Compliance: Amazon bestraft Händler auch für Daten auf fremden Websites

Veröffentlicht: 10.06.2025
imgAktualisierung: 10.06.2025
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 2 Min.
10.06.2025
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ca. 2 Min.
Smartphone liegt neben einem Laptop. Auf dem Smartphone sieht man das Logo des Online-Marktplatzes Amazon
Erstellt mit Dall-E
Amazon-Seller müssen offenbar sehr genau aufpassen, wie sie Angebote auch auf externen Seiten präsentieren – sonst droht Ärger.


Dass Amazon die Einhaltung von Richtlinien genau überwacht, ist für Händlerinnen und Händler keine Neuigkeit: Wer auf dem Marktplatz gegen Auflagen verstößt, dem drohen Sanktionen und sogar Sperrungen. So weit, so bekannt. Allerdings soll Amazon nicht nur auf hauseigenen Seiten kontrollieren, ob Seller Vorschriften befolgen. Aus den USA ist zu hören, dass der Konzern offenbar auch externe Websites bzw. Seller-Angebote prüft – ein Umstand, der weitreichende Konsequenzen haben dürfte.

Externe Angaben verursachen Compliance-Probleme bei Amazon

Neben den regulären Angaben auf den Amazon-Produktdetailseiten – wie etwa den Titeln und Bildern, den Bulletpoints und Produkttexten – prüfe Amazon die Angaben zu Produkten unter anderem auf externen Hersteller- oder Marken-Seiten. Das berichtete kürzlich Amazon-Expertin Vanessa Hung, CEO der E-Commerce-Agentur Online Seller Solutions, im Business-Netzwerk LinkedIn.

Hung verwies dabei konkret auf eine Nachricht des Amazon-Supports an einen Händler, der zuvor Probleme mit der Compliance hatte: „Darin hieß es eindeutig, dass Amazons System Daten gespeichert habe, die direkt von der Website der Marke stammen. Und diese Daten seien der Grund für eine wiederkehrende Compliance-Meldung auf der ASIN.“

Indem Amazon öffentlich zugängliche Daten von Sellern bzw. Marken also miteinander abgleicht, solle die Einhaltung von Vorschriften auf der hauseigenen Plattform sichergestellt und durchgesetzt werden.

Analyse und Speicherung von Daten – so geht Amazon vor

Recht detailliert habe das Support-Team des Marktplatzes in dem vorliegenden Fall erklärt, wie man mit externen Angebotsdaten verfahre:

  • Die künstliche Intelligenz von Amazon durchsucht Markenwebsites.
  • Dort werden Aussagen zum Produkt sowie Verpackungsinhalte geprüft.
  • Entsprechende Informationen von externen Seiten werden im Rahmen der Compliance-Prozesse intern gespeichert.
  • Werden auf externen Seiten Formulierungen erkannt, die mit den Vorschriften des Amazon-Marktplatzes nicht konform sind, kann es zu Maßnahmen wie Listing-Deaktivierungen kommen.

Bei der vorliegenden Datenanalyse sowie -verarbeitung, die zulasten des betroffenen Händlers gehen, handele es sich dem Bericht zufolge nicht um einen Einzelfall: „Es ist das Ergebnis eines Systems, das Amazon vor über einem Jahr eingeführt hat“, schreibt Vanessa Hung weiter. Erst jetzt würden die entsprechenden Konsequenzen allerdings zutage treten.

Gravierende Folgen für Seller 

Die beschriebene Vorgehensweise von Amazon dürfte sich gravierend auf die Prozesse vieler Händlerinnen und Händler auswirken. Denn ihre Markenwebsites, aber auch Angebote auf amazon-fremden Marktplätzen, gelten dann quasi nicht mehr als autonome Portale: Sie stehen nicht separat neben den bestehenden Marktplatzangeboten auf Amazon, sondern sind Teil der komplexen Compliance-Prozesse. In diesem Rahmen müssen die externen Angebote in Punkten wie Produktinformationen und Datenpflege amazonkonform umgesetzt werden. Andernfalls droht eine Abstrafung von ASINs.

Laut Hung ist es also wichtig, eigene Websites, externe (amazonfremde) Marktplatz-Angebote und Amazon-Produktseiten gleichermaßen stets aktuell zu halten, um ungewollte Datenkonflikte zu verhindern. Datenintegrität werde der Expertin zufolge also zum „großen Maßstab“.

Veröffentlicht: 10.06.2025
img Letzte Aktualisierung: 10.06.2025
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
8 Kommentare
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MK
13.06.2025

