Amazon-Händler verzweifeln an verlorenen FBA-Waren

Veröffentlicht: 24.03.2025
imgAktualisierung: 24.03.2025
Geschrieben von: Yvonne Bachmann
Lesezeit: ca. 3 Min.
24.03.2025
img 24.03.2025
ca. 3 Min.
Auf einer Tastatur liegt ein Smartphone, welches das Amazon-Logo zeigt
bigtunaonline / Depositphotos.com
Wenn FBA-Sendungen verschwinden und Erstattungen ausbleiben, stehen Händler vor einem frustrierenden Systemproblem.


Wenn Ware auf dem Weg ins Amazon-Lager verschwindet, beginnt für viele Händler ein zäher Kampf um Anerkennung und Erstattung. Trotz Versandnachweisen und Kommunikation mit dem Support bleiben viele Fälle ungelöst – und der wirtschaftliche Schaden liegt oft bei den Verkäufern selbst. Auch im Sellerforum wächst der Frust: Immer mehr Händler berichten von ähnlichen Fällen.

Der Umgang mit verlorenen FBA-Sendungen wirft daher berechtigte Fragen auf: Wie transparent sind die Prozesse? Welche Rechte haben Händler? Und was können sie tun, wenn Amazon nicht zahlt?

Kein Einzelfall: Verkäufer berichten von ähnlichen Erfahrungen

Ein Händler schilderte vor wenigen Tagen im Amazon Sellerforum einen aus seiner Sicht gravierenden Vorfall: Zwei Kisten mit selbst produzierter Ware seien ordnungsgemäß an ein Amazon-Lager gesendet und laut Versandunterlagen sowie Empfangsbestätigung auch angenommen worden – im System würden sie jedoch als „nicht erhalten“ geführt. Die Ware tauche weder im Lagerbestand auf, noch habe es eine Rückmeldung oder Erstattung gegeben, so die Schilderung des Betroffenen.

Trotz mehrfacher Nachweise, Rückfragen und Eingaben beim Amazon-Support sei der Fall laut dem Händler als „erledigt“ markiert worden – mit dem Hinweis, es seien keine ausreichenden Unterlagen eingereicht worden. Eine Erstattung habe Amazon demnach abgelehnt. Der betroffene Verkäufer beziffere den entstandenen Schaden auf mehrere tausend Euro.

Unter dem Beitrag meldeten sich schnell weitere Händler, die ähnliche Situationen erlebt haben: Ware, die laut Amazon als „nicht geliefert“ gilt, obwohl alle Versandpapiere das Gegenteil belegen. Einige konnten durch Hartnäckigkeit, mehrfaches Nachreichen von Dokumenten und konsequentes Eskalieren der Fälle eine Erstattung erreichen. Andere berichten davon, dass selbst detaillierte Nachweise – inklusive Fotos der Pakete – ignoriert wurden.

Verloren im System – oder Teil eines größeren Problems?

Amazon ist für viele Händler unverzichtbar – gerade das Fulfillment-by-Amazon-Programm (FBA) gilt als Schlüssel zu schnellen Lieferzeiten, automatisierter Lagerlogistik und Kundenzufriedenheit. Doch genau dieses System scheint zunehmend an seine Grenzen zu stoßen.

Amazon verschärft derzeit seine Erstattungsrichtlinien für FBA-Ware sogar noch: Händler erhalten ihre Erstattung nur noch auf der Grundlage der Produktherstellungskosten des betroffenen Lagerbestands, was sowohl für Massenware als auch für Eigenherstellungen zum Problem werden kann. Zugleich steht die Plattform aufgrund einer massiven Gebührenerhöhung unter Druck: FBA wird teurer, zugleich steigt die Zahl der Beschwerden über verloren gegangene oder falsch erfasste Ware. Besonders problematisch: Der Informationsfluss zwischen Amazon, Lagerlogistik und Händler scheint zunehmend zu stocken.

Was können Händler tun, wenn Ware „verschwindet“?

