Amazon wird – nach eigenen Aussagen – selten genutzte oder nicht relevante Variantendesigns aus den Produktvorlagen entfernen. Das hat der Online-Marktplatz im SellerCentral offiziell angekündigt. Auf eine längere Vorlaufzeit können Händlerinnen und Händler dabei nicht hoffen: In einem Zeitraum zwischen dem 2. September und dem 30. November 2025 soll die Umstellung erfolgen. Begründet wird der Schritt mit dem Ziel, die Erstellung von Angeboten zur vereinfachen.
Bereits jetzt seien die betroffenen Designs mit dem Hinweis „Abgelaufen: Nicht verwenden“ gekennzeichnet. „Wenn Sie versuchen, ein Angebot mit einem veralteten Variantendesign zu aktualisieren, erhalten Sie die Fehlermeldung „Der angegebene Wert ist ungültig“, sodass die Aktualisierung nicht durchgeführt werden kann.
Das rät Amazon den Sellern
Im Zuge der Anpassung stellt Amazon seinen Marktplatz-Sellern eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Verfügung, wie diese ASINs mit betroffenen Variantendesigns aktualisieren können:
- Im Bereich „Lagerbestand verwalten“ empfiehlt Amazon die Löschung der übergeordneten ASIN.
- In den untergeordneten ASINs, die mit den entsprechenden übergeordneten ASINs verknüpft waren, sollen Seller folgende Attribute entfernen: Variantenbestandteil, untergeordneter Beziehungstyp, übergeordnete SKU und Name des Variantendesigns.
- Nun soll eine neue übergeordnete ASIN erstellt werden – mithilfe eines verfügbaren Variantendesigns.
- Der neuen übergeordneten ASIN sollen schließlich die relevanten untergeordneten ASINs zugeordnet werden.
In Fällen, in denen betroffene Variantendesigns nicht mehr zur Verfügung stehen, aber auch nicht aktualisiert werden können, sollen die untergeordneten ASINs der Seller als eigenständige Angebote aktiv bleiben und somit auch weiterhin zum Kauf zur Verfügung stehen, heißt es laut Amazon weiter. Eine vollständige Liste der betroffenen Variantendesigns, die gelöscht werden, stellt Amazon über einen Link in der SellerCentral-Nachricht zur Verfügung.
Kritik: Auch gängige Designs seien betroffen
Dass Neuerungen auf Amazons Marktplatz teils für Unmut unter den Sellern sorgen, ist nicht selten und scheint auch in diesem Fall zuzutreffen. „Habt Ihr nichts Wichtigeres zu tun, als Attribute zu entfernen? Einem Übel folgt direkt das nächste“, schreibt ein User in einer ersten Reaktion auf die Ankündigung in Deutschland.
Auch stellt ein Händler fest, dass einige der betroffenen Variantendesigns keineswegs umgenutzt oder irrelevant seien: „Ihr wollte doch wohl nicht wirklich gängige Variantendesigns wie ,COLOR_NAME/SIZE_NAME‘ kicken? Das haben wir min. bei 70 % unserer Listings im Einsatz!“, so ein Kommentar. Auch andere Nutzer schließen sich dieser Einschätzung an: „Also bei uns sind auch die meisten Produkte betroffen. Vor allem size_name/color_name. Kann mir nicht vorstellen, dass das nicht relevant oder wenig genutzt sein soll.“
Amazon-Kommunikation als „absolutes Desaster“
Für ein noch breiteres Echo hat die Nachricht bislang schon in den USA gesorgt, wo die Anpassung ebenfalls vorgenommen wird. In einem kritischen Kommentar werden beispielsweise nicht nur die fehlende Vorbereitungszeit für Händlerinnen und Händler und die Kommunikation von Amazon moniert. Auch der Zeitpunkt der Umstellung – kurz vor dem Weihnachtsgeschäft – sowie potenzielle Folgen für die Listung und Sichtbarkeit von Angeboten werden infrage gestellt.
„Diese Kommunikation ist ein absolutes Desaster, da es nicht einmal annähernd genug Vorlaufzeit für die einzelnen Marken gibt, um sich anzupassen, und es an Details mangelt. Das wird die Bekleidungsverkäufe im vierten Quartal zerstören, seinen eigentlichen Zweck verfehlen und die Suchseiten mit Millionen von nicht erreichbaren untergeordneten Angeboten überladen und die Support-Teams mit Millionen von Fällen überfordern“, heißt es da. Und weiter: „Warum um Himmels Willen hat irgendjemand das überhaupt für eine gute Idee gehalten, und warum wurde angenommen, dass buchstäblich jeder Verkäufer auf Amazon alle seine Varianten innerhalb von nur 10 Werktagen aktualisieren kann?“
Abstrafung durch den Algorithmus befürchtet
Darüber hinaus gibt es auch Kritik an der vorgeschlagenen Vorgehensweise, wie sich aus folgendem Kommentar ablesen lässt: „Bei allem Respekt: Der Rat, übergeordnete Elemente zu löschen und neu zu erstellen, hätte für Verkäufer wahrscheinlich verheerende Folgen.“ Konkret wird befürchtet, dass diese Vorgehensweise den Algorithmus dazu veranlassen könnte, „Verkäuferangebote wegen Variationsmissbrauchs zu kennzeichnen“. Dies sei auch in der Vergangenheit ein Problem gewesen, das häufig aufgetreten sei. „Natürlich könnten Händler die Angebote nach einigen Tagen bis Wochen mit Umsatzeinbußen und verlorenen Stunden wiederherstellen.“
Ob es sich bei der Kritik um berechtigte Sorgen der Seller handelt und inwieweit sich die Umstellung am Ende tatsächlich auf Listings, Sichtbarkeiten und Co. auswirken, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen zeigen.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
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