blick sinnvoll – schließlich hat niemand etwas gegen sichere Produkte. Doch genau hier liegt ein verbreitetes Missverständnis:

Bestimmte Produkte müssen in der EU das CE-Zeichen tragen. Dieses Zeichen darf jedoch nur angebracht werden, wenn das Produkt die in den jeweiligen EU-Richtlinien festgelegten Anforderungen erfüllt. Das CE-Kennzeichen dient also in erster Linie der Behördenkontrolle – es zeigt, dass das Produkt grundsätzlich verkehrsfähig ist.

Wichtig: Das CE-Zeichen ist keine Zertifizierung. Es steht weder für geprüfte Qualität noch für ein offizielles Testverfahren durch eine unabhängige Stelle. Wer also mit Aussagen wie „CE-zertifiziert“ wirbt, handelt irreführend und riskiert eine Abmahnung.

Wie kommt das CE-Zeichen an die Produkte?

Wenn vom Gesetz kein CE-Zertifikat vorgesehen ist, wie kommt das CE-Zeichen dann an die Produkte? Hersteller:innen von CE-Ware können einfach inhouse prüfen, ob die Ware den Standards entspricht und das CE-Zeichen dann selbst anbringen. Natürlich kann man für diese Konformitätsprüfung auch einen externen Dienstleister beauftragen. Allerdings ist – je nach Produkt – die Überprüfung kein Hexenwerk und kann auch ohne Raketenphysik durchgeführt werden.

Am Ende der Konformitätsbewertung steht die CE-Konformitätserklärung, mit der schriftlich bestätigt wird, dass die Produkte den Anforderungen aus den EU-Richtlinien entspricht.

Fazit: Bürokratie zu Lasten der Händler:innen

Sicherheit ja; Bürokratie um ihrer selbst willen: nein. Amazons Vorgehen mag gut gemeint sein, doch es sorgt vor allem für Frust und Mehrkosten. Die Plattform schießt über das Ziel hinaus und schafft Regeln, die in keinem Gesetzbuch stehen. Leidtragende sind die Händler:innen, die in der ohnehin umsatzstarken Weihnachtszeit lieber verkaufen würden, statt Zertifikate nachzureichen.

Veröffentlicht: 11.11.2025
img Letzte Aktualisierung: 11.11.2025
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Sandra May

Sandra May

Sandra beleuchtet Streitfälle im E-Commerce: von rechtlichen Fallstricken über Urheberrecht bis hin zu Influencer:innen und Wettbewerbsklagen.

KOMMENTARE
8 Kommentare
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Konrad Kraus
15.11.2025

Antworten

Klärung zu CE-Pflichten und gesetzlichen Anforderungen (ProdSG) Hallo, nur zur sachlichen Richtigstellung: Amazon „erfindet“ hier keine eigenen Regeln. Die Anforderungen, die Amazon bei CE-pflichtigen Produkten verlangt, stehen so im Gesetz. Nach §§ 3, 6 und 7 ProdSG dürfen Produkte in Deutschland nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn eine vollständige Risikobeurteilung nach DIN EN ISO 12100 vorliegt, eine EU-Konformitätserklärung mit den angewendeten Normen und der Unterschrift des Herstellers existiert, und das Produkt die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen erfüllt. Fehlen diese Unterlagen, liegt eine ernste Gefahr für Verbraucher vor, und das Produkt darf nicht verkauft werden. Amazon setzt diese gesetzlichen Vorgaben lediglich durch – das ist Pflicht, keine freiwillige Regel. Viele Grüße Konrad Kraus
Quiske Jörg
12.11.2025

Antworten

Hallo und Amazon verdient doch GGF. an den verlangten Tests mit und hat die neue Regelung GGF. aus diesem Grund geschaffen. Ein Schelm wer... Nicht gut ist: Andere werden auf diesen Punkt anspringen und dies ggf. übernehmen, obgleich relativ sinnfrei. mfg quiske
Hans
12.11.2025

Antworten

Amazon verlangt nicht nur für Spielwaren Zertifikate, sondern auch für Artikel die die KI als Spielzeug identifiziert. Bei uns sind das Ausstechformen. Ein Widerspruch wird erst mal abgelehnt. Gruß Hans
Johannes Walter
12.11.2025

Antworten

Hallo Frau May, das ist leider so nicht ganz richtig, da die Ware natürlich nur mit gültigem CE in Verkehr gebracht werden darf. Gültiges CE habe ich nur, wenn eich EN 71 und Co erfülle und dass auch getestet habe. Will amazon nun mein EN71 Prüfbericht sehen, ist dass gut. Bestehen Sie nur auf die selbst ausgestellte Konformitätserklärung, gebe ich Ihnen recht. Leider ist Ihr Artikel da etwas einseitig eingefärbt. Gruß Johannes Walter
Redaktion
13.11.2025
Hallo Herr Walter, grundsätzlich stimme ich Ihnen zu: Es ist nicht verkehrt, dass Amazon überprüft, ob die Anforderungen wirklich eingehalten werden. Im Kern geht es mir aber darum, dass es total überzogen ist, dafür Prüfberichte externer Dienstleister zu verlangen, da man die Überprüfung nun einmal auch selbst durchführen und dokumentieren kann. Mit den besten Grüßen Sandra aus der Redaktion
I.Rauer-Bopp
12.11.2025

Antworten

Gelten diese Bestimmungen auch für Ali, Temu u.co? Wenn ja, wie wird sicher gestellt, dass diese Zertifikate und Stempel echt sind?
Peter
12.11.2025

Antworten

Guten Tag an alle betroffenen Händler, werdet einfach zusätzlich Mitglied beim Bundesverband für Onlinehandel e.V. . Sie setzen sich aktiv für Euch in ein und stehen in engen Kontakt zu Amazon. Uns haben Sie schon vielfach bei Problemen mit Amazon sofort geholfen! Viele Grüße!
Sanda
12.11.2025

Antworten

Hahaha, ein Schelm, wer Böses denkt. 😂 Was könnte Amazon wohl dazu bewegen? Ich tippe mal darauf, dass man sich so die eigene Konkurrenz aus dem Weg schaffen will, auch wenn nur für eine Weile. Was verkauft AZ denn am liebsten? Na Produkte, wo sie selbst durch ihre KI-gesteuerten Recherchen festgestellt haben, dass es High-Roller sind. Wäre man doch blöd, den Gewinn den Händlern zur besten Jahreszeit zu überlassen.