Händler-Kritik hat geholfen: Amazon beschränkt Löschung von Variantendesigns

Veröffentlicht: 29.08.2025
imgAktualisierung: 29.08.2025
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 3 Min.
29.08.2025
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Änderungen auf Online-Marktplatz: Amazon-Logo auf einem Smartphone, das in einer Hand gehalten wird
seemantaduttaskv [at] gmail.com / Depositphotos.com
Amazon wollte kurzfristig gewisse Variantendesigns löschen. Der heftige Widerstand durch Händler zeigt nun offenbar Wirkung.


Erst vor wenigen Tagen hatte Amazon angekündigt, unwichtige bzw. nicht relevante Variantendesigns aus den Produktvorlagen zu löschen. Viele Händlerinnen und Händler des Marktplatzes nahmen diese Meldung mit Bestürzung auf: Die betroffenen Designs seien zum Teil keineswegs veraltet, sondern stark genutzt, sodass Angebote massenweise überarbeitet werden müssten.

Auch weil die Designs bereits ab Anfang September gelöscht werden sollen, bliebe Sellern nicht annähernd genug Zeit für Anpassungen – gerade mit Blick auf laufende Weihnachtsvorbereitungen. Andere Anbieter befürchteten darüber hinaus Abstrafungen durch den Algorithmus, wenn Produkte neu angelegt werden müssten.

Scharfe Kritik an der breit angelegten Maßnahme übten nicht nur Unternehmen in Deutschland, sondern auch auf dem US-amerikanischen Heimatmarkt – und sie zeigt nun offenbar Wirkung: Amazon hat sich nochmals zum Thema geäußert und die Maßnahme sichtlich eingeschränkt.

Amazon überarbeitet Liste der betroffenen Vorlagen

Konkret rückt Amazon vom ursprünglich geplanten Umfang der Maßnahme ab, sodass deutlich weniger Designs von der Löschung betroffen sind: „Wir haben die Liste überarbeitet und nur Variantendesigns entfernt, die in den letzten 12 Monaten nicht verkauft wurden. Außerdem entfernen wir für entsprechende Produkttypen keine Versionen wesentlicher Variantendesigns wie Größe, Farbe und Stil“, teilt das Unternehmen im deutschsprachigen Bereich von SellerCentral mit.

Zudem werden vorhandene Variantenfamilien „weiterhin normal ohne Einschränkungen verkauft“. Bei Bedarf können diese jederzeit aktualisiert werden. Wenn Seller Variantendesigns überarbeiten bzw. aktualisieren, bleiben die untergeordneten ASINs demnach aktiv.

Amazon stellt Sellern eine Liste der Variantendesigns in aktualisierter Fassung zur Verfügung.

Kehrtwende teils wohlwollend aufgenommen

Von Brancheninsidern wird Amazons Reaktion auf die Kritik wohlwollend aufgenommen. „Dieser Ansatz bietet Händlern Flexibilität, die sich an neuere Vorlagenstandards anpassen möchten, und schützt gleichzeitig Händler mit etablierten Produktkatalogen“, schreibt etwa PPC Land. Zudem beweise Amazon mit der Kehrtwende, dass man die Sorgen der Händlerinnen und Händler ernst nehme und „gleichzeitig die empfindliche Balance zwischen Plattformoptimierung und operativer Stabilität der Verkäufer unterstreicht“.

Viele Anpassungen, die Händlern Probleme bereiten

Für Händlerinnen und Händler ist der neue Vorstoß zur Variantenbereinigung nicht die erste Maßnahme, die jüngst Probleme und Sorgen bereitete. Bereits im Frühjahr hatte Amazon logistische Prozesse derart angepasst, dass sie von Branchenspezialisten als „größte Gebührenerhöhung aller Zeiten“ bezeichnet wurde. Dabei geht es um die Erstattung in den Fulfillment-Zentren des Konzerns: Werden Waren dort beschädigt oder gehen verloren, werden die Kosten seither nicht mehr in Höhe des vollständigen Verkaufspreises erstattet. Stattdessen trägt Amazon nur noch die Herstellungskosten für die betroffenen Waren. Im Einzelfall kann dies für Händlerinnen und Händler mit erheblichen finanziellen Verlusten einhergehen.

Zuletzt hatte Amazon außerdem angekündigt, das Bewertungssystem für Verkäuferinnen und Verkäufer zu erneuern. In diesem Zuge können Kundinnen und Kunden bei Wunsch Anbieter nur über die Abgabe von Sternen bewerten – eine bisher verpflichtende Textangabe ist nicht mehr notwendig. Die Kritik aus Sellerkreisen war auch hier groß, denn reine Sternebewertungen seien einerseits nichtssagend und nicht hilfreich. Andererseits taugen sie nicht, um Optimierungsbedarf aufzudecken. Auch gegen ungerechtfertigte Bewertungen können Betroffene dadurch quasi gar nicht mehr vorgehen.

Zu diesen marktplatzbezogenen Änderungen kommen viele weitere Faktoren, die den Druck auf Handelsakteure erhöhen: etwa die aktuelle wirtschaftliche Lage, umfangreiche neue Zollbestimmungen, Rezessionsängste und zurückhaltendes Konsumverhalten durch die Kundinnen und Kunden.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 29.08.2025
img Letzte Aktualisierung: 29.08.2025
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

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