Amazons neue Verkäuferbewertung sorgt für Ärger und Frust bei Händlern

Veröffentlicht: 06.08.2025
imgAktualisierung: 06.08.2025
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 3 Min.
06.08.2025
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ca. 3 Min.
Amazon-Logo auf einem Smartphone, das auf einem Schreibtisch liegt.
Erstellt mit Dall-E
Nachdem Amazon Änderungen bei der Verkäuferbewertung angekündigt hat, regt sich Verunsicherung und Kritik – nicht nur auf Seller-Seite.


Kürzlich hatte Amazon verlauten lassen, sein Bewertungssystem für Händler zu überarbeiten. Seit dem 4. August ist es Kundinnen und Kunden des Online-Marktplatzes möglich, entsprechende Bewertungen ausschließlich über die Abgabe von Sternen zu tätigen. Ein schriftlicher Kommentar, der vormals verpflichtend war, kann nun wahlweise weggelassen werden. Laut Amazon zielt die Änderung darauf ab, den Bewertungsprozess zu vereinfachen und Sellern zu mehr Bewertungen zu verhelfen.

Was der Konzern als positive Anpassung vermeldete, stieß bereits kurz nach der Ankündigung auf skeptische bis unzufriedene Reaktionen. Mittlerweile ist nicht nur von Händlerinnen und Händlern scharfe Kritik zu hören – auch aus dem Kreis der Branchenspezialisten fallen die Reaktionen teils vernichtend aus.

Sterne ohne Kommentare: Nichtssagend und nicht hilfreich

Grundsätzlich sehen viele Verkäuferinnen und Verkäufer in der Bewertungsumstellung einen Rückschritt. Einer der Hauptkritikpunkte: Sternebewertungen ohne begleitende Kommentare seien wenig aussagekräftig und bieten keine Grundlage, um aus dem Feedback zu lernen oder unfaire Bewertungen zu hinterfragen.

„Wie um Gottes willen können wir oder andere Käufer diese ‚Erfahrungen erfahren‘, wenn die bewertenden Kunden gar nichts mehr schreiben? Wie kann man überhaupt erkennen, ob eine nackte Sternbewertung ohne Text ‚ehrlich und authentisch‘ ist? Oder ob sie gegen die Community-Richtlinien verstößt?“, fragt ein Seller im SellerForum von Amazon.

In die gleiche Kerbe schlägt der Kommentar eines anderen Users. Ein Wegfall der Kommentare mache es schwer bis unmöglich, Feedback für die eigene Optimierung zu nutzen. „Mir geht es nicht darum, möglichst viele Bewertungen zu erhalten, sondern aus den vorhandenen auch Rückschlüsse auf mögliche Schwächen oder Fehler ziehen zu können.“ Ohne Textkommentare sei es künftig nicht mehr möglich, die Probleme zu erkennen. Und: „Anhand der Bewertungen der letzten Jahre konnten wir zum Beispiel unsere Verpackungen verbessern, das Design anpassen und an einigen kleinen Stellschrauben drehen. Ohne diese Kommentare fehlt uns ein wichtiges Feedback-Instrument.“

Problem mit ungerechtfertigten Bewertungen könnte sich verschärfen

Hinzu kommt die Sorge, dass sich ungerechtfertigte Bewertungen in Zukunft nicht mehr effektiv anfechten lassen – etwa wenn Kundinnen und Kunden über Probleme mit der Lieferung berichten. So heißt es beispielsweise: „Schon mit Kommentar war es für Händler fast unmöglich, eine tatsächlich ungerechtfertigte Bewertung entfernen zu lassen, die ohne Kommentar sind faktisch unangreifbar, das ‚fast‘ kann man zukünftig also streichen.“

