Änderungen bei Auszahlungen: Amazon verschiebt Zahlungsrisiko auf Händler

Veröffentlicht: 17.02.2026
imgAktualisierung: 17.02.2026
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
17.02.2026
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Amazon Seller App
dennizn / Depositphotos.com
Amazon stellt auf DD+7 um. Auszahlungen erfolgen erst sieben Tage nach Zustellung – Händler müssen ihre Liquiditätsplanung anpassen.


Ab dem 5. März 2026 stellt Amazon weltweit auf die Auszahlungsrichtlinie DD+7 um. Konkret bedeutet DD+7: Geld wird erst sieben Tage nach bestätigter Zustellung bei getrackten Sendungen und sieben Tage nach dem geschätzten Zustelltermin bei ungetrackten Sendungen freigegeben. In der Praxis verlängert sich der Zeitraum bis zum Zahlungseingang häufig auf 8 bis 9 Tage, weil zusätzlich die Versand- und Zustellzeit zu berücksichtigen ist. Eigentlich sollte die neue Richtlinie bereits im vergangenen September greifen, doch kurz vor knapp gewährte Amazon eine weitere Übergangsfrist. In Deutschland ist es am 12. März so weit.

Händler müssen reagieren

Mit DD+7 vereinheitlicht Amazon das Auszahlungsmodell für Marketplace-Händler. Praktisch bedeutet das: Zwischen Versand, Zustellung und tatsächlicher Auszahlung entsteht eine zusätzliche Zeitspanne, die je nach Versandart, Lieferstrecke und Tracking-Qualität variiert. Besonders bei längeren Lieferzeiten, internationalen Sendungen oder unvorhergesehenen Verzögerungen dürfte die neue Richtlinie spürbare Auswirkungen haben. Händler sollten deshalb ihre Liquiditätsplanung anpassen, etwa durch höhere Betriebsmittelreserven oder optimierte Bestell- und Lagerzyklen.

FBA begünstigt?

Händler sind gespalten. Viele fürchten Auszahlungsprobleme und kämpfen mit der Umstellung auf verzögerte Auszahlungen. Andere begrüßen aber klarere Strukturen. Ein wiederkehrender Punkt: Die Regelung könnte FBA begünstigen, da Zustellungen dort typischerweise schneller und zuverlässiger bestätigt werden. Bei FBM befürchten einige Händler eine strukturelle Verzögerung von Auszahlungen, wenn bei nicht zugestellten Paketen ohne aktives Tracking länger unklar ist, wo sie abgeblieben sind.

Amazon rät, die eigene Liquidität zu prüfen und mögliche Engpässe rund um die Umstellung einzuplanen. Konkret sinnvoll sind demnach:

  • Versand mit lückenlosem Tracking, um das Zustelldatum zuverlässig zu dokumentieren
  • Prüfung, ob FBA für bestimmte Sortimente Vorteile bringt
  • Überarbeitung von Zahlungszielen mit Lieferanten und Anpassung der Sicherheitsbestände
  • Monitoring der Lieferperformance, um Verzögerungen frühzeitig zu erkennen

Unterm Strich verschiebt DD+7 das Risiko und die Vorfinanzierungslast stärker auf die Händlerseite, so ChannelX.

Veröffentlicht: 17.02.2026
img Letzte Aktualisierung: 17.02.2026
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
11 Kommentare
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SK
21.02.2026

Antworten

Leider haben die Interessensvertretungen hier lange Zeit gepennt und sind nicht eingeschritten. Abgesehen von einer möglicherweise unzulässigen Einbehaltung stellt sich, auch für das Kartellamt, die Frage, warum dabei nicht berücksichtigt wird, dass amazon im Falle von fba, ebenfalls Ware vom Händler in Besitz hat. Was bekommt der Händler dafür als Sicherheit? Zudem wären Rücklagen für Ware, die amazon per fba an die Kunden schickt, kaum die gleichen "Befürchtungen", die amazon bei selbstversendenden Händlern hat, anzunehmen. Amazon entwickelt sich immer mehr zu einem autoritären Marktteilnehmer, der inzwischen unverhohlen täglich droht, erpresst und die gesetzlichen Regeln in einem dementen System ignoriert und außer Kontrolle gerät. Man kann den Aufsichtsbehörden nur raten, mal bei ein paar Händlern ein paar Tage vorbeizuschauen und sich die Realität anzusehen.
Sascha R.
19.02.2026

