Amazon hat mit dem Start von Amazon Supply Chain Services (ASCS) ein neues Angebot für Unternehmen aller Branchen und Größen eingeführt. Ab sofort können auch Firmen, die nichts oder nur wenig mit dem Amazon-Marktplatz zu tun haben, auf das Fracht-, Lager-, Fulfillment- und Paketzustellnetz des Konzerns zugreifen. Erste Kunden sind unter anderem Procter & Gamble, 3M, Lands' End und American Eagle Outfitters. Amazon wird damit zum waschechten KEP-Dienstleister und greift das Kerngeschäft von DHL, DPD, Hermes und Co. an.
Was ASCS umfasst
Das neue Angebot gliedert sich in drei Bereiche. Im Bereich Fracht stellt Amazon Transportkapazitäten auf See, in der Luft, per Bahn und auf der Straße bereit – inklusive Zollabwicklung und Sendungsverfolgung. Im Bereich Distribution und Fulfillment können Unternehmen Waren importieren, lagern und über verschiedene Vertriebskanäle – darunter eigene Online-Shops, Marktplätze, Social-Commerce-Kanäle und stationäre Filialen – ausliefern lassen. Dafür steht laut Amazon ein gemeinsamer Lagerbestandspool mit KI-gestützter Nachfrageprognose zur Verfügung. Der dritte Baustein ist ein Paketzustellnetzwerk mit Laufzeiten von zwei bis fünf Tagen und einem Sieben-Tage-Betrieb.
Das AWS-Modell als Vorbild
Amazon verweist selbst auf die Parallele zu seiner Cloud-Sparte: Ähnlich wie AWS entstanden sei, weil Amazon seine Recheninfrastruktur für Dritte geöffnet habe, folge ASCS demselben Prinzip – diesmal für die Logistik. Seit 2006 nutzen externe Verkäufer über das Programm Fulfillment by Amazon (FBA) Teile dieser Infrastruktur. Laut Amazon wurden seitdem über 80 Milliarden Einheiten über FBA verschickt.
Relevanz für Online-Händler
Für Händler, die bereits auf Amazon verkaufen, ändert sich mit ASCS zunächst wenig – das Angebot baut auf bestehenden Diensten auf und bündelt sie stärker. Interessant wird es vor allem für Multichannel-Händler: Wer Bestände über verschiedene Plattformen und Kanäle hinweg verwaltet, kann künftig auf einen einzigen Lager- und Versanddienstleister setzen, anstatt mehrere Anbieter zu koordinieren. Für Marken, die bisher nur auf Amazon aktiv waren und ihren eigenen Online-Shop ausbauen wollen, bietet ASCS eine potenzielle Brücke.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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