Die Community im Sellerforum ist sich einig: Aufgeben ist keine Option. Nicht selten muss man Amazon über Wochen bombardieren, bis sich endlich jemand dem Fall annimmt. Ohne Druck bewegt sich nichts. Eine Patentlösung gibt es jedoch nicht. Mit folgenden Tipps aus der Praxis kann man jedoch zumindest versuchsweise gegen unberechtigtes Handeln seitens Amazon vorgehen:

  • Jede Lieferung dokumentieren – lückenlos: Frachtpapiere, Quittungen, Fotos der verpackten Ware, Tracking-Informationen – je mehr Beweise vorliegen, desto besser.
  • Fall eskalieren: Wer beim Standard-Support nicht weiterkommt, sollte eine Eskalation anfordern oder sich direkt an das FBA-Supportteam wenden.
  • Hartnäckig bleiben: Auch wenn es mühsam ist – viele Fälle werden erst nach mehrfacher Nachfrage und klarer Drohung mit rechtlichen Schritten überhaupt bearbeitet.
  • Rechtliche Unterstützung prüfen: In Fällen – insbesondere größerer – finanzieller Schäden kann sich ein Gang zum Anwalt lohnen.

Fazit: Vertrauen erfordert Transparenz

Für viele Händler ist Amazon ein essenzieller Vertriebskanal. Vor allem kleinere Unternehmen, die keine eigene Logistik betreiben, sind auf faire Prozesse angewiesen – und auf einen Support, der nicht nur automatisiert Fälle „abschließt“, sondern sie wirklich löst. Der geschilderte Fall ist offenbar kein Einzelfall – und er zeigt, wie groß die Diskrepanz zwischen digitalem Hochleistungslogistiksystem und menschlicher Betreuung inzwischen geworden ist. Die Hoffnung bleibt, dass Amazon hier nachjustiert – im Interesse derer, die die Plattform überhaupt erst mit Leben füllen.

Wir haben Amazon um eine Stellungnahme zu diesem Fall und zu den aktuellen Entwicklungen im Bereich FBA-Erstattungen gebeten. Sobald uns eine Antwort vorliegt, werden wir diese hier ergänzen.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 24.03.2025
img Letzte Aktualisierung: 24.03.2025
Lesezeit: ca. 3 Min.
Artikel weiterempfehlen
Yvonne Bachmann

Yvonne Bachmann

Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.

KOMMENTARE
9 Kommentare
Kommentar schreiben

Oli P.
26.03.2025

Antworten

Was fehlt in diesem Beitrag ist unter anderem der Hinweis das amazon eigene, interne Regelungen hat wie die vom Händler vorzulegenden Belege beschaffen sein müssen. Also konkret: Es wird, abweichend von deutschen Gesetzen, vorgeschrieben was auf einer Rechnung zu stehen hat. Fehlt etwas wird das Dokument nicht akzeptiert. Erfolgreich ist nur wer so lange die Lieferantenrechnung (!) verändert bis amazon "ja" dazu sagt (oder er beleiigt so lange die Supportmitarbeiter bis sich einer erbarmt, den Seller anruft und in einem einstündigen Telefonat seine Fähigkeiten und Wissen rumproleten darf und in diesem Zusammenhang verrät das man mit Eigenmarke nur einen "Packzettel" (der muss genau so und nicht anders heisen) der händisch unterschrieben wird, Versand- und Erstellungsdatum trägt und natürlich die Mengen, Liefernummer usw. vorlegen muss um zumindest das Dokumententhema zu erledigen. Eine Info wie man damit umgeht das der von amazon bevorzugte Transportpartner DHL keine Übernahmequittung unterschreibt und man somit amazon gegenüber nicht belegen kann das man soeben 10.000 Pakete übergeben hat wurde mir leider dennoch nicht gegeben... Man könnte meinen amazon und DHL arbeiten zusammen. Der eine verdient durch Versteigerung einzelner Pakete Geld und der andere verkauft Ware nach der der Seller nicht fragt diretk durch Verkauf oder auch durch Versteigerung...
André
25.03.2025

Antworten

Wer kann sich dieses Theater mit Amazon inzwischen denn überhaupt noch antun, man hat als kleiner Händler dazu weder die Zeit, noch die Kraft und jeder sollte Amazon den Rücken kehren und lieber in seinen eigenen Shop investieren, alles Andere ist nur noch Zeitverschwendung.
Mohrdieck
25.03.2025

Antworten

Einfach so nicht bei Amazon zu verkaufen, wird vielen schwer fallen. Immer noch eine der stärksten Einnahmequellen. Vorausgesetzt die Kalkulation und das Angebot stimmt. Ansonsten haben wir uns in den letzten Jahren, Monaten von FBA, Vendor und sonstigen intransparenten Lösungen verabschiedet. Erfahrungen (in diesem Fall) mit DHL zu 85% positiv. Im "schlimmen" (seltenen) Fällen gehen wir immer konsequent den Rechtsweg. Sowohl gegen die Marketplaces, Logistiker als auch gegen die Käufer, die angeblich nie etwas erhalten haben.
Angelika Thaler-Jung
25.03.2025

