Amazon setzt eigene Marken auf Top-Position

Veröffentlicht: 08.06.2020
imgAktualisierung: 08.06.2020
Geschrieben von: Markus Gärtner
Lesezeit: ca. 2 Min.
08.06.2020
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Amazon Basics
Vadim_Ungureanu / shutterstock.com 
Amazon setzt jetzt vieler seiner Eigenmarken an die Spitze der Such-Ergebnisse – was steckt hinter der neuen Strategie?


Amazon macht seine eigenen Produkte besser auffindbar und verschafft seinen Eigenmarken in der Coronapandemie einen Vorteil – zu Lasten der Drittanbieter. 

Eigentlich sollen die Top-Ergebnisse der Amazon-Suchen aus einer Mischung der besten von den Algorithmen bestimmten Artikeln und Anzeigen bestehen. Doch Amazon rückt seine Eigenmarken immer weiter in den Vordergrund und platziert diese auf den Top-Positionen, berichtet Pro Publica.

Darum setzt Amazon seine Eigenmarken an die Spitze

Demnach wird bei einer Artikelsuche immer häufiger eine Amazon-Handelsmarke unter dem Label „featured from our brands“ in den Ergebnissen ganz oben links angezeigt. Amazon hat diese Änderung seiner Strategie – die nur zufällig in die Phase der Coronakrise fallen soll – bestätigt. „Wie alle Einzelhändler trifft Amazon regelmäßig Entscheidungen darüber, wie der Platz in unserem Onlineshop genutzt werden soll, basierend auf einer Vielzahl von Faktoren, die sich darauf konzentrieren, was die Kunden am hilfreichsten finden“, erklärte ein Sprecher. Amazons neue Top-Platzierung wurde unter anderem bei Produkten wie Windeln, Kopierpapier, Kinderpyjamas, Matratzen, Backmischungen und Glühbirnen nachgewiesen. Amazons Begründung: „Die Eigenmarkenprodukte von Amazon haben im Durchschnitt höhere Kundenbewertungen, niedrigere Rückgaberaten und höhere Wiederholungskaufraten als andere vergleichbare Marken im Amazon-Shop“.

Amazon verzichtet damit einerseits auf mögliche Werbe-Einnahmen, die durch ansonsten dort platzierte Sponsored Products hereinkommen würden, und spekuliert auf größere Umsätze und Margen seiner Eigenmarken. Gerade in der Phase der Coronakrise waren die E-Commerce-Umsätze für viele Produkte angestiegen. Die neue Strategie sei jedoch seit Monaten geplant gewesen, so der Amazon-Sprecher. 

„Bösartiger Schachzug“ und „Manipulation“ – das sagen Experten zur Amazon-Strategie

Händler und Experten kritisieren die Maßnahme. Der Berater Tim Hughes, der früher selbst bei Amazon war, meint: „Warum sollte ihre Marke eine bessere Option für die Verbraucher sein? (...) Dies ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass Amazon in der Lage ist, die Plattform zu seinem eigenen Vorteil zu manipulieren.“ Der US-Jura-Professor Christopher Sagers sieht in Amazons neuer Praktik sogar mögliche Probleme mit dem US-Kartellrecht. „Wenn ich ihr Anwalt wäre, würde mich das auf jeden Fall nervös machen“, sagte Sagers. „Es ist schwer zu erklären, dass diese geschwindelten Suchergebnisse als etwas anderes als ein bösartiger, wettbewerbswidriger Schachzug angesehen werden können.“

Amazon hat laut Coresight Research rund 45 Eigenmarken und verkauft darüber rund 243.000 eigene Produkte. Bisher mache das Eigenmarkengeschäft aber erst ein Prozent des Einzelhandelsumsatzes aus. Die Debatte um Amazons Umgang mit Eigenmarken ist ein Dauerkonflikt zwischen Marktplatz-Händlern und Amazon. Jeff Bezos persönlich soll vor einem US-Untersuchungsausschuss aussagen.

Veröffentlicht: 08.06.2020
img Letzte Aktualisierung: 08.06.2020
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Markus Gärtner

KOMMENTARE
5 Kommentare
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Robert Bergmann
13.06.2020

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Ich finde es gut, dass ihr darüber berichtet, ja! Aber warum belasst ihr es dabei? Ihr habt eine solche große community, warum wenden ihr euch nicht direkt an die zuständigen Behörden??? Warum nutzt ihr eure Macht nicht?
Thomas123
12.06.2020

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Ich finde das okay. Wieso sollte Amazon nicht seine Eigenmarken ganz oben positionieren, wenn sie gut laufen? Würde jeder andere auch so machen.
Günter Schmidt
10.06.2020

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Ist das etwas Neues? Das ist doch die ganz normale Amazon Firmenstrategie.
Die Händler dürfen ausprobieren ob ein Artikel läuft und wenn er gut läuft, dann übernimmt Amazon und listet sich logischerweise immer ganz vorne.
Warum verkaufen die Händler auf Amazon?

Wenn die Händler sich tatsächlich abmelden würden, wäre es mit dem Quasimonopol bald vorbei.

MfG
anja
09.06.2020

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wer als händler auf amazon verkauft, ist ohnehin nicht mehr zu retten und gilt auch bald für ebay. wer sich als arbeitssklave in einer scheinselbständ igkeit ausbeuten läßt, soll dort rausgehen oder muß damit leben.
neal
09.06.2020

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wieder mal sieht man das amazon übermächtigt geworden ist