Amazon-Händler scheuen grenzüberschreitenden Handel

Veröffentlicht: 04.04.2025
imgAktualisierung: 04.04.2025
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 2 Min.
04.04.2025
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ca. 2 Min.
Paket des Online-Riesen Amazon mit dem bekannten Lächeln
akulamatiau / Depositphotos.com
Laut einer neuen Analyse aus der Branche zeigen sich Amazon-Seller wenig offen für die Internationalisierung.


Eigentlich macht es Amazon seinen Marktplatzpartnern vergleichsweise einfach, in den internationalen Handel einzusteigen. Mit hauseigenen Services rund um Lagerung, Versand, Listings und Co. sollen Seller dazu animiert werden, nicht nur in ihren Heimatmärkten aktiv zu sein, sondern ihre Produkte auch auf den zahlreichen Länderplattformen rund um den Globus anzubieten. Insgesamt 23 aktive Online-Marktplätze bietet Amazon derzeit an. Doch trotz entsprechender Services und Möglichkeiten scheinen sich viele Unternehmen nicht locken zu lassen.

Analyse aus den USA: In so viele Märkte expandieren Amazon-Seller

Mithilfe einer neuen Studie will der Branchenspezialist Marketplace Pulse ermittelt haben, dass sieben von zehn der Amazon-Seller (69 Prozent) nur auf jeweils einem Marktplatz des Konzerns verkaufen. „Selbst unter den ambitionierteren Verkäufern haben nur 6 Prozent ihre Präsenz auf sechs oder mehr Marktplätze ausgeweitet“, schreibt das Unternehmen.

Wie groß die Ablehnung oder zumindest die Vorbehalte gegen den grenzüberschreitenden Handel mithilfe der Amazon-Plattformen tatsächlich ist, offenbart noch eine weitere Zahl. Von einer wirklichen globalen Aktivität in elf oder mehr Ländern kann demnach nur ein verschwindend geringer Anteil an Amazon-Händlerinnen und -Händlern sprechen: Der Wert liegt bei weniger als einem Prozent. 

Die Zahlen, die sich laut Marketplace Pulse auf US-amerikanische Seller beziehen, wurden in einer übersichtlichen Grafik zusammengefasst:

Grafik der Marketplace-Pulse-Auswertung

Wenn überhaupt, wird meist in nahe Märkte expandiert

Entscheiden sich Marktplatzpartner dazu, auch international tätig zu werden, ist ihnen offenbar dennoch eine Nähe zum Heimatmarkt wichtig, wie weitere Details zeigen: „Während 12 Prozent bereits nach Kanada und 5 Prozent nach Mexiko expandiert haben, wagen nur wenige den Sprung über die Ozeane in Märkte wie Japan, Deutschland oder Großbritannien.“ Außerhalb nordamerikanischer Märkte verkaufe weniger als ein Prozent der amerikanischen Händler.

Wie begründet sich die Scheu vor der Expansion?

Auf die Frage, warum sich US-Seller eher selten aus den eigenen Gefilden herauswagen, gibt es verschiedene Antworten. Eine liegt etwa in der regulatorischen Komplexität anderer Märkte begründet. Bestes Beispiel ist wohl Europa, wo sich Unternehmen mit zahlreichen gesetzlichen Vorgaben und diversen Mehrwertsteuer-Berichtsstrukturen auseinandersetzen müssen. Neben den Gegebenheiten rund um den Brexit schaffen insbesondere auch die neuen Regelungen zur Produktsicherheitsverordnung (GPSR) teils umfängliche Hürden.

Daneben dürfte laut den Spezialisten allerdings auch die Marktgröße der USA eine durchaus entscheidende Rolle spielen: „Webdaten zeigen, dass der Datenverkehr der 22 nicht-amerikanischen Amazon-Marktplätze zusammen nur geringfügig höher ist als der von Amazon.com in den USA. Betrachten Verkäufer die potenziellen Erträge im Verhältnis zum Expansionsaufwand, kommen viele zu dem Schluss, dass allein der US-Markt ausreichend Möglichkeiten bietet“, heißt es weiter.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 04.04.2025
img Letzte Aktualisierung: 04.04.2025
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
4 Kommentare
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roland.baer@yahoo.de
08.04.2025

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wenn ich u. a für Auslandsmärkte einen "Verpackungsbeauftragten" brauche, der völlig sinnfrei ist und nur zum Abkassieren da ist, ist z. B. der Versand in Länder wie Austria nicht profitabel!
Onlinehändler
08.04.2025

Antworten

Die Versanddienstleister schaffen sich Systeme, in denen am Ende der Händler gegenüber dem Marktplatz für die Unzulänglichkeiten des Paketdienstes verantwortlich gemacht wird (verspäteter Erstscan, verspätete Lieferung, Abholung an Station obwohl Kunde zuhause, Sendung verloren ...). Wir als kleiner Händler, können problemlos in viele Länder liefern und die Ware am selben Tag auf den Weg bringen. Abgestraft durch schlechte Performancewerte, werden wir dann in der Regel nur durch o. g. Gründe. Und wenn man als Händler in einem neuen Markt startet und auf 10 Bestellungen gibt es ein problem, dann sind das 10%.
anja
07.04.2025

Antworten

ich habe mal erfolgreich jahrelang weltweit gehandelt, aber seit die EU immer härtere auflagen und kosten auf diesen handel draufgepackt und diesen teilweise unmöglich gemacht hat, mußte ich meine kunden jenseits der eigenen landesgrenzen leider aufgeben. es WURDE international viel gehandelt bis die EU das alles regelrecht "zerhackt" hat. die händler scheuen nicht, sie werden gezwungen !
Robert
07.04.2025

Antworten

Anfangs haben wir das gesamte Länderportfolio über Amazon genutzt und unsere Produkte europaweit angeboten. Doch durch die zunehmende Bürokratie und zusätzliche Auflagen – wie etwa die unterschiedlichen Verpackungsregister in den einzelnen EU-Staaten – sahen wir uns gezwungen, den Vertrieb auf Deutschland zu beschränken. Solange es Händlern derart erschwert wird, grenzüberschreitend zu verkaufen, wird sich an dieser Situation kaum etwas ändern.