Support & Hilfe
Newsletter Bei uns werben

Was Amazons neue PayPal-Finanzierung für Händler bedeutet

Veröffentlicht: 11.08.2026
imgAktualisierung: 11.08.2026
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 3 Min.
11.08.2026
img 11.08.2026
ca. 3 Min.
Symbole von Payment-Anbietern, u.a. PayPal
ymgerman / Depositphotos.com
Amazon und PayPal bringen die Ratenzahlung in den Check-out. Aber: Betrifft das auch Marktplatz-Bestellungen?


Amazon hat gemeinsam mit PayPal eine Ratenzahlung im Check-out eingeführt. Finanzierbar sind Einkäufe zwischen 30 und 10.000 Euro, mit Laufzeiten von 3 bis 24 Monaten, exklusiv bei Amazon zusätzlich 36 und 48 Monate. Der effektive Jahreszins liegt bei 11,49 Prozent, für ausgewählte Produkte ist zudem eine 0-Prozent-Finanzierung angekündigt. Der Rollout startet schrittweise auf Amazon.de und in der App, zunächst in Deutschland und Österreich. Voraussetzung sind ein PayPal-Konto und eine bestandene Bonitätsprüfung. Es gibt aber noch offene Fragen, wie Taxdoo analysiert.

Betrifft das Marketplace-Händler überhaupt?

Unklar ist ausgerechnet der Punkt, der für Händler:innen entscheidend ist: Die Ankündigung sagt nämlich nicht, ob die Ratenzahlung auch für Bestellungen bei Drittanbietern verfügbar sein wird oder zunächst nur für Produkte gilt, die Amazon selbst verkauft. Durchgehend ist von „berechtigten Einkäufen“ die Rede, ohne dass diese Berechtigung näher definiert wird. Da Marketplace-Zahlungen ohnehin vollständig über Amazon abgewickelt werden, wäre eine Einbeziehung technisch naheliegend – bestätigt ist sie aber nicht.

Kein völlig neues Prinzip, aber ein größerer Rahmen

Eine Finanzierung im Amazon-Check-out gibt es nicht zum ersten Mal: Bis zum 7. Januar 2026 existierte auf Amazon.de der Finanzierungsrahmen von Barclays, bei dem Amazon bereits als Kreditvermittler auftrat. PayPal schließt die Lücke nun sieben Monate später – mit demselben Effektivzins von 11,49 Prozent. Auch die Rollenverteilung bleibt gleich: Darlehensgeber ist PayPal, das seit 2007 über eine luxemburgische Banklizenz verfügt, Kreditvermittler ist Amazon EU S.à r.l., Niederlassung Deutschland.

Neu sind drei Punkte: Erstmals steht überhaupt eine PayPal-Zahlungsart im Amazon-Check-out – wobei es ausschließlich um die Ratenzahlung geht, eine reguläre Kaufpreiszahlung über PayPal bleibt weiterhin ausgeschlossen. Der Finanzierungsrahmen ist mit bis zu 10.000 Euro und Laufzeiten bis 48 Monate deutlich größer als beim Vorgänger. Und Kund:innen zahlen künftig über ein eigenes PayPal-Konto mit eigenem Käuferschutz, statt wie beim Barclays-Modell unsichtbar im Amazon-Check-out.

Umsatzsteuer bleibt unverändert

Der Kunde schließt den Darlehensvertrag direkt mit PayPal ab und zahlt dort die Zinsen. Für Händler:innen ändert sich am Verkauf selbst nichts, wie Taxdoo darlegt: Sie werden über das übliche Settlement ausgezahlt, abzüglich der gewohnten Amazon-Gebühren, ohne zusätzlichen Finanzierungseinbehalt. Die Zinsen entstehen ausschließlich im Verhältnis zwischen Kunde und PayPal und sind dort als Kreditgewährung nach § 4 Nr. 8 Buchst. a UStG steuerfrei.

Was sich im Zahlungsabgleich ändert

Bislang war Amazon für Händler:innen ein geschlossenes Zahlungssystem mit einem einzigen Settlement-Report. Das ändert sich: Erstmals ist ein Zahlungsdienst mit eigenem Kundenkonto, eigenem Käuferschutz und eigener Rückabwicklung im Bestellprozess eingebunden. Im Settlement-Report werden neue Transaktionstypen auftauchen, die der Zahlungsabgleich zuordnen muss. Bei Retouren laufen künftig zwei Vorgänge parallel: Amazon erstattet den Kaufpreis, PayPal passt den Ratenplan an. Wer nur einen der beiden Vorgänge verbucht, riskiert offene Posten.

Wer trägt die Kosten der 0-Prozent-Finanzierung?

Wer die angekündigte 0-Prozent-Finanzierung finanziert, bleibt offen. Übernehmen PayPal oder Amazon die Kosten, ändert sich für Händler:innen nichts. Müssten diese die Subvention tragen, gilt weiterhin: Die Umsatzsteuer bemisst sich nach dem ungekürzten Kaufpreis, unabhängig von einem möglichen Finanzierungseinbehalt. Das entspricht einem BFH-Urteil vom 24. Februar 2021 (XI R 15/19), wonach ein Entgelt nicht um übernommene Finanzierungskosten gemindert wird. Ein ähnliches Modell existiert bereits: Über das Programm „Flexible Kundenfinanzierung“ können Marketplace-Händler:innen seit 2023 zinsfreie Raten anbieten und zahlen dafür eine laufzeitabhängige Gebühr an Amazon.

Was jetzt zu tun ist

Vorerst besteht kein akuter Handlungsbedarf. Sinnvoll ist es dennoch, die Settlement-Reports auf neue Transaktionstypen zu beobachten und sicherzustellen, dass der Zahlungsabgleich Erstattung und Ratenplan-Anpassung bei Retouren zusammenführt. Wer eine 0-Prozent-Finanzierung mitfinanziert – ob aktuell über die Flexible Kundenfinanzierung oder künftig über PayPal –, sollte zudem prüfen, dass die Gebühr in der Buchhaltung als Aufwand und nicht als Rabatt erfasst wird, ohne die Bemessungsgrundlage zu kürzen.

Artikelbild: https://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 11.08.2026
img Letzte Aktualisierung: 11.08.2026
Lesezeit: ca. 3 Min.
Artikel weiterempfehlen
Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
0 Kommentare
Kommentar schreiben