Amazon: Markenprodukten droht Verkaufsstopp – neue Pflicht für Händler

Veröffentlicht: 09.09.2025
imgAktualisierung: 09.09.2025
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 3 Min.
09.09.2025
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ca. 3 Min.
Amazon-Logo auf einer Sendung
ifeelstock / Depositphotos.com
Amazon hat offenbar viele Seller über neue Pflichten informiert. Allerdings scheint bei der Kommunikation nicht alles zu klappen.


Amazon verschärft erneut seine Richtlinien für den Verkauf bestimmter Produkte. Zahlreiche deutsche Händlerinnen und Händler des Marktplatzes wurden in den vergangenen Tagen dazu aufgefordert, in der Kategorie Markenprodukte zusätzliche Nachweise zur Lieferkette einzureichen. Die entsprechende Frist wird mit dem 17. September offenbar kurzfristig gesetzt.

Wer die Pflicht nicht einhält und die Frist verpasst, riskiert nicht nur die Deaktivierung seiner Angebote, sondern könne überdies auch keine neuen Listings für besagte Produkte mehr erstellen.

Welche Produkte sind betroffen?

Wie sich einer Diskussion im SellerCentral entnehmen lässt, wurden die Amazon-Nachrichten von verschiedenen Länderplattformen des Konzerns verschickt, etwa aus Frankreich (Amazon.fr), Italien (Amazon.it), aber auch den Niederlanden (Amazon.nl) sowie dem Vereinigten Königreich (Amazon.co.uk).

Als Produkte, die den Nachweispflichten unterliegen, werden verschiedene Marken, vor allem aus dem Tech- bzw. Elektronik-Bereich genannt, darunter Samsung, Dyson, Canon, Philips, HP, Sony, Microsoft oder auch Panasonic.

Echtheit, Lieferketten, Verstöße – darum geht es Amazon

Hinter der Nachweispflicht steht laut Amazon das Ziel, dass auf dem hauseigenen Marktplatz nur sichere und authentische Waren angeboten werden. „Wir verlangen von Verkäufern, dass sie eine nachweisbare Erfolgsbilanz hinsichtlich einer konsistenten Warenversorgung durch verifizierbare Lieferanten vorweisen können. Derzeit haben wir nicht genügend Informationen über Ihre Lieferkette, um zu bestätigen, dass Sie diese Anforderungen erfüllen“, heißt es in einer solchen Nachricht an Seller, die OHN vorliegt.

Weiterhin gebe es bei betroffenen Sellern demnach „Verdachtsmomente“, die mit Kundenbeschwerden, Fragen zur Produktechtheit bzw. potenziellen Richtlinienverstößen zusammenhängen. Wie genau diese im Einzelfall aussehen sollen, wird in der Nachricht nicht erläutert.

Das fordert Amazon

Konkret sollen Händlerinnen und Händler also nachweisen, dass sie echte Markenprodukte verkaufen, diese von berechtigten Lieferanten beziehen, eine solide Warenverfügbarkeit und in diesem Rahmen einen hohen Grad an Kundenzufriedenheit sicherstellen können.

  • Dokumentationspflicht bis 17.09.25
  • Unternehmen müssen Rechnungen ihrer Lieferanten einreichen (max. 180 Tage alt, mindestens 100 Einheiten). Nur die Preisangaben dürfen hierbei geschwärzt werden.
  • Kontaktdaten der Lieferanten: Amazon verlangt daneben auch die vollständigen Lieferantendaten (Firmenname, Adresse, E-Mail, Website).
  • Die geforderten Informationen sollen in bestimmten Dateiformaten zur Verfügung gestellt werden: Zulässig sind PDF, JPG, PNG oder GIF.
  • Übergangsfrist: Bis zum 17. September 2025 können bestehende Bestände noch verkauft werden. Danach ist ohne Freischaltung Schluss.

Die Folgen bei Nichteinreichung der geforderten Informationen sind gravierend: Angebote werden laut Amazon entfernt. Darüber hinaus müssen Lagerbestände zurückgesendet, entsorgt oder gespendet werden.

Scharfe Kritik an Amazons Vorgehen

Viele Seller reagierten im Amazon-Forum mit Unmut auf die neuen Mails und Forderungen. Dabei gibt es gleich mehrere Kritikpunkte, die aufstoßen: So würden einige der angeschriebenen Seller beispielsweise gar keine genannten Markenprodukte verkaufen und seien somit gar nicht betroffen. „Wir verkaufen keine einzige der genannten Marken“, berichtet etwa ein Händler.

Eine mangelhafte Qualitätssicherung und Professionalität in der Kommunikation wird jedoch auch mit Blick auf die Vielzahl der verschickten Nachrichten herausgestellt: „Mittlerweile haben wir ebenfalls 7 Mails mit insgesamt 10,15 Markennennungen erhalten“, schreibt ein anderer. Nicht neu ist dabei die Kritik am Kundendienst von Amazon, der bei Fragen mit unkonkreten, teils unpassenden Antworten reagieren soll.

Viele Händler gar nicht betroffen

Am Ende der aktuellen Diskussion scheint ein Seller zumindest für einige Händlerinnen und Händler für Klarheit sorgen zu können: Amazon habe demnach in der Zwischenzeit eine weitere Mitteilung versendet, in der darauf hingewiesen wird, dass viele angeschriebene Unternehmen irrtümlich angemahnt wurden.

Darin heißt es: „Wenn Sie keine Produkte mit der in den Benachrichtigungen genannten Marke verkaufen, müssen Sie keine Dokumente bereitstellen und/oder Freischaltungsanträge stellen.“, so die Meldung.

Veröffentlicht: 09.09.2025
img Letzte Aktualisierung: 09.09.2025
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
2 Kommentare
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SK
09.09.2025

Antworten

Amazon verliert immer mehr die Kontrolle über Kommunikation und Prozesse. Gleichzeitig scheint man immer mehr Wege zu suchen, um an Lieferanten und auch direkt an günstige Ware zu kommen. Die Fristen sind nicht umsonst so kurz gehalten und die Remissionskosten extrem hoch.... Ein Schelm, wer Böses denkt... Es würde mal Zeit, endlich eine Institution zu haben, die bei vielen unrechtmäßigen Aktionen amazons einschreitet. Einzelne Händler können dies nicht, man weiß inzwischen wie so etwas endet. Der Händlerbund könnte, will aber anscheinend nicht, um es sich nicht zu verscherzen. Die Aufsichtsbehörden sind zu langsam. Schade eigentlich.
KI
09.09.2025

Antworten

Meinung: Das fordert Amazon - das fordert Trump - das fordern die USA - und am Ende geht alles nach hinten los! Wie immer bei Amazon. Das System Amazon wird wieder sehr vielen Händlern schaden!