Straffe Zeitpläne, strikte Vorgaben und großer Druck für Amazons Lieferantinnen und Lieferanten standen in der Vergangenheit immer wieder im Zentrum von Kritik. Die Arbeitsbedingungen wurden dabei nicht zuletzt bemängelt, weil sich durch allzu eng kalkulierte Abläufe die Gefahr von Unfällen erhöht.
Amazon-Flex-Boten als selbstständige Lieferanten
Der Ruf nach Veränderungen brandete nach einem jüngsten Unfall im US-Bundesstaat Florida erneut auf, nachdem eine Kurierin des Lieferdienstes Amazon Flex eine Mutter mit Kinderwagen mit ihrem Auto erfasste und ihr schwere Verletzungen zufügte.
Der Unfall soll sich Ende August in der Kleinstadt Aventura zugetragen haben. Bei der Zustellerin handelte es sich um eine Amazon-Flex-Fahrerin. Amazon Flex ist ein Lieferdienst des Konzerns, über den selbstständige Lieferantinnen und Lieferanten in ihren eigenen Fahrzeugen Pakete für Amazon zustellen können. Während der Dienst in Deutschland 2022 eingestellt wurde, wird er in den USA fortgeführt, wobei Amazon mit Startgehältern zwischen 18 und 25 Dollar pro Stunde wirbt.
Paketbotin flüchtete nach Unfall
Die 45-jährige Kurierin soll mit ihrem SUV eine Frau erfasst haben, die ihren Sohn im Kinderwagen schob und gerade einen Zebrastreifen überquerte. Durch den Zusammenstoß sei das Opfer mehrere Meter weit geschleudert und der Kinderwagen umgestoßen worden, wobei das Baby herausfiel.
Auf einem Video, das den Unfallhergang zeigen soll, ist zu sehen, wie die Fahrerin mit Amazon-Prime-Weste kurz darauf zu dem Baby lief, um es von der Straße zu heben und zurück in den Kinderwagen zu legen. Danach sei die Botin in ihren Wagen gestiegen und weitergefahren. Dies gehe aus Informationen des entsprechenden Verhaftungsberichts hervor.
„Sie wurde mitten auf der Straße überfahren und zum Sterben zurückgelassen“, wird der Anwalt des Opfers, Judd Rosen, vom regionalen Nachrichtensender NBC 6 zitiert. In Folge des Unfalls habe das Unfallopfer eine Hirnblutung sowie einen Schädelbruch erlitten. Außerdem leide die Frau laut Rosen unter Gedächtnisstörungen und könne kaum noch laufen. Bei dem fünf Monate alten Baby wurden Prellungen festgestellt.
Die Unfallfahrerin sei mittlerweile verhaftet worden. Gegen sie wurde Anklage erhoben. Auch sei sie nicht mehr als Flex-Lieferpartnerin tätig.
Anwalt fordert umfassende Änderungen bei Amazon
Der Anwalt der Mutter fordert nach dem Unfall von Amazon, Verantwortung zu übernehmen und Änderungen an bestehenden Systemen vorzunehmen. Der Arbeitsdruck der Lieferanten berge laut Rosen gefährliches Potenzial für die allgemeine Sicherheit.
„Das ist ein Rezept, mit dem Amazon Milliarden verdient, aber es ist auch ein Rezept für eine Katastrophe für unsere Kinder, unsere Straßen und unsere Gemeinschaft, wenn Sicherheit nicht zur Priorität wird“, wird er weiter zitiert.
Aus dem jüngsten Unfall müssten nun Besserungen hervorgehen: „Wir wissen, dass Amazon Milliarden von Dollar hat und dieser Familie viel Geld zahlen wird, aber das nützt uns nichts, wenn sich nichts ändert.“ Konkret gehe es unter anderem darum, durch Richtlinien sicherzustellen, nach denen Fahrerinnen und Fahrer von Amazon gut geschult werden und Sorgfalt bei der Arbeit walten lassen.
Amazon: Sicherheit habe oberste Priorität
Amazon ließ über einen Sprecher verlauten, dass man in Gedanken bei der Familie des Opfers sei. Allerdings bestand der Konzern darauf, dass das Flex-Lieferprogramm im Zuge des Unfalls falsch wahrgenommen werde: „Tatsache ist, dass Sicherheit immer unsere oberste Priorität ist. Wir gestalten die Lieferblöcke so, dass sie in der vorgesehenen Zeit sicher abgeschlossen werden können, und die überwiegende Mehrheit der Amazon-Flex-Lieferpartner beendet die Lieferung vorzeitig“, so das Unternehmen laut NBC 6.
Auf Zuverlässigkeitsprüfungen und Schulungsmöglichkeiten für die Paketbotinnen und -boten verwies Amazon ebenso wie auf die Prozesse, nach denen sich die Kuriere ihre Zeiten beziehungsweise Lieferblöcke selbst aussuchen könnten. Zudem hätten sie die Freiheit, Pausen zu machen oder Besorgungen zu erledigen.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Tina Plewinski
Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.
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