Amazons Billigplattform steht schon wieder vor dem Aus

Veröffentlicht: 11.04.2025
imgAktualisierung: 11.04.2025
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
11.04.2025
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Zwei Amazon-Pakete gestapelt
Oleksandr_UA / Depositphotos.com
Mit Haul will Amazon im Billigsegment gegen Temu bestehen. Doch die Zoll-Pläne des US-Präsidenten torpedieren die Idee.


War das Anbiedern Amazons an US-Präsident Donald Trump etwa doch zu vorschnell? Bei kaum einem Konzern lassen sich die desaströsen Auswirkungen von Trumps Zollpolitik auf die eigene Wirtschaft derzeit so gut beobachten wie bei Amazon. Chinesische Händler:innen verlassen den Marktplatz in Scharen, weil die Strafzölle gegen China einen wirtschaftlichen Handel in den USA nicht mehr erlauben. Und nun trifft es auch den Konzern selbst – wiederum in Verbindung mit den Fantasiezöllen auf chinesische Importe.

Mit Amazon Haul wollte der Marktplatz eine Alternative zu Temu an den Start bringen und den chinesischen Konkurrenten mit den eigenen Waffen schlagen: Billigware wird direkt aus den Werken in Fernost in die USA zur Kundschaft geschickt. Der Versand dauert etwas länger, dafür kostet nichts über 20 Dollar. Wie erfolgreich Amazon damit bislang ist, ist unklar. Klar ist aber, dass Amazon seine Billigsparte schon jetzt komplett umbauen muss – und wohl langfristig nicht mehr als günstige Alternative anpreisen kann.

Preise gehen hoch

Amazon Haul umfasst seit dieser Woche auch Produkte bekannter Marken wie Adidas, Levi's und Gap, die aus Amazons Lagerbeständen in den USA verschickt werden – das Gegenteil von dem, was Haul eigentlich einmal sein sollte, nämlich eine Alternative mit markenlosen, günstigen Produkten aus China. Auch die 20-Dollar-Marke ist seit Kurzem gefallen, wie The Verge schreibt. Mittlerweile finden sich bei Haul auch Hosen für 27 Dollar und Kleider für knapp 35 US-Dollar.

Besonders kurios: Einige Produkte kosten auf Haul genauso viel wie auf dem regulären Marktplatz – warum also überhaupt bei Haul nach günstigen Alternativen schauen? Der Grund für die Preiserhöhungen liegt in den neuen Zöllen. Alle Importe aus China werden besteuert, also quasi auch das komplette bisherige Haul-Sortiment. Mit dem Schritt, den Bereich mit in den USA befindlichen Waren zu bestücken, geht Amazon den Zöllen vorerst aus dem Weg, dürfte damit aber nur etwas Zeit gewinnen. Wenn die Lager leer sind, muss Ware importiert werden – oder Amazon muss sich generell überlegen, was Haul in Zukunft eigentlich sein soll.

Chance für deutsche Kund:innen?

Im März gab es bereits Gerüchte, dass Haul auch nach Deutschland kommen soll. An dieser Front gab es bislang keine Neuigkeiten, aber ausgerechnet das Zollchaos in den USA könnte einen hiesigen Start befördern. In der EU kann Amazon das Programm ohne US-Strafzölle anbieten und so zumindest außerhalb der USA ein Konkurrenzangebot zu Temu fahren. Gut möglich, dass Amazon dies nun forcieren wird.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 11.04.2025
img Letzte Aktualisierung: 11.04.2025
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
1 Kommentare
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K.I
14.04.2025

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Meinung: Temu verbieten wollen aber Amazon darf seinen Dreck über Europa ausschütten??? Da sollte die EU aber mal so richtig Gebühren von Amazon fordern. Zoll abwicklungsgebühren pro Stück 5 Euro wären auch ein probates Mittel um einheimische Händler zu schützen. Wie passt das eigentlich mit dem Hass von Trump auf China wenn sein Kumpel Jeff Bezos jetzt doch den Chinakram über die EU verkauft? Interessenkonflikte? ? Oder siegt hier auch wieder die Geldgier? Bezos könnte Trump doch noch ein paar Milliarden Dollar "spenden" und alles ist dann wieder gut!