Es ist ja eigentlich löblich. Seit Jahren explodiert die Zahl der Pakete, die quer durch Deutschland gefahren werden, weil es die Kundschaft längst gewohnt ist, nicht benötigte Produkte kostenlos wieder zurückzuschicken. Da werden zehn T-Shirts in unterschiedlichen Größen und Farben gekauft und neun werden wieder zurückgesendet. Man wollte eh nur eins und es kostet ja nichts. Amazon als größter Marktplatz hat entscheidenden Anteil daran, dass die Kund:innen die kostenlose Retoure erwarten – und die Konkurrenz muss mitziehen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben will.
Dass an dieser Stelle schon seit einer Weile ein Umdenken stattfindet, freut die Branche, denn natürlich ist eine kostenlose Retoure nicht kostenlos – sie wird nur vom Seller bezahlt. Und dass ausgerechnet Amazon jetzt eingesehen hat, dass kostenlos nicht gleich kostenlos ist und dass der Umwelt mit diesem System kein Gefallen getan wird, ist eben erst einmal: löblich. Allerdings nur auf den ersten Blick.
So viel Problem, so wenig Lösung
Jetzt also: Retoure in der Verpackung kostet, ohne Verpackung nicht – CO2-Abdruck quasi doppelt reduziert. Funktioniert so natürlich vorn und hinten nicht, wie die Resonanz bei Kund:innen und Händler:innen zeigt. Anstatt Waren in der Verpackung zurückzusenden, die Amazon verwendet hat, muss ein Paketbote oder Paketshop sie nachträglich in eine andere Verpackung sortieren – und wenn es nur eine Plastiktüte ist. Der Umwelt wird damit nicht geholfen, ganz im Gegenteil.
Das zweite Problem ist der Datenschutz. Nur ganz vielleicht finden es nicht alle Menschen gleichermaßen beruhigend, wenn Mitarbeiter:innen in Paketshops (vielleicht auch noch die Menschen, die in der Schlange warten) wissen, was man so an Amazon zurückschickt. Es muss dabei nicht einmal peinlich, zweideutig oder persönlich sein – es geht am Ende schlicht um die Privatsphäre des Menschen.
Zudem sind unverpackte Rücksendungen viel anfälliger für Beschädigungen. Verpackungen mit Füllmaterial sind ja gerade dafür da, zu gewährleisten, dass Produkte unbeschädigt ankommen. Man braucht viel Grundvertrauen, um zu hoffen, dass eine unverpackte Keramiktasse sicher am Zielort ankommt. Apropos Grundvertrauen ...
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