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Amazon greift ein: Wer zu früh liefert, verliert die Kontrolle über seine Versandzeiten

Veröffentlicht: 09.06.2026
imgAktualisierung: 09.06.2026
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
09.06.2026
img 09.06.2026
ca. 2 Min.
Amazon Seller App
dimarik / Depositphotos.com
Amazon zwingt Händler ab Ende Juni dazu, ihre Bearbeitungszeiten realistisch zu hinterlegen – sonst übernimmt der Marktplatz die Kontrolle.


Ab dem 29. Juni 2026 müssen Händler:innen auf Amazon sicherstellen, dass ihre hinterlegten Bearbeitungszeiten mit der tatsächlichen Versanddauer ihrer Artikel übereinstimmen. Wer das nicht gewährleistet, riskiert, dass Amazon die Einstellungen eigenständig übernimmt. Die Regelung gilt zunächst nur für den US-Markt, wie Amazon auf Nachfrage bestätigt. Ob und wann auch deutsche Händler:innen betroffen sein könnten, ist unklar.

Änderungen bei den Versandzeiten führten in der Vergangenheit zu Kritik auf Händlerseite und auch diesmal gibt es hitzige Diskussionen in der Seller Community.

Was sich konkret ändert

Amazon gibt Händler:innen zwei Möglichkeiten, die neue Anforderung zu erfüllen: Entweder sie aktivieren die sogenannte „Automated Handling Time“ (AHT), die Bearbeitungszeiten automatisch anhand der bisherigen Versandhistorie berechnet – oder sie pflegen die Zeiten manuell in der Lagerhaltung.

Wer den manuellen Weg wählt, steht unter Beobachtung: Versendet ein Händler einen Artikel über 30 Tage hinweg mindestens einen Tag schneller als angegeben, wird der Artikel markiert. Dann hat der Händler 30 weitere Tage Zeit, die Angabe anzupassen. Tut er das nicht, übernimmt Amazon die Verwaltung und gewährt für 180 Tage Schutz vor negativen Auswirkungen auf die pünktliche Lieferrate (Late Shipment Rate).

Die Regelung gilt ausschließlich für Händler:innen mit einem professionellen Verkäuferkonto. Handgefertigte Waren sind ausgenommen, und Amazon prüft derzeit auf Grundlage von Seller-Rückmeldungen, ob auch Print-on-Demand-Artikel von der Pflicht befreit werden sollten, so Ecommercebytes.

Warum Händler ihre Bearbeitungszeiten bewusst großzügig ansetzen

Dass viele Händler:innen ihre Bearbeitungszeiten mit Puffer angeben, hat Gründe: Einerseits gilt eine frühzeitige Lieferung als positive Überraschung, während eine verspätete Lieferung Käufer:innen enttäuscht. Andererseits gibt ein Puffer Luft bei operativen Engpässen. Vor allem aber schützt er vor schlechten Bewertungen bei der On-Time Delivery Rate (OTDR) – einer Metrik, die Amazon bei Händler:innen sehr wichtig ist.

Amazon selbst argumentiert, dass genauere Lieferzeitangaben den Absatz steigern: Laut dem Unternehmen führt jeder gewonnene Tag bei der versprochenen Lieferzeit im Schnitt zu fünf Prozent mehr Umsatz.

Ungewollter Effekt: Händler wollen künftig langsamer versenden

Doch die neue Regelung könnte das Gegenteil von dem bewirken, was Amazon beabsichtigt. In einer Diskussion im Seller Central meldeten sich mehrere Händler:innen zu Wort, die ankündigten, ihr Versandverhalten anzupassen – nicht zugunsten schnellerer Lieferungen, sondern langsamerer.

Ein Händler schreibt sinngemäß, Amazon schaffe mit dieser Regelung Anreize, später zu versenden als bisher. Ein anderer erklärt, er werde seine Bearbeitungszeit künftig auf eine Woche setzen und Bestellungen grundsätzlich erst am letzten möglichen Tag versenden – da er für frühzeitiges Versenden nun quasi bestraft werde.

Ob Amazon auf dieses Feedback reagiert und die Richtlinie noch anpasst, bleibt abzuwarten. Der Stichtag für die Neuregelung ist der 29. Juni 2026.