Antworten

Warum wird sowas nicht verboten? Das hat Amazon nichts anzugehen. Das liegt nicht im Zuständigkeitsbereich von Amazon. Das Problem ist, der Händlerbund berichtet über solche Fälle und kennt die Probleme, die Händler mit Amazon haben. Warum berichtet der Händlerbund immer nur davon. Wir Händler haben nicht die Macht gegen Amazon vorzugehen. Das weiß Amazon. Aber der Händlerbund hat doch hoffentlich gute Anwälte. Warum macht der Händlerbund nicht mehr Druck gegen Amazon? Der Händlerbund ist doch nicht nur zur Berichterstattung hier. Helfen Sie doch den Händlern mal! Vielen Dank
Redaktion
16.06.2025
Als Redaktion der OnlinehändlerNews ist es unsere Hauptaufgabe, über aktuelle Entwicklungen zu informieren, Probleme sichtbar zu machen und Händlerstimmen wie Ihre aufzugreifen. Wir verstehen gut, dass die Herausforderungen im Umgang mit Amazon oft frustrierend sind – gerade wenn man als einzelner Händler wenig ausrichten kann. Bitte beachten Sie: Der Händlerbund ist als Verband selbstverständlich auch über die reine Berichterstattung hinaus aktiv. Mitglieder erhalten rechtliche Unterstützung – auch in Auseinandersetzungen mit Plattformen wie Amazon. In vielen Fällen konnte so bereits erfolgreich geholfen werden. Wenn Sie selbst betroffen sind, empfehlen wir Ihnen, direkt Kontakt mit dem Händlerbund aufzunehmen. Je nach Fall lassen sich weitere Schritte prüfen. Mit besten Grüßen Ihre Redaktion von OnlinehändlerNews
Torsten
11.06.2025

Antworten

Schön geschrieben Tina Plewinski. Macht Spaß zu lesen [Satzteil entfernt, bitte beachtet unsere Netiquette, Anm. d. Red.] Also weiter so - von Ihnen liest man gern. Interessant wäre von Ihnen als Amazonexpertin zu erfahren warum Händler überhaupt bei Amazon verkaufen. Für uns ist es bis heute (nach einem kurzen Versuch vor rund 20 Jahren) schier unfassbar was einen Händler bewegen kann tatsächlich sich seiner Handelsmarge komplett entledigend auf dieser Plattform zu engagieren. Verdient wirklich jemand etwas? Wie soll so eine Kalkulation aussehen. Schreiben Sie mal darüber, über die Risiken und wieviel nach Werbeausgaben und Rücksendungen wahrscheinlich draufgelegt werden muss oder ob echt ein lohnenswertes Geschäft am Ende bei rauskommt. Wir sind täglich nur erstaunt wie man so einen Zirkus mitmachen kann. Besten Dank und viel Erfolg Torsten Conradt TWIOO SPORTS running gear - sustainable. made in europe.
M.K
16.06.2025
Das ist mir klar, dass ich den Händlerbund zu jedem solcher Fälle um Hilfe beten kann. Ich habe aber nicht um eine solche Art von Hilfe geschrieben, denn das hilft nur dem Geldbeutel vom Händlerbund. Nein, was ich eigentlich meinte ist, dass sich in der Politik was ändern muss. Aber jeder einzelne Händler kann da nichts machen. Hier muss viel massiver von Verbänden wie dem Händlerbund gehandelt werden und Druck ausgeübt werden. Denn das was Amazon und Ebay betreiben ist nicht rechtens. Uns Händlern ist nicht geholfen, wenn wir jeden Fall dem Händlerbund melden und hoffen, dass ich meinen Schaden ersetzt bekomme, zumal ich bei jedem Fall auf Amazon gesperrt werde, da es dem Verkäufer untersagt ist, außerhalb der Plattform irgendwelche Tätigkeiten, die den Käufer betreffen, zu unternehmen. Das ist doch alles Unsinn. Das Problem muss man an den Wurzeln packen und das funktioniert nur mit Gesetzesänderungen. Plattformen dürfen Händler nicht so unter Druck setzen. Das ist Sklaverei! Die Deutschen Gesetze haben zu gelten und da dürfen solche Plattformen keine Macht darüber ausüben. Danke
JL
11.06.2025

Antworten

Wohl ein Witz. Amazon ist sein Jahren zu dämlich ne EAN richtig zu zu weisen und das obwohl von Markeninhaber, Deustschlanddistributer und auch von uns als Händler mehrfach darauf hingewiesen wurde. Produktbild von einer Leuchte, ist eine Kunststoff Wasserpflanze für ein Aquarium und wird nicht ums verrecken upgedated. Soviel zu deisem Thema. Es geht auch anders (zumindest wenn man nicht von Amazon abhängig ist). Wir drohen auch Amazon vor Gericht zu zerren, wenn einiges nicht passiert.
K.I
11.06.2025

Antworten

Meinung: Amazon will nicht weniger als die Weltherrschaft über den Onlinehandel. Das Kartellamt sollte umgehend eingreifen! Die Ehrlichkeit von Amazon hat sich in den vergangenen Jahren zu alternativen Fakten entwickelt. Wer den Antworten von Amazon noch Glauben schenkt der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Seit dem die gesamte Trump Administration , Bezos, Musk, Cook, Zuckerberg und wie die Tech Giganten alle heißen, die gleichen Interessen vertreten, Gelder hin und her schieben, sich gegenseitig öffentliche Aufträge zuschustern usw... sollte jeder ganz kritisch mit deren Aussagen umgehen!
Andree
11.06.2025

Antworten

Seit wann das? Wir sind nicht mehr bei Amazon wegen massiver Probleme eben auch so etwas in der Art. Ein anderer Händler hatte unsere EAN für sein Produkt verwendet so das wir unsere eigene EAN nicht nutzen konnten, trotz Reklamation hat es Amazon einen sche*** interessiert.
PG
11.06.2025

Antworten

was ist daran neu? deren bots durchforsten seit jahren das internet und erzeugen dann die hochpreisfehler. das ist rechtswidrig, aber stört amazon nicht. amazon hält sich aber selbst an nichts, thema willkürliche account sperrungen, keine auszahlungen, erstattungen, verbot der kommunikation mit käufer....