Neues Billig-Segment: Amazon legt strenge Preisgrenzen für Händler fest

Veröffentlicht: 25.10.2024
imgAktualisierung: 25.10.2024
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 3 Min.
25.10.2024
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ca. 3 Min.
Pakete des Online-Riesen Amazon auf einem Stapel
akulamatiau / Depositphotos.com
Amazon will dem Billig-Anbieter Temu das Wasser abgraben. Nun gib es erste Details zu den Plänen rund um eine neue Schnäppchen-Plattform.


Schmuck für maximal 8 Dollar, ein Sofa für maximal 20 Dollar oder eine Gitarre für maximal 13 Dollar? Mit diesen Dumping-Preisen in einem neu geplanten Billig-Segment versucht Amazon offenbar, besonders preissensible Kundinnen und Kunden zu locken und den Höhenflug des Konkurrenten Temu zu unterbrechen.

Händler wurden über strenge Preisgrenzen informiert 

Dem Online-Marktplatz Temu war es auf Basis extremer Niedrigpreise und einer aggressiven Werbestrategie innerhalb weniger Monate gelungen, den E-Commerce-Markt aufzumischen und sich beachtliche Anteile zu sichern. Dass Amazon als Reaktion darauf ebenfalls eine eigene Billig-Sparte plant, wurde bereits im Sommer offengelegt. Die nun bekannt gewordenen Preisgrenzen geben weitere Einblicke in das Vorhaben.

Händlerinnen und Händler, die ihre Produkte in der neuen Billig-Sparte vertreiben wollen, müssen sich demnach an die strengen Preisobergrenzen von Amazon halten, schreibt Reuters und verweist auf die Branchenplattform The Informationen. Diese Einzelheiten habe der Konzern gegenüber seinen Sellern bereits kommuniziert. Für insgesamt 700 Produkte gebe es entsprechende Preislimits.

„Sollten die Preisobergrenzen eingeführt werden, würde dies einen Strategiewechsel für Amazon bedeuten“, heißt es in dem Bericht weiter. Denn in der Vergangenheit habe der Marktplatzbetreiber „keine strengen Grenzen für Verkäufer auf seiner Plattform gesetzt“.

Keine Marken, kein Branding für Seller

Im Zentrum von Amazons neuem Billig-Shop stehen markenlose Produkte, die nicht über das reguläre Sortiment, sondern ausschließlich über den speziellen Billig-Shop verfügbar sind. Keines darf dabei mehr als 20 Dollar kosten, sonst wird es deaktiviert, berichtet MarketplacePulse.

Dass ausschließlich markenlose Waren gehandelt werden, habe für den Konzern einen entscheidenden Vorteil: Amazon ist dann nämlich die einzige Marke, mit der Kundinnen und Kunden im Zuge ihres Kaufs in Kontakt kommen und an die sie sich potenziell binden. Für Seller ist das Vorgehen hingegen ein entscheidender Nachteil, da sie nicht in der Lage sind, sich starke und nachgefragte Eigenmarken aufzubauen.

„Da es keine Möglichkeit zum Markenaufbau und keine Vorteile gegenüber Händlern in China gibt, ist der neue Marktplatz nichts für US-Händler, auch wenn Amazon sie nicht explizit ausschließt“, urteilt MarketplacePulse weiter. Grundsätzlich sei es nach aktuellem Stand nicht gewiss, ob das Programm ausschließlich für Marktplatzpartner aus China geboten wird oder etwa auch Sellern aus dem Heimatmarkt USA offensteht.

Versand durch chinesisches Amazon-Lager

Darüber hinaus sollen die verkauften Waren direkt über ein Logistikzentrum abgewickelt werden, das Amazon in China, genauer gesagt in Dongguan in der Provinz Guangdong, betreibt. Ein eigenständiger Versand durch die Händlerinnen und Händler sei demnach nicht möglich. 

Auch in Sachen Retouren gibt es Infos, die aufhorchen lassen: Für die Rückgabe von Produkten sei eine Frist von 15 Tagen ab dem Lieferdatum anberaumt. Von einer Rückgabe ausgeschlossen seien hingegen Produkte, die einen Wert von weniger als drei US-Dollar haben – allein dieses Vorgehen wäre mit Blick auf den Verbraucherschutz in Deutschland schon gar nicht möglich. Retournierte Produkte sind für die jeweiligen Händler überdies verloren: Sie werden nicht an die Seller überstellt, sondern je nach Fall liquidiert beziehungsweise entsorgt oder gespendet.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 25.10.2024
img Letzte Aktualisierung: 25.10.2024
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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Simon
04.11.2024

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Hallo, wieso jammert ihr? Dann beachtet doch Amazon einfach nicht. MfG
Harald Otto
02.11.2024

Antworten

Das ist ein wirklich trauriger Plan von Amazon. Das zeigt wie hilflos der Konzern ist und läutet wohl auch das Ende ein. So wird immer noch mehr Müll produziert für die Welt.
M.Zang
29.10.2024

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Amazon ist kein Deut besser als Temu und Shein
K.I
28.10.2024

Antworten

Meinung: Was Amazon jetzt macht ist nicht besser als das wofür Temu kritisiert wird. Einfach nur noch schlecht und abartig Amazons verhalten! Die unendliche Gier von Amazon kennt keine Grenzen!
NoPrimeDay
27.10.2024

Antworten

So viel zum Thema Nachhaltigkeit und gerechte Bezahlung der Mitarbeitenden... Ein Sofa für 20 Dollar? Im Ernst?