Vom Online-Buchladen-Besitzer zum E-Commerce-Tycoon
Nach einer langen Entwicklungs- und Testzeit geht der Online-Buchladen Amazon.com am 16. Juli 1995 online – und überrascht Bezos und dessen Mitarbeiter vollkommen. So wurde bei jedem Verkauf eines Buches eine Glocke geläutet und das Team versammelte sich um zu schauen, ob es den Käufer kannte, doch bereits nach ein paar Wochen wurde die Glocke wieder abgeschafft – weil sie zu oft läutete. Der Buchladen verkaufte innerhalb von 30 Tagen Bücher in alle Bundesstaaten und in 45 Länder weltweit.
Der Name Amazon kommt nicht von irgendwo her, war es doch das Bestreben von Jeff Bezos, der größte Player im noch jungen E-Commerce-Business zu werden. Doch der Shop hätte beinahe einen anderen Namen bekommen: Star Trek-Fan Bezos hatte überlegt die Seite als Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Captain Picard „MakeItSo.com“ zu nennen.
Nach steigenden Umsätzen ging das StartUp 1997 an die Börse und erweiterte danach schrittweise sein Angebot auf CDs, Video und später Spielzeug und Kleidung. Das Platzen der Internetblase Ende der 90er-Jahre überstand das Unternehmen - im Gegensatz zu vielen Konkurrenten - relativ unbeschadet und wuchs immer weiter, je größer das E-Commerce-Business wurde.
Bezos als Träumer und Chef
Durch seinen steigenden Wohlstand konnte sich Bezos auch einige Träume erfüllen. Seine Investmentfirma Bezos Expeditions erwarb Anteile an vielen Unternehmen, wie zum Beispiel Airbnb, Linden Labs (den Erfindern von Second Life), Twitter oder auch Business Insider und finanziert einige sehr ambitionierte Projekte, wie die 10.000 Jahre-Uhr oder ein Unternehmen namens Blue Origin, das private Raumflüge erfoscht. Für dieses Unternehmen wäre er im Jahr 2003 beinahe bei einem Helikopterabsturz ums Leben gekommen, als er nach geeigneten Startplätzen für Testflüge gesucht hatte. Das Unternehmen finanziert ebenfalls eine Bergungsmission, um die abgeworfenen Triebwerke der Apollo 11-Mission im Ozean zu finden.
Bezos ist extrem detailverliebt und will über jede noch so kleine Sache unterrichtet werden, seien es minutengenaue Abläufe von Vertragsverhandlungen oder sogar wie er in der Presse zitiert wird. Diese extreme Detailverliebtheit zeigt sich auch in einer Anekdote aus einem der Amazon-Lagerhäuser in den USA. Nachdem Bezos beobachtet hatte, dass seine Arbeiter es nicht schafften, eine passende Verpackung für einen Gartenstuhl zusammenzustellen, ließ er den Stuhl kurzerhand aus dem Sortiment nehmen.
Bezos erweist sich auch als zukunftssicher, da sich viele seiner Investitionen ausgezahlt haben. So investierte er 1998 rund 250.000 US-Dollar in ein StartUp zweier College-Studenten namens Google. Bezos hielt bis zum Börsengang der Suchmaschine 3,3 Millionen Aktien und es ist heute nicht bekannt, ob er diese Aktien wirklich verkauft hat oder noch besitzt.
Seine bekannteste Investition ist aber der Kauf der kompletten Washington Post im Jahre 2013. Der Kauf kostete ihn satte 250 Millionen US-Dollar, die er in bar bezahlt haben soll.
Mitarbeiter beschreiben den Amazon-Chef als skrupellosen Chef und als extremen Choleriker. Er ist bekannt dafür, sehr schnell zu explodieren, wenn ein Mitarbeiter seine Erwartungen nicht erfüllt. Er erwartet offenbar von all seinen Mitarbeitern, dass sie seine Visionen teilen und wegen der „Mission“ zu ihm kommen und nicht wegen des Geldes. Ende Mai dieses Jahres wurde Bezos wohl auch deshalb zum schlechtesten Chef der Welt gewählt.
Dem Wahlergebnis gingen Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen der Logistikmitarbeiter voraus. Sie sollten angehalten worden sein, bis an ihre physischen Grenzen zu gehen und auch von Tracking über die Scangeräte war die Rede. Angestellte sollen noch heute unter anderem von Amazon benachrichtigt werden, wenn sie nicht so produktiv sind wie ihre Kollegen.
Er hat auch eine private, familiäre Seite
Neben seinem aggressiven und sehr von Ehrgeiz, manche Kritiker würden auch behaupten auch von Gier getriebenen Geschäftsgebaren, gibt es aber auch eine private Seite, die nicht zum Bild, dass in den Medien gezeichnet wird passt. Bezos gilt als sehr familiärer Mensch, der mit seiner gesamten Familie in den Urlaub fährt und sich jedes Mal wie ein Kind freut, wenn er Spielzeug kaufen kann.
Er ist aber auch ein Mensch mit zahlreichen Eigenarten wie seiner Vorliebe für blaue Hemden und Khaki-Hosen oder der Tatsache, dass er seit dem Bombenanschlag auf das World Trade Center im Jahr 1992 stets ein WTC-Survival-Kit mit sich herumträgt.
Jeff Bezos ist ein interessanter Mann mit einem komplexen Charakter, dessen extremer Ehrgeiz ihm zwar Erfolg verschaffte, aber auch dafür sorgte, dass vor allem seine Mitarbeiter oft unter dem Größenwahn ihres Chefs zu leiden haben.
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