In diesem Sinne seien auch FBA-Seller besonders betroffen, so die Vermutung. Denn jene, die auf den Fulfillment-Dienst von Amazon zurückgreifen, müssen in der Praxis ohnehin schon häufig mit schlechten Bewertungen umgehen, die eigentlich Amazon durch verspätete Lieferungen oder beschädigte Sendungen zu verantworten hat. „Wir bekommen schlechte Bewertungen fast ausschließlich für die erbärmlichen Leistungen Amazons. Nun werden wir 1-Sterne Bewertungen bekommen, die dann natürlich nicht mehr unter Amazons Verantwortung laufen.“

In solchen Fällen sind reine Sternebewertungen ohne die Darstellung der Umstände natürlich nicht nur für die Seller enttäuschend. Auch die künftige Kundschaft kann solche Rezensionen dann nicht mehr einordnen und in einen angemessenen Kontext stellen.

Seltenes Feedback als Problem

Dass Amazon grundsätzlich Anpassungen vornimmt, um seinen Marktplatzpartnern mehr Rezensionen zu verschaffen, findet zumindest an einigen Stellen Anklang. Die geringe Rückmelde- bzw. Bewertungsquote wird in Teilen durchaus als Problem herausgestellt. Dies sei, zumindest Einzelerfahrungen zufolge, auf anderen Marktplätzen wie Ebay anders. Die Art der Anpassung scheint hingegen mehrheitlich nicht unterstützt zu werden.

Amazon verschleiert die Probleme

Kritik gibt es beispielsweise auch von MarketplacePulse. Als Wermutstropfen der Umstellung sieht der Branchenspezialist die potenziell geringen Auswirkungen in der Praxis: Da das Verkäufer-Feedback einerseits nur einen geringen Einfluss auf die Sichtbarkeit der Buy Box habe und andererseits auf den Produktseiten selbst nicht prominent zu finden ist, dürften sich die Sellerbewertungen nicht unmittelbar negativ auf die Kaufentscheidungen der Besucher auswirken.

Allerdings – und das ist der Knackpunkt – verschleiere Amazon künftig einfach die vorhandenen Probleme, statt diese weiterhin auf den Tisch zu packen und damit positive Weiterentwicklungen bei den Sellern anzustoßen. Kritik lässt man so verstummen, Probleme und Ursachen unzufriedener Kundinnen und Kunden werden verborgen statt gelöst.

Eigentlich hatte sich Amazon seit jeher die Kundenzufriedenheit als oberstes Credo auf die Fahnen geschrieben. Dass die Anpassung nun auf scharfe Kritik stößt, darf nicht verwundern.

Veröffentlicht: 06.08.2025
img Letzte Aktualisierung: 06.08.2025
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
8 Kommentare
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NoPrimeDay
17.08.2025

Antworten

Der nur noch optionale Bewertungstext geht, neben den hier genannten Gründen, wohl auch auf die Faulheit der Nutzenden zurück. Durch Sprachnachrichten, Videoplattformen und KI wurde ihnen in den letzten Jahren abtrainiert, ihre Finger zum Schreiben zu benutzen. Natürlich haben sie dann auch keine Lust (mehr), lange Bewertungen zu verfassen. Schon vor 15 Jahren gab es tatsächlich veröffentlichte Rezensionen à la "Ich schreibe nur, um die Mindestwortzahl zu erfüllen"...
gerd
09.08.2025

Antworten

Es wird höchste Zeit, dass Amazon sich als Händler auch bewerten lassen muss. Wettbewerbsrechtlich ohnehin äußerst bedenklich, was Amazon grundsätzlich alles so treibt.
Seller
07.08.2025