Antworten

Frage: Was passiert wenn die Bestellung zwar ein Tracking hat, laut Tracking auch versendet wurde aber die Sendung nie als Zugestellt markiert wird. Könnte bei technischen Problemen vorkommen oder der Postbote bei Auslieferung vergisst zu scannen. Gibt es dann eine verzögerte Zahlung oder gar keine?
cf
19.02.2026

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Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass die EU dringend eine Verordnung für die Regelung von Händlerkrediten an andere Unternehmen und Kunden herausgeben sollte. Es kann doch nicht sein, dass wir Händler Kredite ohne korrekte Belehrungen und zu Dumpingpreisen (zinslos an amazon) vergeben - ganz ohne AGB und Belehrung durch die Kreditgeber... Sowas nächlässiges :-) #HaveFun
Frank
18.02.2026

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Bei mir erfolgte die Umstellung bereits im 3. Quartals 2024. Ich habe es dann einige Wochen laufen lassen um zu sehen wie es funktioniert. Die Auszahlungen kamen nach 10-14 Tagen. Nach gut 3 Monaten war ein kleiner 5stelliger Betrag durch Amazon “eingefroren” und ich hatte inzwischen Probleme meinen eigenen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die anderen Verkaufsplattformen konnten den Zahlungsverzug nur zum Teil ausgleichen. Das kann man auf Dauer, als kleines Unternehmen, nicht mehr tragen. Da die Verkaufszahlen und auch das ganze drumherum bei Amazon nachgelassen hatten, habe ich dann Ende 24 den Verkauf, nach gut 8 Jahren, auf Amazon eingestellt. Und heute über 1 Jahr später war diese Entscheidung für mich genau richtig, so wie sich Amazon inzwischen entwickelt hat.
Robert P.
18.02.2026

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Wie mein Namensvetter bereits geschrieben hat, ist bei uns auch DD+7 seit längerer Zeit aktiv. Ja, ärgerlich ist es, dass man sich nicht dagegen wehren kann, genauso wenig wie bei den Zahlungen auf Rechnung (teilweise ja 6 Wochen zzgl. die Tage bis zum Auszahlungstag - wenn nicht grade täglich eingestellt ist). Letztendlich vergeben wir damit kostenlose Kredite, egal ob an den Kunden und Kundinnen, oder - im Fall von DD+7 - an Amazon. Zumindest waren wir am Anfang recht überrascht, dass es eigentlich mit DD+7 recht gut funktioniert hat. Zur Kontrolle haben wir uns eine Tabelle mit verschiedenen Daten erstellt, unter anderen auch der Zustelltermin (Tag + Uhrzeit). Die Freigabe (sichtbar in der Transaktionsansicht) vom Guthaben war dann auch anfangs DD+7 zzgl. ca. 10-15 Minuten, also wirklich zeitnah. Nach einiger Zeit war das dann aber auch wieder Geschichte. Mittlerweile kommen die Freigaben überwiegend erst am frühen Morgen des Folgetages, zumindest bei den regulären Paketen. Da wir aber manchmal auch die Briefpost (Einschreiben) nutzen, passt DD+7 nicht mehr, obwohl auch dort zumindest der Zustelltag korrekt auf Amazon angezeigt wird. Hier schwanken die Freigaben teilweise erheblich zwischen 9 - 14 Tagen. Hier hält sich also Amazon weder an die Zustelldaten, noch an seine eigenen Schätzungen zu den Freigaben. Für mich ist es eh fraglich, ob ein Marktplatz - in diesem Fall Amazon - solche einseitigen Regeln überhaupt umsetzen kann (siehe z.B. aktuell Werbung bei Prime Abos). Für mich wäre das z.B. ungefähr vergleichbar mit einem Mietsvertrag (Wohnung), man kann zwar so einiges reinschreiben und sich von Mietern auch unterschreiben lassen, aber das bedeutet noch lange nicht das es auch rechtlich bindend ist. Sicher, man kann jetzt auch argumentieren, dass man ja nicht auf Amazon verkaufen muss, aber bei der Marktrelevanz von Amazon zieht dieses Argument in meinen Augen nicht mehr. Letztendlich ist das DD+7 ja auch nur ein weiteres Beispiel dafür, dass Amazon zu viele einseitige Regeln aufstellt, oder einseitig in die hinterlegen Daten und Einstellungen der Verkäufer eingreift. Händler und Händlerinnen die auf Amazon tätig sind, wissen vermutlich genau welche Dinge meine letzte Bemerkung ansprechen. Viele Grüße, Robert
ralf
18.02.2026

