Produktsicherheit: Amazon reagiert auf Hilferufe der Händler

Veröffentlicht: 24.10.2024
imgAktualisierung: 24.10.2024
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 3 Min.
24.10.2024
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Logo des Online-Marktplatzes Amazon mit Tastatur und Maus
silver_wings / Depositphotos.com
Amazon hat nach eigenen Angaben die Hilfegesuche der Händler vernommen und nun erklärt, wie der Bulk-Upload der GPSR-Informationen gelingt.


Die Uhr tickt: In wenigen Wochen, am 13. Dezember 2024, tritt die Produktsicherheitsverordnung (GPSR) in Kraft. Amazon hatte bereits vor einigen Wochen dazu aufgerufen, diese Frist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wer sich nicht an die Vorgaben hält und die entsprechenden Informationen nicht zur Verfügung stellt, dem droht die Deaktivierung der eigenen Angebote.

Amazon veröffentlicht Schritt-für-Schritt-Anleitung

Doch die Vorbereitungen laufen bei einigen Amazon-Händlerinnen und -Händlern anscheinend nicht ganz rund. Kürzlich hatte der Konzern ein Event für seine Marktplatzpartner veranstaltet, um Fragen und Probleme gezielt zu klären. Deutlich sei dabei vor allem eins geworden: Die gleichzeitige Aktualisierung mehrerer Produkte über die sogenannte „Bulk-Upload-Funktion“ – stellt ein größeres Problem dar. Doch Amazon hat nun Hilfe versprochen und eine Anleitung zur Verfügung gestellt.

„Wir hören euch!“, heißt es in einer Nachricht an die Händlerinnen und Händler. „Hier findet ihr nun die Schritte, um Warnungen und Sicherheitshinweise, oder Sicherheitsbescheinigungen im Bulk-Verfahren hochzuladen, um die Einhaltung der GPSR-Richtlinie zu belegen.“ Die Anleitung sei demnach vom GPSR-Team bereitgestellt worden. Es folgt eine detaillierte Anleitung zum Bulk-Upload der Informationen rund um die Produktsicherheitsverordnung.

„Ich wollte lediglich Waren verkaufen und nicht IT studieren“

Während eine Hilfestellung durch Amazon zunächst natürlich stets positiv zu bewerten ist, taucht innerhalb der Händler-Kommentare hingegen immer wieder ein Kritikpunkt auf: der Schwierigkeitsgrad für Seller. Das System und Prozedere auf dem Marktplatz sei viel zu kompliziert. Gerade weil Amazon ein weltweit erfolgreiches IT-Unternehmen ist, müsste es der Konzern schaffen, den Verkaufspartnern ein einfaches, verständliches Vorgehen zu ermöglichen, so der Vorwurf.

„Ich wollte lediglich Waren verkaufen und nicht IT studieren“, schreibt etwa ein Nutzer. Eine weitere Händlerin schreibt: „Also ganz ehrlich, ich bin Kauffrau und kein IT-Spezialist - das mag ja alles gut gemeint sein und auch klappen - aber ich kenne mich mit sowas einfach mal nicht aus und weiß auch keinen, der mir da helfen kann - das ist echt nicht schön und einfach ein Graus!“ Andere Plattformen hätten dies bereits besser gelöst, meint ein anderer Händler.

Aus den weiteren Wortmeldungen der Seller lässt sich entnehmen, dass es neben einigen Fehlermeldungen wohl auch noch ungeklärte Fragen gibt, unter anderem in Bezug auf den Massenupload von Daten für die Produktverantwortlichen. Daneben ist häufig eine gewisse Rat- und Hilflosigkeit, aber auch Frustration aus vielen Kommentaren herauszulesen, die sich um die GPSR drehen.

Aufschub ist keine Lösung

Wie groß der Klärungsbedarf bei den Amazon-Händlerinnen und -Händlern grundsätzlich ist, zeigt auch das massive Interesse an Amazons hauseigenem Frage-Antwort-Event, das Mitte Oktober stattfand. Allein unter dieser Ankündigung finden sich aktuell mehr als 250 Kommentare und somit eine regelrechte Flut an Fragen und teils konkreten Problemstellungen.

Fest steht: Das Thema lässt sich bei allem Hadern nicht wegignorieren. Auch Spezialisten aus der Branche und Amazon-Agenturen raten dazu, die Probleme zeitnah anzugehen und die geforderten Informationen zur Verfügung zu stellen, da die Produkte zur Frist sonst deaktiviert werden könnten.