Antworten

Wir erleben das leider auch immer wieder. Obwohl man alles belegen kann, wird immer wieder abgestritten, dass bestimmte Waren im gemischten Karton waren. Dabei ist es sehr leicht, über das Gewicht der Artikel, die bei Amazon hinterlegt sein müssen, nachzurechnen. Aber das ist nicht gewollt! Auch lost & found nimmt diese Fälle (Defizit bei Warenanlieferung) nicht an. Die schreiben mir regelmäßig, "dass solche Fälle erfahrungsgemäß keinen Erfolg bringen". Dann steht man wieder alleine da. Bei uns sind letztes Jahr 2 Pakete (Warenwert 1600.-€) verschwunden, obwohl belegt werden konnte, dass DHL diese angeliefert hatte. DHL nimmt sich diese Fälle überhaupt nicht an, schließlich ist man nicht "Kunde von DHL" heißt es, das ist schließlich Amazon, die ja auch mit DHL abrechnen. Man läuft einfach im Kreis. Ich habe schon lange keine Lust mehr auf Amazon und habe auch den internationalen Versand gekündigt, weil es nur noch Ärger und Kosten gab. Wir Händler brauchen dringend Tipps, wie wir bei diesen schon mafiagleichen Methoden im Wareneingang von Amazon, entgegentreten können, ohne uns derart aufzureiben!!
Andreas Hinze
25.03.2025

Antworten

Wir erleben dass auch, und es ist nicht nur der Fall, dass Sendungen beim Empfang "verloren gehen". Auch regulär eingebuchte Artikel können jederzeit verschwinden. Diese Kontrolle ist sehr zeitaufwendig. Wir hatten auch schon mit Dienstleistern, die das Nachforschen und reklamieren erledigen. Kostet allerdings 20% des Warenwerts. Manchmal verschwinden Artikel für ein paar Tage und tauchen von alleine wieder auf, dann würde auch die Provision fällig. Ich hasse Amazon mittlerweile, letztendlich sparen die am Personal um Milliardengewinne zu erwirtschaften auf Kosten der Händler, denn es stehen täglich neue Händler bereit.
Martina
25.03.2025

Antworten

Arbeiten die besprochenen Händler mit Services wie Getida etc.? Würde mich mal interessieren...
K.I
25.03.2025

Antworten

Meinung: Es wäre so schön wenn andere Plattformen endlich erstarken und die Marktmacht von Amazon zerstören. Händler werden von Amazon willkürlich drangsaliert und ausgenommen. Was wollen wir noch mit den Amerikanern? Trump und seine Kumpel wollen uns nicht mehr also sollten wir Amazon, Facebook, X usw. abschalten. Die Europäer sollten ihre eigenen Systeme aufbauen! Dann bleibt das Geld auch in der EU.
DK
25.03.2025

Antworten

An CF: genau so siehts aus... sehr toll geschrieben...nur wird der Weggang von Amazon durch die Geldgier der Händler selbst verhindert :-P ... Rechnen kann heute kaum noch jemand...aber Hauptsache Umsatz um jeden Preis generieren - da spielt die Gängelei durch "A" weiterhin keine Rolle - scheinbar sind bei "A" nur sadomasochistisch veranlagte Verkäufer aktiv, welche sich GERNE quälen lassen....anders kann ich mir das nicht erklären. Ich verkaufe ausschließlich bei "E" statt beim "A" und habe ein gechilltes Leben mit 3.000 bis 6.000 Bestellungen im Monat ... und die ganzen Richtlinien und Verordnungen muss man auch bei "E" einhalten...aber ich bin beim "E" dennoch mein eigener Chef.
cf
25.03.2025

Antworten

Eigentlich braucht man ja nur mal darüber nachzudenken wie kundenfreundlich amazon gegenüber den Käufern ist (es wird quasi alles erstattet und erlaubt) und wie sich amazon gegenüber seinen Händlern verhält. Es gibt eine schöne Weisheit: "Wenn du Eier verkaufen willst, dann streichel nicht die Kunden sondern die Hühner." Ich frage mich schon lange, warum sich so viele selber von amazon abhängig machen. Wenn alle die Plattform meiden würden, hätte sie auch keine Marktmacht mehr und ob ich nun tausende von Euro durch defekte Retouren und verlorene Waren verliere, an denen ich eh nur wenig Geld verdiene, oder ob ich ein Jahr lang diese Einbußen bewußt für den Aufbau anderer Kanäle einplane, macht letztlich nur den Unterschied, dass ich in Zukunft besser dastehe....