Antworten

Beim Verkäufer-Feedback war bisher schon das Problem, dass Feedbacks, welche in die Verantwortung von Amazon fallen (Fehler beim FBA-Versand) nur durchgestrichen wurden, aber trotzdem weiter lesbar waren. Die "Löschung" war also nur halbherzig - aber besser als nichts. Außerdem habe ich oft Feedbacks erhalten, die einem ganz anderen Kauf, bei einem ganz anderen Verkäufer zuzuordnen sind - wenn mal wieder ein Produkt bewertet wurde, was ich gar nicht anbiete. Die Verkäuferfeedback-Seite ist offensichtlich so unübersichtlich, dass etwa 5% der Käufer bei der Abgabe ihres Feedbacks in der Zeile verrutschen. Ohne Text und ohne Möglichkeit den Käufer zu kontaktieren, wird man gar nicht mehr unterscheiden können, ob das Feedback überhaupt gerechtfertigt ist, oder womöglich einem ganz anderen Verkäufer gilt. Das Feedback verliert an Aussagekraft und wird noch unfairer. Noch gar nicht thematisiert wurde, dass Amazon "Das Produkt für Kundenrezensionen in Seller Central" am 30. September 2025 vollständig deaktiviert. Über diese Seite war es bislang möglich, Käufern die Ihre Reklamation ausschließlich über eine Produktrezension formuliert hatten, einen Kundenservice oder eine Erstattung anzubieten. Ein gutes Beispiel ist, dass ein Kunde in der Rezension schreibt, er könne den Artikel nicht mehr zurückgeben - hat tatsächlich aber nicht mal vorher angefragt, ob eine Rückgabe auch nach Ablauf der eigentlichen Frist möglich ist. In so einem Fall konnte man bisher dem Kunden wenigstens noch helfen. Es ist leider so, dass einige Kunden ihr Problem in einer Rezension wiedergeben, aber gar nicht auf die Idee kommen, sich vorher mal an den Verkäufer zu wenden, um so auch das Problem gelöst zu bekommen... Auch die Rezensionen verlieren also künftig weiter an Aussagekraft und gewinnen an Fehlinformationen. Ganz davon abgesehen, dass sich der Kundenservice zwangsläufig verschlechtert, wenn man nun gar keine Hilfe mehr anbieten kann. Sinnfrei sind auch die Rezensionen ohne vorherigen Kauf. Amazon nennt das einen "nicht verifizierten Kauf". Da schreibt man sich bei Amazon auf die Fahne, möglichst aussagekräftige Rezensionen haben zu wollen, und dann kann jeder (auch ganz ohne Kauf) eine Rezension schreiben?! Laut Urteil des BGH vom 09.08.2022 - VI ZR 1244/20 ist ein Plattformanbieter auf dem Bewertungen möglich sind, in der Pflicht einen Kauf oder Kontakt nachzuweisen, bzw. eine solche Bewertung ohne Kauf auf der Plattform zu löschen. Natürlich macht Amazon beides nicht...
ralf
07.08.2025

Antworten

Warum FBA Seller wegen der Neuerung sich beschweren, ist mir ein Rätsel, diese bekommen doch die Bewertungen eh gelöscht bzw. durchgestrichen und aus der Wertung genommen. Allerdings und da gebe ich Recht, sind die FBA Bewertungen, würden Sie tatsächlich in die Bewertungen einfließen, teilweise unterirdisch. Amazon bekommt selber das nicht hin, was Amazon von seinen Sellern verlangt. Das bedeutet auch, dass der gute Ruf, den Amazon irgendwo hat, allein auf den FBM Sellern lastet.
TG
07.08.2025

Antworten

Sobald dies eingeführt wird sage ich bye bye Amazon. Es reicht!
smart
12.08.2025
Schon geschen am 4.8. Ihr Kommentar 07.08.
JVW
07.08.2025

Antworten

Das Unternehmen, das von sich behauptete, maximal kundenzentriert zu arbeiten, höhlt sich immer mehr aus. Die alten Prinzipien werden mehr und mehr über Bord geworfen.
K.I
07.08.2025

Antworten

Meinung: Katastrophe nicht auf Bewertungen antworten zu können. Katastrophe das zu Unrecht abgegebene negativ Bewertungen nicht gelöscht werden. Und jetzt auch noch Bewertungen ganz ohne Kommentar??? Amazon ist einfach nur noch ....... Fühlt sich alles nach Trump Manier an - verschleiern und alternative Fakten schaffen!