In eigener Sache: Kostenloses Webinar für Händler

Auch OnlinehändlerNews möchte Händlerinnen und Händler bei der Vorbereitung auf die Frist zur Produktsicherheitsverordnung im Dezember unterstützen: Wir bieten in den kommenden Wochen mehrere kostenfreie Webinare, in denen unsere Rechtsexpertin Sandra May nicht nur einen Überblick über die neuen Vorschriften verschafft, sondern auch drängende Händlerfragen zu rechtlichen Anpassungen und Konsequenzen beantwortet.

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Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 24.10.2024
img Letzte Aktualisierung: 24.10.2024
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
7 Kommentare
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Marcel
29.10.2024

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Da funktioniert original gar nichts mit Bulk-Upload. Wir haben das an einem Artikel mit 20 Farben ausprobiert. Noch nie wurde dazu ein Dokument hochgeladen, weil es erst Minuten vor dem Upload erstellt wurde. Ablehnungsgrund im Verarbeitungsbericht: Dokument nicht hinzugefügt, weil es früher schon einmal abgelehnt worden sein. Wann denn bitte??? Zudem kommt hinzu, dass jetzt plötzlich für 6 Farben Bilder von den Sicherheitshinweisen auf der Verpackung gefordert wurden. Manueller Upload geht auch nicht, weil nach einigen Upload immer alles gesperrt ist mit der Fehlermeldung, dass man es in 28h noch einmal versuchen soll. Sind ja nur noch 2409 ASINs, die wir an 45 Tagen bearbeiten müssen…
cf
26.10.2024

Antworten

Ich finde das it-Thema nicht so schlimm, da man schlimmstenfalls mit „Handarbeit“ alles eintickern kann. Für mich gilt eher der Spruch: „ Ich wollte lediglich Waren verkaufen und nicht Jura studieren“ Bei der Anzahl und Undurchsichtigkeit der ständig neuen Verordnungen kommt man spätestens in ein paar Jahren ohne Jurastudium nicht mehr aus. Vielleicht sollten wir Händler uns mal ALLE zusammentun und keine Abmahnungen mehr gegenseitig aussprechen. Dann laufen alle Verordnungen ins Leere, denn der Umsetzungsdruck basiert ja nur auf dem Wissen, dass wir uns gegenseitig vom Markt drängen wollen. Macht keiner mehr das Spiel mit, endet das, denn die Behörden sind so überlastet, dass von der Seite eh Nix geprüft wird. Aber dazu ist die Menschheit vermutlich noch nicht bereit…
Ben
26.10.2024

Antworten

Amazon macht das Leben der Händler weiterhin schwer! Wir und andere Händler nach telefonischer Rücksprache werden zum 13.12. den Verkauf bei Amazon komplett einstellen und zu dem Konkurrenten ebay & Kaufland vollständig Wechseln. Sorry aber dort ist es stressfreier und einfacher gelöst! So macht es alles keinen Spaß mehr.
Ralf
25.10.2024

Antworten

Ja, auch ich habe die Anleitung gelesen. So den ersten Absatz kam ich mit, dann ging es immer mehr in Richtung Tschechischer Grenze und dann war für mich alles böhmische Dörfer. Am Ende war es sogar Chinesisch. Wenn man bedenkt, wie groß die Gefahr ist, dass man sich damit das Listing zerschießen kann, ist es ein Unding von Laien so etwas zu fordern. Sowas wie ein Massenbearbeitsmodul wie Ebay wurde schon seit Jahren gefordert. Stattdessen programmiert Amazon zufällig pünktlich vor der GPSR ein neues Lagerbestandsverwaltung, welches die GPSR völlig ignoriert und diese eher noch schwieriger macht zu bearbeiten mit vielen unnützen Dingen die in einer Lagerbestandsverwaltung nichts verloren haben und verpasst damit die Chance eine Bearbeitung der GPSR miteinzubauen. Anschließend während der vielen Hilferufe der Seller programmiert Amazon noch für die Sellerapp eine Funktion, damit man auch über die App ins Sellerforum kommt und nun dies auch auf der Toilette nutzen kann. Irgendeine Erleichterung bei der GPSR? Fehlanzeige.
Peter
25.10.2024