Artikelbild: https://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 09.06.2026
img Letzte Aktualisierung: 09.06.2026
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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rsl
11.06.2026

Antworten

Da Amazon das SKU bezogen berechnet, kann man sich mit einer Änderung der SKU aus dem Zwangsverfahren befreien bis der Robot wieder vorbei kommt. Funktioniert auch bei "Gebühr zur Kostendeckung bei geringem FBA Lagerbestand" mit der z.B. Saisonware bestraft wird weil die "K"I nicht begreift, dass im April kein Halloween Kram im FBA liegen muss.
Chembaer
10.06.2026

Antworten

Wir hatten früher mal einen Tag als Bearbeitungszeit hinterlegt. Dann hatten wir ein Problem mit einer Software und konnten keine Versandbestätigungen an Amazon senden. Die Waren wurden aber pünktlich versendet und es gab auch keine Kundenbeschwerden. Trotzdem wurde unser Seller-Konto bereits nach drei Tagen von Amazon wegen der fehlenden Versandbestätigungen gesperrt. Seitdem haben wir sicherheitshalber längere Bearbeitungszeiten hinterlegt. Wie im Artikel beschrieben, werden wir dann wohl ab sofort die Bearbeitungszeiten künstlich in die Länge ziehen um zum Stichtag bereits längere Bearbeitungszeiten zu haben.
KL
10.06.2026

Antworten

Das können wir aus der eigenen Praxis zu 100 % bestätigen. Amazon macht beim Thema Lieferzeiten ohnehin, was es will. Wir beobachten seit Wochen extreme, willkürliche Sprünge: In der einen Woche wird dem Kunden eine Lieferzeit von 1–2 Tagen angezeigt, in der nächsten Woche sind es plötzlich ohne jede Änderung unsererseits 5–6 Tage. Das Erschreckende dabei: Nach unseren genauen Marktbeobachtungen betrifft dies die gesamte Riege der Mitbewerber in einer Kategorie. Amazon passt die Lieferzeiten scheinbar pauschal und flächendeckend an – völlig unabhängig davon, ob man als Händler manuelle oder die automatisierten Versandeinstellungen (SSA) nutzt. Gekrönt wird das Ganze von massiven Fehlern im Backend: Die Rate pünktlicher Lieferungen (OTDR) wird nachweislich falsch berechnet, da die angezeigten Einheiten in den Performance-Kennzahlen überhaupt nicht mit den tatsächlichen Berichten übereinstimmen. Ein von uns dazu eröffneter Fall liegt nun seit über zwei Monaten beim Support – ohne jede Klärung oder Bearbeitung. Aus unserer Sicht liegt der Verdacht nahe, dass hier – wie so oft – gezielter, unfairer Wettbewerb zulasten von FBM-Händlern (Eigenversand) betrieben wird. Indem Amazon die Lieferzeiten für Drittanbieter künstlich verlängert, verlieren diese reihenweise die BuyBox. Der lachende Dritte ist Amazon selbst oder FBA-Anbieter, die dann trotz deutlich höherer Preise die BuyBox erhalten, weil dort die "schnelle" Lieferzeit von 1–2 Tagen stehen bleibt. Ein absolutes Unding, das dringend von den Kartellbehörden geprüft gehört.
ralf
10.06.2026

Antworten

99 % der Artikel fertigen wir auf Bestellung an. Das Problem ist die Saison. Im Winter kann es vorkommen, das wir bei einer Artikelgruppe an manchen Tagen sogar nur 24 bis 48 Stunden brauchen um zu verschicken. Im späten Frühjahr, also jetzt, kann es bis zu 10 Tage dauern und selbst die können knapp werden. Die Schwankung beträgt bis zu 80 %. Wenn jetzt durch den Winter die Lieferzeit aufgrund der geringen Mengen kürzer ist und dann im Amazon nach unten anpasst und dann im Frühjahr schlagartig die tatsächliche Bearbeitungszeit sich bei uns verlängert, haben wir ein Problem. Zudem kann es immer vorkommen, das eine Maschine ausfällt und die Produktion ein bis 3 Tage still steht, auch dafür haben wir einen Puffer eingebaut. Wir wären dann wirklich gezwungen später zu verschicken, sonst könnte der Wechsel in die Hochsaison den Untergang bedeuteten. Wenn der Kunde also einen Artikel früher bzw. schneller haben möchte, muss er dann bei Ebay oder bei uns im Shop bestellen, da können wir den Artikel dann zumindest ausserhalb der 3 monatigen Hochsaison früher rausschicken. Bei Amazon müssen wir dann bis zum letztmöglichen Versandtag warten.
Sjaak
09.06.2026

Antworten

Amazon möchte, dass jeder Händler Automated Handling Time“ (AHT) nutzt. Sie können uns jedoch nicht dazu zwingen und über diesen Umweg wird letztendlich jeder Händler dazu verpflichtet, AHT zu nutzen. Sogar bei optimalen Konditionen ist es fast unmöglich, eine realistische Lieferzeit für DHL zu hinterlegen und auch up to date zu halten.