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Wie sieht das Wettbewerbsrechtlich aus. Amazon ist ja nicht nur eine Plattform, sondern auch Mitbewerber. Ein Mitbewerber kontrolliert und bestimmt also über das Geld der gesamten Konkurrenz und kann damit zinstechnsich arbeiten ohne eine Zinsentschädigung zu zahlen. Nicht nur, dass Amazon seine eigene Liquidität erhöht, sondern auch gleichzeitig die Liquidität der Mitbewerber senkt und sich somit einen Wetttbewerbsvorteil verschafft. Wir kann so was in Deutschland und Europa überhaupt möglich sein? Bei z.B. Ebay, also eine Plattform die selber keine Konkurrenz zu den dort verkaufenden Händlern ist, wäre so etwas noch ok. Aber wenn ich selber ein Mitbewerber bin, gegenüber die, deren Geld ich verwalte, halte ich für sehr kritisch und vor allem bedenklich.
cf
19.02.2026
Es schmerzt mich etwas das zu sagen, aber: Daran, dass es eine derart hohe Abhängigkeit von amazon gibt, sind wohl alle teilnehmenden Händler selber ein wenig schuld... Jeder einzelne Händler der sich darauf beruft, dass ohne amazon nichts geht, verstärkt selber genau den Effekt, dass tatsächlich bei vielen ohne amazon nichts mehr geht.... In einem anderen Beitrag ist ja schon angegeben, dass es bei amazon immer weniger Händler werden. Wenn da mal ein Effekt eintritt, dass viele große Händler gleichzeitig den Marktplatz verlassen, dann finden die Kunden die gewünschten Produkte nicht mehr und suchen wieder in den normalen Onlineshops.
Min
18.02.2026

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Unmöglich - wir schaffen es nicht 14-50 Tage Business Kunden plus DD7 Kredite an Amazon zu geben…. Insolvenz Antrag folgt wohl bald …..
Robert
18.02.2026

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Bei mir sowie bei anderen mir bekannten Händlern greift DD+7 bereits seit längerer Zeit. Insofern erfolgt durch Amazon nun im Wesentlichen eine Vereinheitlichung dieser Regelung für alle Verkäufer. Vergleichbare Mechanismen sind auch von PayPal bekannt, wo ebenfalls ein Teil der Umsätze als Rücklage einbehalten wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dies durchaus zu Herausforderungen führen kann – insbesondere dann, wenn feste Zahlungsziele gegenüber Lieferanten einzuhalten sind. Die Liquiditätsplanung wird dadurch spürbar erschwert. Ähnlich verhält es sich bei der Vorsteuer: Steht eine Erstattung durch das Finanzamt an, kann sich die Auszahlung über mehrere Wochen hinziehen. Umgekehrt sind fällige Steuerbeträge selbstverständlich fristgerecht zu entrichten. Dieses Ungleichgewicht verstärkt die finanzielle Belastung zusätzlich. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die Liquiditätsanforderungen für Händler kontinuierlich steigen und der unternehmerische Handlungsspielraum dadurch zunehmend eingeschränkt wird. Auf der anderen Seite kann eine solche Regelung jedoch auch dazu beitragen, dass sich Anbieter vom Markt zurückziehen, die nicht nachhaltig kalkulieren oder das Geschäft lediglich nebenbei betreiben. Langfristig könnte dies zu einer gewissen Marktbereinigung führen. In der Folge wären stabilere Strukturen, ein höheres Maß an Professionalität und letztlich fairer kalkulierte Preise denkbar, da weniger Preisdumping betrieben wird.
Michael
18.02.2026

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Super wieder jemand der mit unseren Geldern arbeitet und wir haben das Nachsehen. Toll Liquidität anpassen in den Zeiten
cf
18.02.2026

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Moin, interessant formuliert. Anstatt "Amazon rät, die eigene Liquidität zu prüfen und mögliche Engpässe rund um die Umstellung einzuplanen" könnte man auch schreiben "Amazon hat die eigene Liquidität geprüfen und seine Engpässe durch kostenlose Händerkredite verbessert". Ist halt eine Frage des Betrachtungswinkels und der Formulierung...