Amazon hat auf seiner Verkäuferkonferenz Accelerate neue Multichannel-Tools vorgestellt. Händler können damit ihr Geschäft auf Ebay, Shopify, TikTok Shop und Walmart direkt aus dem Amazon Seller Central steuern. Die Funktionen werden schrittweise für Verkäufer in den USA ausgerollt und kosten nach Angaben von Amazon nichts extra.
Ein Arbeitsbereich für alle Kanäle
Die Tools führen Listings, Bestellungen und Profitabilität aller angebundenen Kanäle an einem Ort zusammen. Ändert ein Händler eine Produktbeschreibung, formatiert Amazon sie um und veröffentlicht sie bei den verknüpften Listings auf Ebay, Walmart und Shopify. Bestellungen von Shopify und Walmart erscheinen neben den Amazon-Aufträgen und lassen sich mit wenigen Klicks über Amazon abwickeln. Eine Profitabilitätsansicht zeigt, was jedes Produkt auf welchem Kanal einbringt.
Vor fünf Jahren galt Amazon laut der Analyse von Marketplace Pulse noch als Hindernis für Multichannel-Handel. FBA berechnete für Bestellungen außerhalb von Amazon höhere Gebühren, neutrale Verpackung war noch in der Beta-Phase. Produkte, die anderswo günstiger angeboten werden, können bei Amazon unterdrückt werden. Das ist bis heute so.
Amazon rückt vor die Kanäle
Bisher ging es um Ware und Zahlungen. Amazon war das Lager hinter anderen Kanälen und aus dem Workflow der Händler raus, sobald eine Bestellung versendet war. Die neuen Tools setzen Amazon dagegen an die Spitze der Kanäle. Damit sieht Amazon auch, wie viel Händler auf anderen Plattformen verkaufen, nicht mehr nur, welche Preise sie dort verlangen. Diese Daten sollen laut Amazon nicht in das eigene Retail-Geschäft einfließen.
Direkt verdient Amazon an den Tools nichts. Sie sind kostenlos und funktionieren auch, wenn ein Händler nicht über Amazon versendet. Marketplace Pulse wertet das als Wette darauf, dass die Rolle als zentrale Schaltstelle wichtiger ist als die Umsatzverteilung auf die einzelnen Kanäle.
Viele Händler bleiben von Amazon abhängig
Nach Amazon-Angaben verkaufen mehr als 95 Prozent der Amazon-Händler auf mehreren Kanälen. Diversifiziert sind sie deshalb oft nicht. Laut dem Seller Index 2026 von Marketplace Pulse erzielen 71 Prozent der Amazon-Primary-Händler, die auf mindestens einem weiteren Marktplatz aktiv sind, weiterhin drei Viertel oder mehr ihres Marktplatzumsatzes bei Amazon.
Die Tools könnten einigen Händlern helfen, auf Walmart oder TikTok Shop schneller zu wachsen. Für Amazon ist das laut Marketplace Pulse verkraftbar, weil das Wachstum in der eigenen Software stattfindet und erfahrungsgemäß häufig zu Amazon zurückfließt. Für Händler liegt das Risiko in einer tieferen Bindung an einen Kanal, von dem viele laut Seller Index eigentlich unabhängiger werden wollen.
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Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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