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Danke für den Tip mit der Anleitung. Ich kann leider nur die Erfahrung von vielen bestätigen. Vor ca 3 Wochen hatte ich bei Amazon nach einer Lösung angefragt, wie ich massenhaft Daten hoch laden kann. Der nette Amazon Kollege hatte nur bestätigt, daß er mein Problem versteht (es wäre schon öfters danach gefragt worden), wollte sich selbst intern erkundigen und asap zum Thema zurück melden. Darauf warte ich noch bis heute. Wer heute bei Amazon verkaufen möchte, wird mit einer Unmenge von Informationen, Regelungen, Anforderungen und internen Vorschriften überflutet, so daß alle kleineren Händler bald das Handtuch schmeißen und zu anderen Plattformen abwandern.
Robert
24.10.2024

Antworten

Dass Amazon für Massenbearbeitungen immer noch auf Excel-Sheets setzt, ist nicht nur veraltet, sondern auch anfällig für Fehler. Andere Plattformen haben längst effizientere Systeme im Einsatz und man benötigt kein IT-Know-How. Zudem überprüft Amazon alle Eingaben manuell, fast so, als ob Hausaufgaben kontrolliert würden – ein übertriebener Aufwand, der fehlendes Vertrauen in die Händler zeigt. Auf anderen Plattformen vertraut man den Verkäufern deutlich mehr und führt höchstens stichprobenartige Kontrollen durch. Aktuell kommt bei der GPSR-Compliance auch noch die Abfrage der Plastiksteuer-Nummer für das Einwegkunststofffondsgesetz hinzu. Hier wird schnell klar, dass viele Hersteller sich bislang nicht einmal bei DIVID registriert haben. Wie diese Anforderungen bis zur GPSR-Deadline am 13.12.2024 und die Plastiksteuer-Vorgaben bis zum 01.01.2025 erfüllt werden sollen, bleibt mir ein Rätsel. Seit Monaten herrscht bei Amazon ein unüberschaubares Chaos bei der obligatorischen Datenhinterlegungseingabe – einfach nur beschämend für einen Konzern dieser Größe. Es ist beunruhigend, dass sie grundlegende Prozesse überhaupt nicht mehr im Griff haben (Muss wohl am Fachkräftemangel liegen, Hust). Wenn ich nicht gezwungen wäre, täglich mit dem hauseigenen Amazon Sellercentral-System zu arbeiten, wäre das eindeutig besser für meine Gesundheit (Lieber nicht täglich auf die Verkäuferleistung blicken, man kann nie alles richtig machen - es ist einfacher blind über eine voll befahrene Straße zu spazieren ohne angefahren zu werden, glaubt mir). Und für diesen Mist mache ich nicht einmal die EU verantwortlich, obwohl sie diese Regelungen auf den Weg gebracht hat. Der eigentliche Verantwortliche ist hier eindeutig Amazon, denn dieses seit Monaten bestehende Ausnahme-Chaos ist eine tägliche Strafe für alle Händler. Und sämtliche Juristen freuen sich vermutlich schon auf die vorbereiteten Abmahnungen, die sie dann ab 14.12.2024 versenden dürfen und die damit verbundenen Bonuseinnahmen für ihre Kanzleien.
Michael
26.10.2024
Eine Grundfrage ist bisher nicht geklärt. Es gibt einen Widerspruch zwischen Amazons Hinweisen und der gesetzlichen Regelung der EU. Laut EU sind alle Produkte, die vor dem 13.12.2024 in der EU in den Verkehr gebracht wurden, nicht von der Neuregelung betroffen. Das macht zum Beispiel für FBA-Händler einen sehr karen Unterschied, denn Ware, die vor dem 13.12. an FBA gesendet wurde, kann ja logischerweise gar nicht der Neuregelung der EU unterliegen. Das anwaltlich klären zu lassen, ist sinnlos, denn Amazon kann natürlich für den eigenen Marktplatz die EU-Gesetzgebung ergänzende Maßnahmen treffen. Was also macht Amazon am 14.12. mit vor dem 13.12. in die EU eingeführten Artikeln ? Werden die alle gesperrt ? So wirkt die aktuelle Kommunikation seitens Amazon. Allerdings vermute ich, dass dann trotz Bemühungen vieler Händler der größte Teil der heutigen Amazon-Produkte ab 14.12.2024 nur noch auf anderen Marktplätzen gekauft werden kann. Es ist unwahrscheinlich, dass Amazon sich dessen nicht bewusst ist. Die Frage ist also - ist das möglicherweise von Amazon so gewollt - oder ist die bisherige Kommunikation nur ein Versuch, den Druck auf Händler hoch zu halten, um am 14.12. sagen zu können: " Ja, aber es wird natürlich nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird."