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Amazons neue Auszahlungsrichtlinie: Händler zwischen Frust und Verzweiflung

Veröffentlicht: 11.05.2026
imgAktualisierung: 21.05.2026
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 3 Min.
11.05.2026
img 21.05.2026
ca. 3 Min.
Amazon-Seller-App
bigtunaonline / Depositphotos.com
Mit der Umstellung auf das Auszahlungssystem DD+7 erntet Amazon derzeit massiven Unmut der Händler. Viele sind verzweifelt.


Eigentlich sollte das Thema DD+7 für Amazon längst durch sein. Und eigentlich sollte es auch gar nicht so ein großes Thema sein. Denn die Basisrichtlinie „Rücklagen nach Lieferdatum“, die bereits seit 2016 (!) aktiv ist, gilt eigentlich schon immer für alle neuen Verkaufspartner:innen. 2023, also auch schon vor drei Jahren, sollte DD+7 final für alle Händler:innen ausgerollt werden. Es dauerte noch einmal bis Ende 2025 und dann, mit Übergangsfrist, schließlich bis zum 12. März dieses Jahres, bis alle Händler:innen auf DD+7 umgestellt werden.

Auch das hat nicht vollständig geklappt. Seit März warten viele Amazon-Seller auf die Umstellung, ein Großteil war offenbar am 4. Mai an der Reihe. So berichten es Dutzende Händler:innen im Sellercentral und Sellerforum – und sind in ihrer Kritik am Marktplatzriesen nicht unbedingt zimperlich.

Mangelhafte Kommunikation, einbehaltene Zahlungen

Im Sellerforum wird kritisiert, dass Amazon die Umstellung nicht kommuniziert habe. Viele Händler:innen waren überrascht, als sie plötzlich auf DD+7 umgestellt wurden. Im Sellercentral schreibt ein Händler: „Bei mir erfolgte die Umstellung völlig überraschend am 5.05., irgendwann am Nachmittag. Ich habe vorher keine aktuelle Mail bekommen (nur am 6.02. eine zur Umstellung am 5.03.), aber seit dem 5.5. steht sämtliches Geld auf ‚zurückgestellte Transaktionen‘. Ich kann keine Zahlung mehr anfordern, ‚Verfügbare Mittel‘ steht überall auf Null.“

Händler kritisieren außerdem, dass Zahlungen teilweise storniert wurden und sie nicht wissen, wann diese freigegeben werden. Für manche sei dies existenzbedrohend.

Amazon reagiert

Amazon hat bereits auf die Probleme reagiert und Auszahlungen auf Anfrage eingeführt. Damit können Händler:innen, die auf DD+7 umgestellt sind, einmal alle 24 Stunden eine Auszahlung des verfügbaren Saldos anfordern. Aber auch dabei scheint es teils große Probleme zu geben, denn Händler:innen melden, dass die verfügbaren Beträge oft sehr gering seien. Vor allem die fehlende Transparenz stößt vielen auf. Es sei oft unklar, wie viel Geld wann ausgezahlt werden kann und wie viel noch einbehalten wird.

Zur geplanten Umstellung im März hatte Amazon einige konkrete Handlungsempfehlungen gegeben, um die Umstellung zu erleichtern:

  • Versand mit lückenlosem Tracking, um das Zustelldatum zuverlässig zu dokumentieren
  • Prüfung, ob FBA für bestimmte Sortimente Vorteile bringt
  • Überarbeitung von Zahlungszielen mit Lieferanten und Anpassung der Sicherheitsbestände
  • Monitoring der Lieferperformance, um Verzögerungen frühzeitig zu erkennen

Das dürfte Händler:innen, die von der Umstellung überrascht wurden, aktuell wenig helfen.

Klar ist: DD+7 verschiebt Risiko und Vorfinanzierungslast, wie befürchtet, eher auf die Händlerseite. Die Kritik dürfte noch eine Weile anhalten.

Update: Amazon räumt technische Fehler ein

Amazon hat auf unsere Anfrage betont, dass man Anfang dieses Monats begonnen habe, „den kleinen Prozentsatz der Verkaufspartner, die noch nach einer vor 2016 geltenden Auszahlungsrichtlinie arbeiten, auf unsere derzeitige Standardpraxis umzustellen“. 95 Prozent der Händler:innen arbeiten laut Amazon bereits mit DD+7. Der Marktplatz bekräftigte auch, seine Verkaufspartner:innen „mehr als sechs Monate im Voraus informiert“ zu haben. Gleichzeitig räumte Amazon aber auch ein, dass es bei der Umstellung in Teilen zu technischen Problemen gekommen sei, die zu Verzögerungen geführt hätten. Mit den betroffenen Händler:innen habe Amazon Kontakt aufgenommen.

Artikelbild: https://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 11.05.2026
img Letzte Aktualisierung: 21.05.2026
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
9 Kommentare
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Nikolaj Schlickewitz
15.05.2026

Antworten

2 Teilauszahlungen sind mittlerweile auf dem Bankkonto angekommen, es scheint sich etwas bewegt zu haben. Fehlen nur noch 10x so viel, dann können auch wir mit DD+7 irgendwie leben :D Danke an alle, die mit uns zusammen Druck gemacht haben!
Andreas
13.05.2026

Antworten

Aussage von Amazon Support: Die 3 Wochen bis zur nächsten Auszahlung liegt an einer generellen Überprüfung verschiedenster Verkäuferkonten
Nikolaj Schlickewitz
13.05.2026

Antworten

Update zu unserem Fall: Gestern (12.05.) war der Button für die manuelle Auszahlung plötzlich aktiv, obwohl uns der deutsche Verkäuferservice am Vortag noch mitgeteilt hatte, dass man voraussichtlich bis zum 18.05.2026 warten müsse. Auf Nachfrage hieß es dann, die zuständige Abteilung habe offenbar etwas geändert, der Verkäuferservice sei darüber aber „wie üblich“ nicht informiert worden. Heute wurde die Auszahlung nun wieder storniert. Gleichzeitig wird uns plötzlich im selben Case vorgeworfen, wir hätten die weitere Verzögerung selbst verursacht, weil wir den Button geklickt haben. Einen klaren Hinweis, dass man den Button nicht drücken dürfe oder dass dadurch der automatische Auszahlungstermin verschoben wird, gab es vorher nicht. Aktueller Auszahlungstermin: 27.05. Also dann fast ein Monat ohne Auszahlungen??? Das ist aus Verkäufersicht nicht mehr nachvollziehbar. Erst wird ein Button freigeschaltet, dann wird die Auszahlung storniert, anschließend wird dem Verkäufer die Schuld gegeben. Faktisch bleibt Händlergeld dadurch weiter bei Amazon hängen. Das wirkt wie internes Chaos mit direkter Liquiditätsbelastung für Verkäufer und letztlich wie ein kostenloser Kredit zulasten der Händler.
Alexander
12.05.2026

Antworten

Noch unmöglicher wird das ganze bei Business Kunden, die bei Amazon auf Rechnung einkaufen können, dieses Geld bekommt man jetzt teilweise nach sechs Wochen, je nachdem wenn diese Kunden zahlen, wofür diese maximal 30 Tage Zeit haben. Auf der einen Seite hat man zwar die Provisionen reduziert und auch nicht ganz unerheblich, entzieht aber gleichzeitig den Händlern die Liquidität, so ganz verstehen kann man das nicht.
Arno Nym
12.05.2026

Antworten

Ich verstehe hier (genau wie bei Einbehaltungen auf anderen Plattformen) nicht, warum nicht einfach einmal zb 15% des monatlichen platform Umsatz (basierend auf dem Durchschnitt der letzten 12) einmalig hinterlegt wird und der restliche Stress entfällt dann. Ich habe bei den Vorgängen nämlich immer das Gefühl, ich muss alles doppelt kontrollieren, weil man mir komische summen überweist, die wegen der Verzögerung nicht zum aktuellen tatsächlichen Umsatz passen. Wenn ich hier lese dass AZ ja auch Kredite vergibt, ergibt das Sinn, warum keine einfache Lösung existiert - ist das defacto aber nicht der Grund, ist es einfach nur absurd. Verschwörungstheorie: AZ will kleinen Händlern das Leben schwer machen, damit diese von allein aufhören. Überzeugt mich aber gern vom Gegenteil, denn eigentlich will ich gar nicht wahr haben, dass Gier inzwischen durch reine Bosheit ersetzt wurde.
Nikolaj Schlickewitz
12.05.2026

Antworten

Erste Auszahlungen sind in einem der betroffenen Konten unserer Setup.pl-Agenturkunden heute bereits wieder möglich. Noch gestern hatte der deutsche Amazon-Verkäuferservice erklärt, man müsse voraussichtlich bis zum 18.05.2026 warten, bevor man wieder manuelle Auszahlungen vornehmen könne. Auf Nachfrage, was sich innerhalb weniger Stunden geändert habe, antwortete ein Mitarbeiter des deutschen Amazon-Supports wörtlich: „Offensichtlich haben die Kollegen der zuständigen Abteilung eine Änderung im Ablauf vorgenommen, über die wir, wie üblich, nicht informiert wurden.“ Eine bemerkenswerte Aussage angesichts der Tatsache, dass es hier um hunderttausende Euro geblockter Händlergelder und die Liquidität laufender Unternehmen alleine bei unseren Kunden geht. Für langjährige Amazon-Seller ist das dennoch kein unbekanntes Bild: Seit Jahren kritisieren wir, dass unterschiedliche Teams innerhalb des Konzerns offenbar mit widersprüchlichen Informationen arbeiten — diesmal jedoch mitten in einer hochsensiblen DD+7-Umstellung mit direkten Folgen für den Cashflow zahlreicher Verkäufer in Deutschland und Europa...
Jendris
12.05.2026

Antworten

DD+7 wird damit begründet, das evtl. Garantieanträge oder Rückforderungen abgesichert werden sollen. Das Amazon dafür den "GESAMTEN" Umsatz der ca. letzten 14 Tage einbehält ist nicht verhältnismäßig. Ein Zahlungsdienstleister darf sich gegen reale Risiken absichern — aber nicht unbegrenzt und nicht ohne angemessenen Bezug zum tatsächlichen Risiko. Wir hatten in 2025 ca. 25.000 Amazon Verkäufe. Darauf fielen 3 genehmigte Garantieanträge die in Summe 73 Euro ausmachten. Um das nun in Zukunft abzusichern, müssen wir einen 5 stelligen Eurobetrag dauerhaft und zinslos zu Verfügung stellen. Das ganze Vorgehen wird schlußendlich noch so perfide abgerundet, als dass Amazon Einladungen zu seinen 2 Kreditvermittlern verschickt, bei denen die Verkäufer sich dann das Geld zu Hochpreiszinsen bis zu 21 % zurückleihen können. Erst wird künstlich Liquidität entzogen, anschließend wird kostenpflichtige Liquidität angeboten, bei denen Amazon mit hoher Sicherheit auch noch mitverdient.
ralf
12.05.2026

Antworten

Hier sollte sich das Kartellamt das ganze mal ansehen. Es ist zwar nichts ungewöhnliches, dass Plattformen das Geld eine Zeitlang einbehalten, so ist das bei Hood z.B. auch so, aber jetzt kommen wir zum großen Unterschied. Amazon ist ja nicht nur eine Plattform, sondern praktisch auch die mächtigste Konkurrenz aller Online-Händler in Deutschland. Wenn also der größte Mitbewerber, mit der größten Marktmacht, nun seiner gesamten Konkurrenz die Liquidität entziehen darf und das ganze zinslos, gleichzeitig aber dieser das Geld gewinnbringend verzinsen kann, denn Amazon wird das Geld, ja nicht bei sich im Firmengebäude in Schubladen parken, dann hat Amazon seine Wirtschaftsmacht in einer für uns alle gefährlicheren Richtung weiter ausgebaut. Nun kann man ausrechnen, wenn Amazon den Händlerumsatz von 7 Tagen fest anlegt, einen Zinsgewinn im Jahr von 300 bis 500 Mio Euro bringt. Das ist Geld was dadurch zusätzlich den Händlern an Zinsgewinnen genommen wird. Hinzu kommt, dass viele Händler dadurch Überziehungszinsen oder Kreditzinsen bezahlen müssen, was zusätzliche Liquidität der vielen kleinen Konkurrenten von Amazon entzieht. Hier geht es nicht darum, dass eine Plattform eine Sicherheit einbehält, sondern darum, dass der größte Mitbewerber seiner Konkurrenz Liquidität entzieht und damit seinen Mitbewerber in der Handlung einschränkt und gleichzeitig mit deren Kapital sich die eigenen Taschen vollmacht. Oder anders ausgedrückt. Amazon schafft sich so einen kostenlosen Kredit in Milliardenhöhe ohne Zinsen zu bezahlen, nein sogar noch Zinsen zu bekommen. Das ist keine freie Marktwirtschaft mehr, das ist auch keine normaler Kapitalismus mehr, das ist purer Raubtierkapitalismus. Und unsere Politik schaut einfach nur weg.
Sven Schnell
11.05.2026

Antworten

Selbst dem Händlerbund, der sich bei Kritik an amazon immer seltsam vornehm zurückhält, sollte auffallen, dass amazon hier zu einem großen Teil einmal die Ware in seinem Besitz hat ( fba), einzig für die Versandleistung zuständig ist (fba) und sich die kompletten Summen ( Ware und Geld) für 7-12 Tage Umsatz einbehält. Die dafür vorgetragene Begründung trägt nicht, dafür muss man nicht übermäßig lange nachdenken.