In einer Klage wird Amazon vorgeworfen, Preiserhöhungen aufgrund von Zöllen an Kund:innen weitergegeben zu haben – und das Geld auch nach deren rechtlicher Aufhebung nicht zurückerstattet zu haben. Als Begründung nennt die Klageschrift nicht mangelnde rechtliche Grundlage, sondern politisches Kalkül: Amazon wolle durch das Einbehalten der Mittel der Trump-Regierung einen Gefallen tun.
Was Amazon-Kunden bezahlt haben sollen
Die beiden Kläger führen vor dem US-Bundesgericht konkrete Einkäufe als Belege an. So soll eine der klagenden Personen im Dezember 2025 einen Handstaubsauger von Bissell für 41,19 US-Dollar gekauft haben – ein Produkt aus chinesischer Produktion, das vor Inkrafttreten der IEEPA-Zölle (International Emergency Economic Powers Act, also die Zölle, mit denen Trump im vergangenen Jahr die Weltwirtschaft auf eine harte Probe stellte) günstiger gewesen sein soll. Ebenfalls aufgeführt wird ein Belkin-Audio-Adapter aus Vietnam für 99,99 US-Dollar.
Zusätzlich zitiert die Klageschrift eine Analyse des Wall Street Journal aus dem Juli 2025: Von 2.500 untersuchten Produkten auf Amazon sollen rund 1.200 teurer geworden sein – im Schnitt um 5,2 Prozent zwischen Januar und Juli 2025, so ecommercebytes.
Preisgestaltung bei Amazon ist komplex
Ob Amazon die Preise tatsächlich wegen der Zölle erhöht hat, ist schwer zu belegen. Amazon-CEO Andy Jassy hatte im Januar 2026 beim Weltwirtschaftsforum in Davos öffentlich eingeräumt, dass Drittanbieter auf der Plattform ihre Preise als Reaktion auf Zollbelastungen angehoben hätten. Amazon selbst hatte zudem Händler:innen frühzeitig dazu angehalten, Lagerbestände aufzubauen – dieser Vorrat sei jedoch im Herbst aufgebraucht gewesen.
Gleichzeitig weisen Beobachter auf die Schwierigkeit hin, einen direkten Kausalzusammenhang zwischen Zöllen und Preisveränderungen nachzuweisen: Amazons Preise werden täglich tausendfach durch Algorithmen angepasst, die auf Konkurrenzpreise, Lagerbestände, Nachfragesignale und viele weitere Faktoren reagieren.
Sammelklage mit weitreichenden Ansprüchen
Die als Sammelklage angelegte Klage stützt sich laut Reuters auf Ansprüche wegen ungerechtfertigter Bereicherung sowie auf Verstöße gegen das Verbraucherschutzrecht des US-Bundesstaates Washington. Die Kläger werfen Amazon vor, einen Vorteil aus einer rechtswidrigen staatlichen Maßnahme gezogen zu haben – auf Kosten der Verbraucher:innen, die die Mehrkosten letztlich getragen hätten.
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Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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