Bis zu 2.000 Euro Versandkosten: Amazon-Händler nutzen Nachfrage von Winterartikeln schamlos aus

Veröffentlicht: 09.02.2026
imgAktualisierung: 09.02.2026
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
09.02.2026
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ca. 2 Min.
Auto im Winter auf schneebedeckter Straße
Canetti/ Depositphotos.com
Bei Amazon sorgen Händler mit horrenden Versandkosten und unrealistischen Lieferzusagen für Empörung. Kunden fordern Konsequenzen.


Auf Amazons Marktplatz häufen sich Berichte über Händler, die Kunden mit überhöhten Versandkosten und nicht eingehaltenen Lieferterminen verärgern. Ein besonders krasser Fall hat dabei für Aufsehen gesorgt: Ein Händler verlangte für Schuh-Spikes im Wert von 11 Euro 2.000 Euro Versandkosten, wenn die Lieferung bereits am nächsten Tag erfolgen sollte.

Wie Recherchen von Golem zeigen, handelt es sich dabei keineswegs um einen Einzelfall. Händler nutzen derzeit vermehrt ähnliche Methoden, um die saisonalen Gegebenheiten auszunutzen. Im Fokus der Recherche stehen Produkte wie Schuh-Spikes oder Streusalz – also solche Waren, die in diesem Winter besonders nachgefragt und zeitnah benötigt werden. Die hohen Versandkosten fallen zunächst nicht auf, weil sie erst beim Check-out angezeigt werden, wenn Kunden ein Wunsch-Lieferdatum angeben.

Die Shops verschicken nicht via Amazon, sondern wickeln den Versand selbst ab. Während der Marketplace-Händler, der 2.000 Euro Versandkosten verlangte, offenbar gesperrt wurde, finden sich laut Golem auch weiterhin Anbieter, die bis zu 200 Euro für schnellen Versand fordern.

Garantiertes Lieferdatum? Von wegen!

Neben horrenden Versandgebühren fallen weitere Händler damit auf, dass sie garantierte Lieferdaten nicht einhalten. Diverse Händler von Schuh-Spikes haben in den vergangenen Wochen Beschwerden von Kunden gesammelt, denen Produkte nicht zum angegebenen Datum zugesandt wurden. Das bestätigt eine Stichprobe von Golem.

Betroffene Kunden kritisieren dabei nicht nur die Händler, sondern auch Amazon selbst. Der Konzern schreitet bislang offenkundig kaum ein, sperrt Händler erst nach Hinweis oder lässt sie weiter gewähren.

Amazon lässt dazu über eine Sprecherin mitteilen: „Wir haben klare Richtlinien, die es Verkäufern verbieten, überhöhte Versandgebühren zu verlangen oder Lieferzeiten falsch darzustellen. Wenn wir feststellen, dass Verkäufer gegen diese Richtlinien verstoßen, ergreifen wir umgehend Maßnahmen, die den Entzug der Verkaufsberechtigung und die Schließung von Konten beinhalten können. In diesem Fall haben wir die gemeldeten Konten untersucht, Richtlinienverstöße festgestellt und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Wir setzen ausgefeilte Erkennungssysteme ein, um Missbrauch zu identifizieren, und wenn Akteure mit schlechten Absichten versuchen, unsere Kontrollen zu umgehen, verbessern wir unsere Technologie kontinuierlich und ergreifen Maßnahmen zum Schutz der Kundinnen und Kunden.“

Veröffentlicht: 09.02.2026
img Letzte Aktualisierung: 09.02.2026
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
6 Kommentare
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Frank Pagenkemper
17.02.2026

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Ich kann mir das Grinsen einfach nicht verkneifen. Solche Praktiken gehören sich natürlich nicht. Aber ist nicht eine Ursache, dass so von Endverbrauchern bestellt wird, dass wir eine mimimi Gesellschaft geworden sind. Beginnt das nicht schon bei den Helikopter Eltern, die ihre Kinder in die Schule bringen. Fängt da nicht schon der Prozess der Erziehung zur Unselbständigkeit an? Und wenn dann doch etwas schief geht, sind es immer die anderen? Und was die Lieferzeitversprechen angeht, macht das Amazon nicht selber so? Bei der Bestellung heißt es gleich morgen, doch im Laufe des Bestellprozess wird die Lieferzeit immer länger. Aber was soll's. Ich bin noch vom alten Schlag und kenne die Vorzüge der nicht digitalen Welt. Und auch zu meinen jungen Jahren gab es eine Sendung die Vorsicht Falle hieß. Aber mal Hand aufs Herz, und das gilt für Verkäufer wie für Käufer. Einfach mal lesen was man da macht. Es ist die Dummheit der Menschen die Bürokratie schafft und Schilderwälder verursacht. Wer den Kopf nur hat damit es nicht reinregnet wird auch durch noch soviele Regeln nicht zu schützen sein. Und das war immer schon so.
DF
11.02.2026

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Ich verstehe die Kommentare und stimme grundsätzlich zu: kein Kunde sollte derart unaufmerksam sein. Aber ganz ehrlich: Wie schamlos muss man sein, ganz offensichtlich die Dummheit, Unerfahrenheit oder auch nur Unaufmerksamkeit von Kunden auszunutzen. Liebe Leute, das macht man nicht. Punkt!
Peter
10.02.2026

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Also wer bei 2000 Euro Versandkosten bestellt, hat sicher ganz andere Probleme
Sjaak
10.02.2026

Antworten

Heutzutage muss jeder Kunde an die Hand genommen werden, bevor er bestellt? Wenn der Kunde Pech beim Denken hat und nicht lesen kann, dann soll die Verantwortung auf den Händler übergehen? Keiner übernimmt mehr Verantwortung für sein Handeln. Wenn man nicht aufgepasst hat, stehe zu deinen eigenen Fehlern und löse es (Widerruf). Klar sind 2000 € Versandkosten absurd viel, aber du wirst nicht gezwungen, da zu kaufen. Wer lesen kann und mal 0,5 Sekunden sein Hirn einschaltet, bevor der Kaufbutton betätigt wird, der ist klar im Vorteil.
ralf
10.02.2026

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Wo ist das Problem? Ich muss doch nicht kaufen. Und wenn ich aus versehen die Versandkosten übersehen habe, meine Gott, dann eben Widerruf und die Versandkosten werden auch wieder erstattet. Noch geiler. Ich bestelle und mache sofort einen Widerruf und schicken aber erst zwei Wochen später zurück und kann das Produkt noch nutzen und bekomme alles samt Versanddkosten zurück. Und wenn ich das Produkt genutzt habe, dann bezieht sich die Wertminderung auf den Produktpreis und nichtg auf die Versandkosten. Sehe da kein Risiko der Käufer. Es sei denn der Händler geht Pleite, aber wenn bei Amazon gekauft, ist auch das kein Risiko. Die 2000 Euro Versand sind ungewöhnlich, ja, aber keine Gefahr für den Käufer.
KI
10.02.2026

Antworten

Meinung: niemand wird gezwungen, irgendetwas zu kaufen. Weshalb sollten Kunden auch Verständnis haben, wenn draußen das Schnee- und Eis Chaos tobt? Es ist total unverschämt vom Versanddienstleister und vom Händler nicht wie gewohnt zuzustellen. Da müssen doch sofort Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. Sofort Abmahnanwälte beauftragen! Unbedingt den Händler sperren, der hat sich zwar zum DHL-Paketshop bemüht, aber es ist nicht ausreichend. Nicht vergessen, den A-Z-Garantie Antrag einreichen. Natürlich, die zu spät empfangene Produkte nicht retournieren! Schließlich ist der Kunde immer das Opfer, der Händler ist immer der Täter und Kriminelle. Ganz armes Deutschland!!! Dieses Gejaule der Deutschen auf allen Ebenen ist einfach nur noch grausam!